deutsch
english
francais
italiano
espanol
Galerie
Bisphenol A

Rund 3 Millionen Tonnen Bisphenol A werden jährlich weltweit produziert. Die größten Hersteller sind Sunoco, Dow, Bayer und GE.

07. Februar 2007, Süddeutsche Zeitung

Bisphenol A: Hormone im Babyfläschchen

Bisphenol A, das in Lebensmittelverpackungen enthalten ist, wirkt wie Östrogen. Die EU hat die Grenzwerte nach einer neuen Studie erhöht - die jedoch durch die Plastikindustrie finanziert wurde.

Glasklar ist der Kunststoff Polykarbonat, aus dem unter anderem Lebensmittelverpackungen und Babytrinkfläschchen bestehen.

Sein Grundbaustein: Das Molekül Bisphenol A, kurz BPA genannt. Die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat die Menge BPA, die der Mensch täglich schlucken darf, auf das Fünffache heraufgesetzt. Der Entscheidung liegen Daten zugrunde, die bisher nicht veröffentlicht sind.

Zu Tausenden in langen Ketten verknüpft, bilden Bisphenol-A-Moleküle das widerstandsfähige Polykarbonat. Beim Erwärmen oder im Kontakt mit sauren Substanzen können sich einzelne BPA-Moleküle herauslösen und in Lebensmittel oder Umwelt gelangen.

Im Organismus wirkt BPA ähnlich wie das weibliche Geschlechtshormon Östrogen. Es bindet, wenn auch schwächer als das Original, an dieselben Rezeptormoleküle auf der Oberfläche von Zellen.

Ob BPA damit eine Gesundheitsgefahr für den Menschen, insbesondere für Kleinkinder, darstellt, ist unter Wissenschaftlern seit Jahren umstritten. In Tierversuchen fanden einige Forscher, dass schon geringe Mengen die Entwicklung beeinflussen:

Männliche Mäuse, deren Mütter während der Tragzeit diese Chemikalie erhielten, hatten eine vergrößerte Prostata; Spermienproduktion, Fruchtbarkeit und die Menge des männlichen Geschlechtshormons Testosteron gingen zurück; weibliche Tiere wurden vorzeitig geschlechtsreif.

Einfluss der Plastikindustrie
Eine aktuelle Studie beschreibt, dass BPA die Entwicklung von Mäuseembryonen stört (1). Besondere Aufmerksamkeit erregten Untersuchungen, die Einflüsse von BPA auf die Gehirnentwicklung von Ratten fanden (2). Auch sollen Tiere, deren Mütter vor der Geburt BPA ausgesetzt waren, Verhaltensänderungen zeigen (3).

Andere Forscher konnten solche Befunde nicht bestätigen: So kamen Wissenschaftler des Harvard Center for Risk Analysis in Boston in einer zusammenfassenden Bewertung zu dem Schluss, es gebe nur sehr schwache Anhaltspunkte dafür, dass niedrige BPA-Konzentrationen die Entwicklung stören (4).

Auch Wissenschaftler des Research Triangle Institute (RTI) in North Carolina fanden keine negativen Effekte bei Laborratten, die bis zu fünf Milligramm BPA pro Kilogramm Körpergewicht am Tag schluckten. Oberhalb dieser Grenze kam es zu Leberschäden (5).

Diese Entwarnungen haben allerdings einen Schönheitsfehler: Sie stammen nicht aus unabhängigen Quellen. So wurde die Bewertung des Harvard Center for Risk Analysis vom American Plastics Council bezahlt, einem Interessenverband von Kunststoffherstellern.

Die Studie des RTI wurde finanziert von der US-amerikanischen Society of the Plastics Industry. Verfasser waren neben den RTI-Wissenschaftlern auch Mitarbeiter großer Chemiefirmen wie Dow Chemical, Bayer und Shell.

Dass die Finanzquelle Einfluss auf das Ergebnis hat, zeigte der Toxikologe Frederick vom Saal von der University of Missouri. Er nahm 130 wissenschaftliche Arbeiten unter die Lupe, die sich bis zum Juli 2005 mit den möglichen Wirkungen niedriger BPA-Konzentrationen befasst hatten.

In 109 davon wurden Schäden durch die Chemikalie beschrieben. Alle diese Untersuchungen waren aus öffentlichen Mitteln finanziert worden.

