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STICHWORT BAYER 02/2007

Turbulente BAYER-Hauptversammlung

Aktionen & AktionärInnen

Am 27. April lud der Leverkusener Multi zu seiner diesjährigen Hauptversammlung ein. Unter den nicht ganz so willkommenden Gästen befanden sich die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN, das EINE-WELT-NETZWERK NRW, der NIEDERRHEINISCHE UMWELTSCHUTZVEREIN, die KREFELDER ÄRZTE-INITIATIVE und andere Konzern-KritikerInnen. So kamen den Aktionären nicht nur Zahlen zu Gehör.

Für Bayer war es mal wieder ein Rekordjahr. Mit 29 Milliarden Euro konnte der Vorstandsvorsitzende Werner Wenning auf der Hauptversammlung ein Umsatzplus von 17 Prozent verkünden. Das sorgte aber auch für einen Rekord ganz anderer Art: Keine andere Stadt in Nordrhein-Westfalen verlor 2006 so viele Industrie-Arbeitsplätze wie der Konzern-Stammsitz Leverkusen. Diese und andere Begleiterscheinungen der Gewinnjagd brachten zehn Kritische AktionärInnen der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN und anderer Initiativen zur Sprache. Der Protest begann schon vor den Kölner Messehallen. Ein fast vier Meter großer, vom Aktionskünstler Klaus Klinger gestalteter Gevatter Tod mit einer Tonne Hexachlorbenzol unter dem Arm spielte auf das von Bayer anvisierte Millionengeschäft mit der Verbrennung australischen Giftmülls an, und eine riesige Weltkugel des EINE-WELT-NETZWERKES-NRWs rief den BesucherInnen die globalen Auswirkungen lokalen Profitstrebens in Erinnerung. Zudem mussten die AktionärInnen sich den Weg zu den heiligen Hallen durch eine Phalanx von FlugblattverteilerInnen bahnen.

Durch den so in ähnlicher Weise schon seit Jahren aufgebauten öffentlichen Druck sieht sich der Multi zu aufwändigen Image-Investitionen veranlasst. Nunmehr sind auf den Hauptversammlungen neben den Zahlen nicht nur ein paar Worte zu hören, sondern sogar Filme zu sehen. Zeigte der Konzern seinen AnteilseignerInnen im letzten Jahr, wie sich mit einem kleinen Griff in die Portokasse durch ein vom Konzern spendiertes Süppchen ein Lächeln auf das Gesicht armer Dritte-Welt-Kinder zaubern lässt, so brachte er diesmal ein Werk über ein angebliches Wundermittel gegen Krebs zur Aufführung. Dass es sich hierbei um pure Science-Fiction handelte, stellte Philipp Mimkes von der CBG klar. Nur bei PatientInnen mit fortgeschrittenem Nierenkrebs, bei denen die Chemotherapie nicht mehr anschlägt, kann BAYER nämlich eine lebensverlängernde Wirkung um bis zu drei Monaten nachweisen, weshalb NEXAVAR gegenüber dem Konkurrenz-Präparat SUTENT auch als Mittel zweiter Wahl gilt. Bei den Indikationen „Haut- und Bauchspeicheldrüsenkrebs“ musste der Leverkusener Multi die Klinische Erprobung von NEXAVAR sogar vorzeitig abbrechen. Mit seiner Vielzahl von gesundheitsgefährenden Produkten ist BAYER für Mimkes daher viel eher Teil des Problems als der Lösung.

