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Hamburg

22. Februar 2007, Hamburger Abendblatt

Protestaktion vor dem Verwaltungsgebäude der Bahn in Eppendorf

Sie fordern: Stoppt Giftmüll-Transporte

Anwohner der Güterumgehungsbahn haben Angst. Bahn verweigert Auskunft.

"Wir wissen gar nicht, wie viele und was für Gifttransporte vor unserer Haustür vorbeirauschen. Das macht Angst", sagt Joachim Stein (39) aus Groß Borstel, der unweit der Strecke der Güterumgehungsbahn wohnt. Und Anwohner Uli Heckenberger (47) sagt: "Es darf nicht sein, dass Giftmüll-Transporte auf der Schiene mitten durch unsere Wohngebiete fahren. Und schon gar nicht solche, die extra aus Australien importiert wurden." Dieser Meinung schlossen sich auch die rund 30 anderen Menschen an, die gestern vor dem DB Mobility Center an der Eppendorfer Landstraße gegen GiftmüllTransporte auf der Strecke der Güterumgehungsbahn protestierten. Auch Uwe Schröder, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Schienenlärm, war dabei: "Der geplante Gifttransport aus Australien ist doch nur die Spitze des Eisberges. Die Bahn muss endlich mal die Karten offenlegen, wie viel gefährliche Fracht täglich durch Hamburg rollt." Dazu Bahnsprecher Ole Constantinescu: "Wir sind nicht dazu verpflichtet, über Gefahrgut Auskunft zu geben."
Wie berichtet, plant der australische Chemie- und Sprengstoffhersteller Orica, 22 000 Tonnen mit krebserregendem Hexachlorbenzol per Schiff nach Brunsbüttel zu schaffen. Die eine Hälfte soll dort verbrannt werden, der Rest auf dem Schienenweg zur Firma Bayer nach Nordrhein-Westfalen geschafft werden. Doch zunächst hat das schleswig-holsteinische Umweltministerium das Genehmigungsverfahren für den Transport gestoppt, unter anderem, weil die australischen Behörden bislang nicht bestätigt haben, dass der Giftmüll nicht in Australien vernichtet werden kann.
Unterdessen beschäftigt das Thema Gifttransporte auf der Schiene durch Hamburg auch die Bundespolitik: Der Abgeordnete Christian Carstensen will in einer Kleinen Anfrage von der Bundesregierung unter anderem wissen, wie viel Gefahrengut, insbesondere Giftmüll, in den vergangenen Jahren über die Strecke der Güterumgehungsbahn transportiert wurde und wie vor dem Hintergrund dieser speziellen Gefahrenlage die Sicherheit der Anwohner entlang der Bahntrasse gewährleistet wird.
ug
erschienen am 22. Februar 2007