Nur zehn der öffentlich geförderten Arbeiten fanden keine nachteiligen Wirkungen. Weitere elf Studien waren von Chemieunternehmen gesponsert. In keiner dieser Studien wurden negative Effekte von BPA entdeckt.

Mehr als 90 Prozent der industrieunabhängigen Untersuchungen weisen also auf Gesundheitsrisiken durch BPA hin, alle industriegeförderten Forscher kamen zum gegenteiligen Ergebnis (5).

Weil die wissenschaftliche Lage so widersprüchlich ist, galt in der EU bisher ein relativ niedriger vorläufiger Grenzwert: Ein Mensch sollte demnach täglich höchstens zehn Mikrogramm BPA pro Kilogramm Körpergewicht über Lebensmitteln aufnehmen.

Das ist ein Fünfhundertstel der Dosis, die in den Rattenversuchen der industriefinanzierten RTI-Studie zu Gesundheitsschäden geführt hat. Jetzt erhöhte die EFSA diese akzeptable Dosis (Tolerable Daily Intake, TDI): Künftig dürfen es 50 Mikrogramm sein.

BPA werde vom menschlichen Organismus schneller abgebaut als bei Mäusen und Ratten, argumentieren die Wissenschaftler der EFSA in ihrer Stellungnahme, an der auch Fachleute des Bundesamtes für Risikobewertung (BfR) in Berlin mitgearbeitet haben. Die Gefahr sei damit geringer, als Tierversuche bisher vermuten ließen (7).

Allerdings hilft der rasche Abbau nur begrenzt: Wissenschaftler des National Center for Environmental Health in Atlanta fanden in Urinproben bei fast allen Untersuchten Spuren von BPA oder dessen Abbauprodukten.

Offenbar unter Handlungsdruck
Das spricht dafür, dass Menschen ständig BPA aus der Umwelt aufnehmen (8). Viele Wirkungen, die BPA in Tierversuchen hat, hält die EFSA für unerheblich:

Wenn das Gewicht einzelner Organe sich geringfügig verändert, Abweichungen im Hormonhaushalt und im Gewebeaufbau auftreten oder der Zeitpunkt der Geschlechtsreife sich verschiebt, sei nicht klar, ob solche Veränderungen wirklich schadeten, heißt es in der Stellungnahme.

Auch würden die Effekte oft nur beim Jungtier auftreten und im Erwachsenenalter wieder verschwinden. Vor allem aber stützt sich die EFSA auf eine neue Studie, die über zwei Generationen hin untersuchte, ob BPA Fortpflanzung und Entwicklung von Ratten stört.

Veranlasst wurde diese Untersuchung durch das European Chemicals Bureau, das zur Gemeinsamen Forschungsstelle der EU im italienische Ispra gehört.

Bemerkenswerterweise beauftragte es die gleichen Wissenschaftler des RTI, die bereits vor fünf Jahren mit Geld der US-Plastikindustrie die Unbedenklichkeit von BPA festgestellt hatten.

Finanziert wurde die Studie auch jetzt wieder durch die Industrie, wie die EFSA auf Anfrage mitteilte. Und auch diesmal fanden die RTI-Forscher, dass niedrige BPA-Mengen ungefährlich seien. Wie sie zu diesem Schluss kamen, lässt sich derzeit noch nicht überprüfen - die Studie wird nach Auskunft der EFSA erst in einigen Monaten veröffentlicht.

Man mag sich fragen, warum die Änderung des seit 2002 geltenden Grenzwerts nicht warten konnte, bis die zugrundeliegenden Daten öffentlich zugänglich sind. Die europäischen Lebensmittelwächter standen wohl unter Handlungsdruck.

Die EFSA-Experten hatten nämlich auch ermittelt, wie viel BPA Menschen unterschiedlichen Alters täglich schlucken. Dabei kam heraus: Bei sechs Monate alten Säuglingen wird die bisher geltende Schwelle überschritten.

Die Experten rechneten zusammen, wie viel BPA ein Baby mit der Säuglingsnahrung zu sich nimmt und wie viel sich aus Plastikfläschchen und -geschirr herauslösen kann.