„Es gibt Familien, in denen alle Mitglieder Tumorerkrankungen haben. Die Menschen haben eine Zeitbombe in ihrem Körper, ihre Lebenserwartung liegt 30 Jahre unter dem Durchschnitt“, zitierte etwa der Schreiber dieser Zeilen in seiner Rede die Argentinierin Sofia Gatica, die sich mit der Initiative DIE MÜTTER VON ITUZAINGÓ gegen die unter anderem von BAYER-Pestiziden ausgehende Gefahr wehrt. Die allgemeine Schadensbilanz der Ackergifte präsentierte Jens Elmer vom EINE-WELT-NETZ-NRW der Hauptversammlung: Nach neuesten Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO vergiften sich jährlich bis zu 25 Millionen Menschen durch Agrochemikalien. Aber der Leverkusener Multi habe noch nicht einmal sein 1995 gegebenes Versprechen eingelöst, bis zum Jahr 2000 wenigstens die schlimmsten, der Gefahrenklasse I angehörenden Ackergifte vom Markt zu nehmen, kritisierte Elmer und forderte: „Stoppen Sie endlich den Verkauf hochgefährlicher Pestizide!“ An eine solche Zusage mochte Werner Wenning sich nicht mehr erinnern. Die Ablösung von Klasse-I-Pestiziden sei „ein langwieriger Prozess“, da gebe es „keine Schwarz/Weiß-Lösungen“, druckste der Profit-Profi herum und nahm wieder einmal bei der Standard-Antwort Zuflucht, bei sachgemäßer Anwendung gehe von den Chemischen Keulen keinerlei Gefahr aus.

Hubert Ostendorf (CBG) informierte die Hauptversammlung über die von Nierenversagen über Schlaganfälle bis zu Herzinfarkten reichenden Gegenanzeigen der Arznei TRASYLOL und der Allgemeinmediziner Dr. Bernd Kaufmann von der ÄRZTE-INITIATIVE GEGEN DAS KOHLEKRAFTWERK UERDINGEN widmete sich den Risiken und Nebenwirkungen des im Krefelder Chemiepark geplanten Steinkohle-Kraftwerkes. Würde die Dreckschleuder die Feinstaub-Belastung in der Stadt nur um 10 Nanogramm pro Kubikmeter erhöhen, würde die Sterberate bei Lungenkrebs um 14 Prozent steigen, rechnete er vor. „Wir sind der Meinung, dass gesundheitliche Belange auch bei den Fragen der Energie-Gewinnung und -Produktion vorrangige Beachtung finden müssen“, so Kaufmann. Der Krefelder Stadtrat war der selben Meinung und lehnte den Bau ab, aber BAYER lässt nichts unversucht, um doch noch an die Dreckschleuder zu kommen.

Welche Folgen der Betrieb eines solchen Kraftwerkes für das Klima hätte, machte Ulrich Grubert vom NIEDERRHEINISCHEN UMWELTSCHUTZVEREIN deutlich. 4,4 Millionen Tonnen Kohlendioxid betrüge die zusätzliche Luftbelastung, führte er aus und veranschaulichte die Dimension dieser Zahl durch einen Vergleich. „Würden alle Bewohner Australiens ihre Glühlampen durch Energiesparlampen ersetzen, würden jährlich drei Millionen Tonnen an Kohlendioxid eingespart“, so Grubert. „Sie können sicher sein, dass Fragen zu Gesundheit und Umwelt für uns wichtig sind“, antwortete Wenning. Aber anderes offenbar wichtiger - und bestimmt nicht das, was er zur Legitimation des Projektes anführte: Standortsicherung und Arbeitsplätze.

Auch Axel Köhler-Schnura von der CBG nahm sich der drohenden Klima-Katastrophe an und wandte sich zu Beginn seiner Ausführungen direkt an die AktionärInnen. „Wie fühlen Sie sich, wenn nun Realität wird, wovor wir KritikerInnen seit Jahrzehnten warnen? Immerhin sprechen wir bereits seit den 80er Jahren hier über die CO2- und andere Emissionen des BAYER-Konzerns, über die Verantwortung des BAYER-Konzerns für die Qualität des Klimas und der Luft. Es muss doch jetzt langsam dem Letzten hier im Saal klar werden, dass hier auf den Hauptversammlungen nicht nur über Gewinn und Dividende gesprochen werden kann!“, beschwor er das Publikum. Und dann sprach er über anderes: Arbeitshetze, Arbeitsplatzvernichtungen und Ausgliederungen.

