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STICHWORT BAYER 01/2007

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

die australische Firma ORICA (früher ICI Australia) möchte 22.000 Tonnen Chemiemüll nach Deutschland exportieren. Das hochgiftige Hexachlorbenzol soll in Brunsbüttel, Dormagen, Herten und Leverkusen verbrannt werden. Zwei der hierfür vorgesehenen Müllverbrennungsanlagen gehören zum BAYER-Konzern.
Die giftige Altlast lagert seit Jahrzehnten in Botany Bay am Rande von Sydney. Hexachlorbenzol (HCB) fiel bei ORICA als unerwünschtes Nebenprodukt bei der Produktion von Lösemitteln an. Einst wurde HCB auch als Pestizid verkauft, unter anderem von BAYER. Doch seit langem ist bekannt, dass HCB extrem gefährlich für Mensch und Umwelt ist: Der Stoff reichert sich in Blut, Fettgewebe und Muttermilch an und ist biologisch praktisch nicht abbaubar. Wie bei anderen langlebigen organischen Schadstoffen (sogenannten POPs) ist die Verschmutzung mit HCB ein grenzüberschreitendes Problem, da sich die Chemikalie über Luft- und Wasserströmungen weltweit verbreitet. HCB zählt deshalb zu dem Dreckigen Dutzend, den 12 weltweit gesundheitsschädlichsten Stoffen, welche die Stockholmer Konvention im Jahr 2001 verboten hat.
Australische Umweltgruppen kooperieren seit fast zwei Jahrzehnten mit der hiesigen Regierung und der Firma ORICA, um eine Vernichtung dieser gefährlichen Altlast sicherzustellen. Schon 1996 empfahl ein Beratungsgremium der australischen Regierung eine Entsorgung des Stoffes vor Ort, wo auch Anlagen und das entsprechende Know-how zur Verfügung steht. Wegen der hohen Transportrisiken müssten Gefahrstoffe wie Hexachlorbenzol so nah wie möglich am Entstehungsort zerstört werden, argumentierten die ExpertInnen.
ORICA schob das Problem jedoch viele Jahre auf die lange Bank. Das in Australien etablierte Gasphasen-Reduktionverfahren wurde von dem Unternehmen abgelehnt. Nun will die Firma den leichtesten Weg gehen und die Altlast einfach nach Deutschland exportieren. Durch Transport, Umladen und Verbrennung entstünden jedoch unkalkulierbare Gefahren. Die Baseler Konvention, die strenge Regeln für den Export von Giftmüll aufgestellt hat, würde durch dieses Geschäft auf den Kopf gestellt.
ORICA hat öffentlich verlautbart: „Wir gehen nirgendwohin, wo es Opposition gibt“. Das Unternehmen behauptete zudem, dass es in Deutschland keinen Widerstand gegen die Verbrennung von HCB gäbe. Wir freuen uns, dass wir die Firma gemeinsam mit der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN, dem BUND und anderen deutschen Umweltgruppen eines Besseren belehren konnten! Unsere australisch-deutsche Koalition wird weiter daran arbeiten, ORICA nicht in den Genuss einer Ausnahmegenehmigung für den Export von HCB kommen zu lassen.

Dr. Mariann Lloyd-Smith gehört dem australischen NATIONAL TOXICS NETWORK an und ist Co-Vorsitzende des INTERNATIONAL POPS ELIMINATION NETWORK