Das Resultat: 13 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht kommen zusammen. Das ist nur ein Viertel des neuen TDI-Wertes, freuen sich die EFSA-Experten und vergessen zu erwähnen: Es sind 30 Prozent mehr, als bisher zulässig waren.

Völlig unberücksichtigt bleibt, dass der problematische Plastik-Baustein nicht nur in Brei und Fläschchen steckt. Eine vergangenes Jahr veröffentlichte Untersuchung des Österreichischen Bundesumweltamtes ergab beispielsweise, dass ein Kilogramm gewöhnlichen Hausstaubs fast neuntausend Mikrogramm BPA enthalten kann.

Wie viel davon Krabbelkinder schlucken oder einatmen, weiß niemand so genau. Schon gar nicht ist bekannt, wie die vielen verschiedenen hormonähnlichen Umweltchemikalien - von Weichmachern bis zu Pestiziden - im Organismus zusammenwirken. Untersuchungen, die die Risiken durch die verschiedenen östrogenähnlichen Substanzen gemeinsam bewerten, liegen laut BfR nicht vor und sind derzeit auch nicht geplant.

27.06.2007 Sueddeutsche Zeitung

Chemie in Verpackungen

Wenn der Grenzwert plötzlich fällt

EU-Behörde lockert Bestimmungen für eine Chemikalie, hält aber die grundlegende Untersuchung dazu unter Verschluss.
Von Wiebke Rögener

Wenn Babyfläschchen oder Lebensmittelverpackungen aus Polykarbonat den Bestandteil Bisphenol A (BPA) in Speisen und Getränke absondern, ist das nach Auffassung der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA seit Anfang dieses Jahres nicht mehr so schlimm wie noch in der Zeit zuvor.

Die Behörde hob den gesetzlichen Grenzwert deutlich an. Seither gilt es als akzeptabel, täglich 50 Mikrogramm BPA pro Kilogramm Körpergewicht zu schlucken, vorher waren 10 Mikrogramm die Obergrenze. Der europäische Verbraucher kann diese Entscheidung indes nicht nachvollziehen, denn wesentliche Daten, auf die sich die EFSA stützt, werden der Öffentlichkeit bis heute vorenthalten.

Seit Jahren streiten Wissenschaftler darüber, wie gefährlich BPA ist. Die allgegenwärtige Chemikalie schädige Hirn und Hoden, störe die Embryonalentwicklung und führe zu Verhaltensänderungen, sagen die einen und verweisen auf entsprechende Untersuchungen an Ratten und Mäusen. Eine Untersuchung dänischer Wissenschaftler bestätigte den Verdacht, dass BPA auf menschliche Hormonrezeptoren ähnlich wirkt wie Östrogen.

Andere Forscher konnten bei Tierversuchen keine Schäden entdecken. Auffällig ist dabei, dass es stets öffentlich finanzierte Arbeiten waren, die Beeinträchtigungen durch BPA feststellten: 153 dieser Studien fanden negative Effekte schon bei niedrigen Konzentrationen, nur 14 fanden keine. Dagegen kamen alle 13 von der Industrie geförderten Studien zu dem Schluss, BPA sei eher harmlos.

Die Chemieindustrie finanzierte auch die Untersuchung, auf die sich die EFSA stützte, als sie befand, der Mensch vertrage fünfmal mehr BPA als bisher erlaubt. In einer umfangreichen Studie hatte das Team der Biologin Rochelle Tyl am amerikanischen Research Triangle Institute in North Carolina untersucht, wie BPA auf Mäuse wirkt.

Über zwei Generationen hin hätten sich keine negativen Effekte geringer BPA-Dosen gezeigt, berichteten die EFSA-Experten in ihrer Begründung für den heraufgesetzten Grenzwert. Ihnen lag offenbar ein Entwurf der Studie vor, veröffentlicht ist diese jedoch bislang nicht. Auf Anfrage erläuterte eine Sprecherin der EFSA: Die betreffende Studie sei vom European Chemicals Bureau (ECB) im Rahmen der Risikobewertung von bestehenden Chemikalien veranlasst worden, das Vorgehen mit dem ECB abgestimmt.

Es sei gängige Praxis, dass die EFSA-Gremien sich auf solche noch unveröffentlichten Entwürfe stützen. "Die Studie ist noch nicht publiziert, die Veröffentlichung wird aber in den nächsten Monaten erwartet", so die Sprecherin im Februar.