Was das konkret für die betroffenen Familien bedeutet, veranschaulichte Ulla Krajewski (CBG). Sie verlas den Beitrag eines jungen Schülers, den die Rationalisierungspläne bei BAYER INDUSTRY SERVICES zu einer ungewöhnlichen Protestaktion veranlasst haben. „Wir sind Jugendliche, die sich Sorgen machen um die Arbeitsplätze. Wenn schon die Stellen für unsere Väter in Gefahr sind, wie sieht es dann erst bei unserer Generation aus? Aus diesem Grund machen wir in den Sommerferien eine Protestfahrt. Wir fahren mit dem Skateboard von Augsburg bis Leverkusen und sammeln in ganz Deutschland Unterschriften für den Erhalt von Arbeitsplätzen“, so die Worte von Dennis Schmidt. Andrea Will (DKP) befasste sich ebenfalls mit dem Bilanzschaden „Stellenstreichungen“, der BAYER mit einem Minus von 6.000 Jobs in die Top 3 der bundesdeutschen Arbeitsplatzvernichter katapultierte. „Ist das für Sie ein erfolgreiches Unternehmertum?, Ist das für Sie die Sozialpflichtigkeit des Eigentums?“, fragte Will die Verantwortlichen. Aber die Manager rührte das nicht groß. „Dieses kommunistische Manifest hören wir hier nun schon zum x-ten Mal“, beschied ihr der Aufsichtsratsvorsitzende Manfred Schneider knapp. Wenning selber bezeichnete die „Anpassungen in der Personalstruktur“, wie es im Konzernchef-Deutsch heißt, als „schmerzlich, aber leider unverzichtbar“. Die Arbeitsplatzvernichtungen im Zuge der Schering-Übernahme verbuchte er kurzerhand unter „Synergieeffekt“.
Ein Alibi für diese Konzern-Politik verschaffte sich der Agro-Riese durch einen aus den Reihen der Betriebsräte rekrutierten Kapital-Claqueur - ein perfides Manöver, das auf den Hauptversammlungen schon Tradition hat. Und so schwang sich die „Arbeitnehmervertreterin“ dann auf, BAYER gegen die „desaströsen Einlassungen“, „Anschuldigungen“ und „Unterstellungen“ der CBG und anderer RednerInnen zu verteidigen und demonstrierte damit, dass nicht nur SIEMENS willige BetriebsratsvertreterInnen hat. Die Wahlverwandtschaft zwischen den beiden Konzernen spiegelt sich auch im Aufsichtsrat wieder. Dort sitzt nämlich mit André Krejcik ein Emissär des Gewerkschaftsgewächses von SIEMENS, der AUB - und auf der Arbeitgeberseite Dr. Klaus Kleinfeld himself. Der verlorene SIEMENS-Sohn fand trotz Korruptionsaffären und anderer Kleinigkeiten eine warme Aufnahme in der BAYER-Familie. 95,8 Prozent stimmten seiner Wahl in den Aufsichtsrat zu, lediglich ein paar mehr Enthaltungen als üblich gab es. Mit Verweis auf diesen schlechten Umgang konnten selbst konservative Zeitungen wie die Rheinische Post den Beteuerungen des Konzern-Chefs: „Geschäfte, die nur mit unlauteren Methoden gemacht werden können, kommen für uns nicht in Betracht“, nicht recht glauben. Weiteren Zweifel sähte dann Ralf-Jochen Ehresmann mit seinen Ausführungen zu BAYERs Beteiligung an einem Potenzmittel-Kartell in der Schweiz. Nur für den Versammlungsleiter Manfred Schneider war am Ende eines langen Tages alles klar. „Da die Fragen unserer Meinung nach alle beantwortet worden sind“, beendete er die Aussprache. Hubert Ostendorf zog hingegen ein ganz anderes Resümee: „BAYER hat sich wieder mal als beratungsresistent erwiesen“. von Jan Pehrke

