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Doping

Presse-Info vom 21. Dezember 2006
Coordination gegen BAYER-Gefahren

Zahlungen dürfen nicht auf die schwersten Fälle beschränkt werden

Jenapharm: BAYER-Konzern muss alle Dopingopfer entschädigen

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert den BAYER-Konzern auf, sich an der Entschädigung ostdeutscher Doping-Opfer zu beteiligen. In der DDR wurden schätzungsweise 10.000 Sportler – darunter Kinder und Jugendliche – systematisch gedopt. Die Hormonpräparate stammten zum größten Teil von dem damaligen VEB Jenapharm. Jenapharm wurde von der Firma Schering übernommen, die ihrerseits von BAYER geschluckt wurde.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Jenapharm war Teil eines kriminellen Doping-Systems, das Tausenden von Menschen die Gesundheit ruinierte. Mit dem Kauf von Schering hat BAYER auch die Verantwortung für Jenapharm übernommen. Der Konzern muss alle Betroffenen finanziell entschädigen.“ Bei dem Dopingprogramm kam das von Jenapharm produzierte Anabolikum Oral-Turinabol zum Einsatz. Auch Hormonsubstanzen, die nicht für Menschen zugelassen waren, wurden verabreicht. Ein Großteil der Betroffenen erlitt schwere Gesundheitsschäden, darunter Leberschäden, Krebs- und Herzerkrankungen, Vermännlichung bei Frauen, Persönlichkeitsstörungen und behindert geborene Kinder.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Bundesregierung beschlossen in der vergangenen Woche, die 167 am schwersten betroffenen Sportler mit jeweils 9.250 Euro zu entschädigen. Jenapharm kündigte daraufhin an, dem selben Personenkreis einen „sozialen Beitrag“ zukommen zu lassen. Juristische Verantwortung will Jenapharm jedoch nicht übernehmen.

Zuvor hatte das Unternehmen jahrelang eine finanzielle Wiedergutmachung verweigert - noch im Oktober signalisierten Anwälte die Abwehr aller Entschädigungsklagen. Im Auftrag der Bayer AG, dem neuen Besitzer von Jenapharm, verhinderte die Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer die Zulassung einer Sammelklage. Und noch Anfang Dezember veranstaltete Jenapharm „eine an Peinlichkeiten kaum zu überbietende so genannte wissenschaftliche Konferenz“ (Berliner Zeitung), auf der von Jenapharm finanzierte Studien präsentiert wurden, die die Weste des Unternehmens reinwaschen sollten.

Der BAYER-Konzern wurde bereits vor der Übernahme von Jenapharm/Schering regelmäßig mit Doping in Verbindung gebracht. So warf Uli Eicke, ehemaliger Weltklasse-Ruderer und Leiter des Olympia-Stützpunktes, dem Konzern vor, seiner Leichtathletik-Abteilung über Jahre hinweg mit unlauteren Mitteln aus den eigenen Pharma-Labors Beine gemacht zu haben. Der Mittelstreckenläufer Walter Ewen äußerte, er habe „auf massiven Druck der BAYER AG“ Äußerungen zum Doping in der Laufabteilung des Unternehmens zurückgezogen. Auch andere aussagewillige Athleten seien beeinflußt worden.

Erst im vergangenen Sommer gab Rad-Profi Jörg Ludewig zu, in den 90er Jahren Dopingmittel eingenommen zu haben. Ludewig fuhr damals für den von BAYER gesponsorten Radrennstall EC Bayer Köln-Worringen. Die für BAYER Leverkusen startende Triathletin Nina Kraft, erste deutsche Gewinnerin des Ironman von Hawaii, wurde im vergangenen Jahr der Einnahme des Dopingmittels EPO überführt.

Berliner Zeitung, 06.12.2006
Berliner Zeitung, 18.12.2006