Eine Nachfrage Ende April führte nicht weiter: "Leider haben wir keine neuen Informationen darüber, wann die Studie veröffentlicht wird", hieß es bei der EFSA. Auch wusste man dort keinen Ansprechpartner beim ECB zu nennen, der darüber Auskunft geben könnte.

Eine direkte Anfrage beim ECB, das zur Gemeinsamen Forschungsstelle der EU-Kommission im italienischen Ispra gehört, blieb unbeantwortet. Eine Nachforschung Mitte Juni förderte dann Erstaunliches zutage: Die Risikobewertung (Risk Assessment Report) für BPA sei noch nicht abgeschlossen, erklärt der Leiter des ECB Steven Eisenreich. Auch habe das ECB die Studie über BPA nicht in Auftrag gegeben, sondern koordiniere nur die Diskussion und die technische Überprüfung des Risikoberichts.

Noch hätten sich die "Technical Committees on New and Existing Substances" nicht dazu geäußert, ferner müssten sich weitere Gruppen erst noch dazu erklären. Solange die Begutachtung noch nicht abgeschlossen ist, so Eisenreich, werde der Bericht nicht veröffentlicht.

Unfertige Studien
Zu unfertig sind die Studienergebnisse also, um sie zu veröffentlichen, aber immerhin fertig genug, um auf ihrer Grundlage Grenzwerte zu lockern. Denn Rochelle Tyls Untersuchung war nicht einfach nur eine von vielen Studien, die die EFSA auswertete, sondern ausschlaggebend für die Festsetzung des neuen Grenzwerts.

Wer genau diese Untersuchung finanzierte, bleibt dem europäischen Verbraucher ebenfalls verborgen. Immerhin teilte die EFSA auf Anfrage mit, das Geld stamme aus der Industrie. Die genaue Finanzquelle wurde auch vom ECB nicht genannt.

Doch in einem Berichtentwurf des Center for the Evaluation of Risks to Human Reproduction des US-Department of Health and Human Services wird der Sponsor für die Tyl-Studie genannt: Das American Plastics Council, ein Interessenverband der US-Kunststoffindustrie.

Die Bewertung von BPA durch Europäische Behörden und die Festlegung von Grenzwerten ist für den Verbraucher bei weitem nicht so glasklar wie die Fläschchen und Lebensmittelverpackungen, die aus diesem Stoff gefertigt werden.

Mit der "Europäischen Transparenzinitiative" hatte die EU-Kommission noch anderes versprochen. Jede moderne Verwaltung müsse sich durch "ein hohes Maß an Transparenz legitimieren", heißt es im "Grünbuch Europäische Transparenzinitiative", dass im Mai 2006 vorgelegt wurde.

Zu den angekündigten Schritten gehören unter anderem auch Vorschriften für die Veröffentlichung von Dokumenten. "Sie schaffen einen Rahmen für den Zugang zu unveröffentlichten Dokumenten der EU-Organe und Einrichtungen und die Bearbeitung von persönlichen Anfragen", heißt es weiter.

Zudem setzt sich die EU-Kommission in einer Mitteilung an das Europäische Parlament für eine "schnelle und weit gestreute Verbreitung von Forschungsergebnissen" ein. Beim European Chemicals Bureau ist dieser Appell offenbar noch nicht angekommen.

dpa; 19.02.2007

Dick durch Chemie: Umwelteinflüsse programmieren auf Fettsucht

Übergewicht ist nicht nur Folge einer ungesunden Lebensweise, sagen US-Wissenschaftler. Es könne Menschen durch Umweltchemikalien schon mit in die Wiege gelegt werden

Mehrere Forscherteams präsentierten in San Francisco eine Erklärung für die zunehmenden Gewichtsprobleme der Welt: Chemikalien. In Tierversuchen gelang es nachzuweisen, dass bestimmte chemische Stoffe, allen voran die «Umwelt-Östrogene», Übergewicht schon im Mutterleib vorprogrammieren. Die neuen Daten wurden auf dem weltgrößten interdisziplinären Wissenschaftskongress, der AAAS-Jahrestagung in San Francisco vorgestellt.

