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Davos

12. Januar 2006

Shell, Bayer, Nestlé: Unternehmen am Pranger

Kritiker des World Economic Forums wollen Debatte über Verantwortung von Firmen verstärken

Der deutsche Pharmakonzern Bayer ist neben anderen internationalen Konzernen für den diesjährigen Public Eye Award nominiert worden. Die Nichtregierungsorganisationen (NGO) Pro Natura und Erklärung von Bern (EvB) wollen mit dem Preis Unternehmen öffentlich vorführen, die sich "sozial und ökologisch besonders unverantwortlich verhalten". Die Preisverleihung ist Teil des Programms, das Kritiker als Gegenpol zum World Economic Forum in Davos veranstalten.Um zu zeigen, dass es auch anders geht, wollen die Initiatoren in diesem Jahr ein Unternehmen auszeichnen, das sich verantwortungsbewusst verhalte. Wer der Musterknabe ist, bleibt bis zur Preisverleihung am 25. Januar geheim.Public Eye wolle die Diskussion um die Verantwortung von Unternehmen intensivieren, sagte Andreas Missbach, Finanzexperte der EvB. Die Diskussionen der Politiker und Konzernlenker, die sich Ende Januar in Davos treffen, seien eine Alibiübung. Hinter den Kulissen träfen sich die Manager, um ihr Netzwerk zu pflegen. Die Verquickung von privaten und öffentlichen Interessen hält Missbach für nicht legitim. Ein EvB-Sprecher kritisierte mit Blick auf die Sicherheitskosten von 5,5 Millionen Euro, dass dies mit Steuern finanziert wird.Den Public Eye Award verleihen die NGOs in diesem Jahr zum zweiten Mal.

Bayer wurde von Greenpeace Australia auf die Kandidatenliste gesetzt. Der Konzern habe die Bedeutung des schlimmsten Falls von Kontaminierung durch gentechnisch veränderte Produkte in Australien heruntergespielt. Im Juni 2005 seien in einer australischen Lieferung von gewöhnlichem Raps an Japan Spuren von genverändertem Bayer-Raps gefunden worden. Bayer habe daraufhin erklärt, dass Spuren von gentechnisch modifiziertem Material heutzutage "eine Tatsache" seien. Auf der Kandidatenliste von Public Eye steht auch Novartis, weil der Schweizer Pharmamulti nur widerwillig giftige Mülldeponien aus früheren Jahren entsorge.

Weitere Kandidaten sind unter anderem Coca-Cola, Vattenfall Europe, Nestlé, Walt Disney, Alcoa, Gap, Fila und Citigroup. 2005 ging die Negativ-Auszeichnung an Shell, Dow Chemical, Wal-Mart, KPMG und Nestlé.Der öffentliche Druck habe gewirkt, sagte Missbach. Der internationale Steuerwettbewerb sei zu einem Thema geworden, als Public Eye KPMG angeprangert habe, weil das Beratungsunternehmen seinen Kunden Steuerspartricks empfiehlt. Immerhin seien die Organisationen nun mit dem Chef von KPMG Schweiz im Gespräch. Sonja Ribi von Pro Natura wies außerdem darauf hin, dass Shell in Nigeria gerichtlich aufgefordert wurde, das Abfackeln von Gas zu unterlassen. Public Eye hatte diese umweltschädliche Praxis bei der Ölförderung kritisiert. (Süddeutsche Zeitung)

Die vollständige Nominierung von Bayer