KritikerInnen fragen, BAYER antwortet nicht

Die Schadensbilanz 2006

BAYER-Vorstand Werner Wenning beantwortet die Fragen der Konzern-KritikerInnen nicht persönlich, dafür hat er seine Leute. Hinter der Bühne der Kölner Messehalle verbirgt sich ein 50-köpfiges „Back Office“, das dem Chef die richtigen Repliken einflüstert und ihm die zur Umgehung der Wahrheit nötigen rhetorischen Textbausteine liefert. Da wird aus einem 203 Millionen schwerem Steuergeschenk schon mal gerne ein „normaler betriebswirtschaftlicher Vorgang“ der „steuerlichen Berichtigung“. Vom Gen-GAU mit dem LL601-Reis drang auch nichts auf die Rückseite des „Science for a better life“-Bühnenbildes, obwohl es sinnfällig gewesen wäre. „Die Zusammensetzung des Proteins ist gründlich geprüft“ und „Das Unternehmen hat verantwortlich gehandelt“ gaben die Stimmen aus dem Hintergrund Wenning stattdessen ein.

Und immer wenn es Erklärungsbedarf wegen Ermittlungen gegen BAYER gab, wie im Falle des Nebenwirkungen wie Nierenversagen, Herzinfarkt und Schlaganfall verursachenden Medikamentes TRASYLOL, hieß es verbrämend: „Wir arbeiten eng mit den Arzneimittelbehörden zusammen“. Hubert Ostendorf von der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) hatte das Thema auf die Tagesordnung gesetzt. Er informierte die AktionärInnen über eine Untersuchung, nach der das bei Bypass-OPs zur Blutstillung eingesetzte Medikament das Schlaganfallrisiko um 181 Prozent erhöht und die Wahrscheinlichkeit einen Herzinfarkt oder eine Gehirnkrankheit zu bekommen verdoppelt. „Eine ernste Situation“, nannte das der Mediziner Dennis Mangano Ostendorf zufolge. Wenning hingegen vermochte den Ernst der Lage nicht zu erkennen. Als „nicht verlässlich“ apostrophierte die Studie - die PatientInnen waren also offenbar nur auf dem Papier gestorben.

„Wir kooperieren mit den Wettbewerbsbehörden“, das versicherte der Große Vorsitzende auch Ralf-Jochen Ehresmann, der bei den Hauptversammlungen regelmäßig die Kartellverstöße des Multis thematisiert und dieses Mal von Preisabsprachen beim Potenzmittel LEVITRA berichtete. Auch die unlautere Werbung für das Lifestyle-Präparat zwang BAYER nach Angaben Ehresmanns rund um den Globus zu diversen „Kooperationen“. So schritten in Australien, den USA und Brasilien staatliche Stellen gegen die Pillen-Propaganda ein. Im Fall „Brasilien“, wo der Konzern während der Fußball-WM kostenlos LEVITRA verteilt hatte, gab sich Werner Wenning reumütig. Die Aktion wurde gestoppt, weil es sich um eine „nicht abgestimmte Verteilung“ gehandelt habe, gestand er. Auch eine Überarbeitung der homepage des Mittels gegen „erektile Dysfunktion“ räumte der Vorstandsvorsitzende ein. Ansonsten ließ er aber auf die „Seriösität der LEVITRA-Werbung“ nichts kommen, deren Aggressivität der Zielgruppe ja nur die Scheu vor dem Arzt-Besuch nehmen solle. Seinen AktionärInnen gegenüber redete der BAYER-Mann dann später Klartext. „Eine mehr auf den Konsumenten zugeschnittene Ansprache“ hätte die Verkaufszahlen für das Präparat nach oben getrieben.

So deutliche Worte hätte Jens Elmer vom EINE-WELT-NETZ-NRW sich auch zur Kinderarbeit gewünscht. „Seit vier Jahren verstößt BAYER gegen die eigenen Zusagen“, empörte sich Elmer, immer noch arbeiteten Minderjährige 12 Stunden in senkender Hitze und oft noch in Schuldknechtschaft bei den Zulieferern von BAYERs indischer Saatgut-Tochter PROAGRO. „Die jahrelangen Vorwürfe des EINE-WELT-NETZ-NRW zeigen, wie wenig Sie sich vor Ort mit den Aktivitäten von BAYER beschäftigt haben. Sonst wüssten Sie von den Erfolgen“, antwortete das „Back Office“ durch das Medium Wenning und pries wider besseren Wissens wieder einmal das Sanktionssystem des Multis und sein bildungspolitisches Engagement in der Region.