Demnach können bestimmte Umweltchemikalien in kritischen Entwicklungsphasen eines Fötus in die Programmierung seiner Gene eingreifen und damit die Bestimmung von Fettzellen und sein Wachstum nach der Geburt beeinflussen, sagte der Biologe Frederick vom Saal von der Universität von Missouri. «Wir haben jetzt umfangreiches Beweismaterial dafür, dass die Fettleibigkeit im Erwachsenenalter - bei Versuchstieren und bei Menschen - mit Faktoren im Mutterleib zusammenhängt.» Außer Vom Saal legten unter anderen Experten der Zentren für Seuchenkontrolle (CDC) in Atlanta entsprechende Daten von Tierversuchen vor.

Mehr Pfunde nach Kontakt zu chemischen Stoffen
Beispiel Bisphenol A: Dieser «östrogenartige» Stoff kommt in Plastikbehältern und -bechern vor und wird als Beschichtung von Getränkebüchsen und Gemüsedosen verwendet. Selbst in Babyfläschchen und Kinderspielzeug werde es verwendet, warnte vom Saal. Männliche und weibliche Mäuse, die mit Bisphenol A im fötalen Stadium in Kontakt kamen, legten später weitaus mehr an Gewicht zu als Kontrolltiere ohne Kontakt zu dem Chemikal. Dabei wurden Dosierungen angewendet, die für menschliche Föten in Industrieländern üblich oder sogar vergleichsweise niedrig sind, berichtete Retha Newbold vom National Institute for Environmental Health Sciences.

Bruce Blumberg und Kollegen von der Universität von Kalifornien in Irvine wiesen den Effekt bei Versuchstieren auch mit einer Gruppe organischer Schadstoffe nach, den Organotinen. Zu ihnen gehöre das als TBT bekannte Tributylin. Es werde seit den 1960er Jahren für Farben in der Schifffahrt benutzt. Menschen kämen mit Organotinen vor allem über präservierte Fische und Meerestiere, über Fungizide in Ernteprodukten, Mittel zur Holz- und Textilbehandlung sowie Spuren von Industriewassern in Kontakt, sagte Blumberg in San Francisco.

Noch unklar: Wie funktioniert die Genprogrammierung?
«Es macht Sinn, die Zunahme Fettleibigkeit mit den seit etwa 40 Jahren immer weiter verbreiteten Industriechemikalien in Verbindung zu bringen», glaubt der Wissenschaftler. Obwohl Tierversuche den Zusammenhang bestätigen, ist noch nicht im Einzelnen klar, wie die Stoffe in den Zellmechanismus eingreifen. Den Einfluss von Bisphenol A auf die Genprogrammierung von Föten verglich vom Saal mit dem Accent auf einem französischen Wort: «Dieser kleine Strich kann die Funktion eines Gens vollständig ändern.»

Übergewicht: Ein weltweites Gesundheitsproblem
Fettleibigkeit wird von einem wachsenden Heer von Medizinern als globale Gesundheitskrise befürchtet. Schon jetzt litten mehr Kinder weltweit unter Überernährung als Hunger. Fettleibigkeit führt zu Herz- und Kreislauferkrankungen und fördert Diabetes. Menschen mit schwerem Übergewicht können selbst normal dosierte Schmerzmittel und Antibiotika nur schwer abbauen, wiesen George Corcoran und Kollegen von der Wayne State University in Detroit nach. Das Team fand, dass die Leber und Nieren fettleibiger Ratten etwa doppelt so häufig mit toxischem Schock auf Medikamente und Alkohol reagieren wie die von normalgewichtigen Nager. Auch dieser Faktor dürfte zum erhöhten Sterberisiko für Fettleibige beitragen, vermuten die Forscher.

(1) PLoS Genetics, Bd. 3, S. 63, 2007
(2) Endocrinology, Bd. 146, S. 5388, 2005
(3) Environmental Health Perspectives, Bd. 112, S. 1159, 2004
(4) Human and Ecological Risk Assessment, Bd. 10, S. 875, 2004
(5) Toxicological Sciences, Bd. 68, S. 121, 2002
(6) Environmental Research, Bd. 100, S. 50, 2006
(7) http://www.efsa.europa.eu/en/science/afc/afc_opinions/bisphenol_a.html
(8) Environmental Health Perspectives, Bd. 113, S. 391, 2005