Aber nicht nur in Sachen „Kinderarbeit“ und „genereller Marktrückzug von Ackergiften der Gefahrenklasse I“ musste sich der Konzern von Elmer Wortbrüche vorhalten lassen. Auch die Zusage, den Vertrieb der Pestizid-Wirkstoffe Parathion Methyl (Produktname: FOLIDOL) und Monocrotophos einzustellen, hielt der Agro-Riese nicht ein. „Stoppen Sie endlich den Verkauf hochgefährlicher Pestizide!“, appellierte der Aktivist deshalb an den Vorstand und bekräftigte seine Forderung mit Protest-Unterschriften von 2.600 Einzelpersonen und 154 Organisationen aus 35 Ländern.

CBG-Geschäftsführer Philipp Mimkes übernahm es schließlich, der Hauptversammlung den genauen Wortlaut des von BAYER gegebenen Versprechens über den Stopp von Klasse-I-Agrochemikalien zu präsentieren und Werner Wenning so Lügen zu strafen. Auch sein Gedächtnis zum Pestizid Endosulfan, das der Profit-Profi gar nicht mehr in BAYER-Produktion wähnte, frischte Mimkes wieder auf. Als der CBGler auf die zahlreichen Störfälle von Baytown über Belford Roxo bis Uerdingen und Dormagen zu sprechen kam, schaltete der Vorstandsvorsitzende auf Autopilot. BAYER befände sich mal wieder „in enger Absprache mit den Behörden.“ Sogar einige neue Sicherheitsparameter gönnte sich das Unternehmen, aber allzu viel Hoffnung machte Wenning Philipp Mimkes nicht. „Leider kann, wie bei vielen Dingen im Leben, ein Restrisiko nie ganz ausgeschlossen werden“. Darum hüllte er sich wohl auch zur von BAYER geplanten, 67 km langen Kohlenmonoxid-Pipeline von Dormagen nach Uerdingen in Schweigen, welche ob ihres Gefahrenpotenzials Monheim und andere neben der Strecke liegende Städte in Aufruhr versetzt, wie Mimkes darlegte. Die 16.000 Kilometer lange, von Australien bis zu BAYERs Rückstandsverbrennungsanlagen in Dormagen und Leverkusen reichende Giftmüll-Pipeline bezeichnete der Konzernchef dagegen als längsten Umweltschutzbeitrag der Welt, da die Öfen des Unternehmens „den modernsten Standards entsprechen“. Die Verbal-Akrobatik von Wennings Hintermännern und -frauen ereichte allerdings im Fall „Fritz ter Meer“ ihren Höhepunkt. Philipp Mimkes hatte in seiner Rede die alljährlichen Kranzniederlegungen auf dem Grab des ehemaligen IG-FARBEN-Vorstandes kritisiert, den die Alliierten nach 1945 wegen der Ausbeutung von SklavenarbeiterInnen und Plünderungen als Kriegsverbrecher zu sieben Jahren Haft verurteilt hatten. Wenning beschied ihm nun, die Ehrung galt gar nicht ihm, sondern seinem Vater Edmund Ter Meer, dem Gründer einer Vorläuferfirma von BAYER. Das kann ja schon mal vorkommen, dass einem auf der letzten Ruhestätte einer großen Familie mal ein Kranz verrutscht und in gefährliche Nähe zur Grabplatte eines Faschisten gerät, meinte der Vorstandschef offensichtlich. Und so wenig wie der Pharma-Riese an diesem Freitag im April willens war, seine Vergangenheit zu bewältigen, so wenig war er auch bereit, sich den sozialen, politischen und ökologischen Folgen seines heutigen Handelns zu stellen.
Von Jan Pehrke