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Interview

27.08.2007 / junge Welt

"Bayer wäscht sich mit Hilfe der UNO rein"

Chemiekonzern tritt bei Jugendumweltkonferenz der Vereinten Nationen als gleichberechtigter Partner auf. Ein Gespräch mit Philipp Mimkes

Sie kritisieren, daß die "Internationale Jugendumweltkonferenz" der UN-Umweltbehörde UNEP, die heute in Leverkusen beginnt, vom Chemiekonzern Bayer finanziert wird. Warum haben Sie ein Problem damit?
Die UNEP ist ein Teil der Vereinten Nationen und sollte den Interessen der gesamten Menschheit dienen. Bayer hingegen verfolgt privatwirtschaftliche Zwecke. Das sind Profitinteressen, die oftmals zwangsläufig mit dem Allgemeinwohl in Konflikt treten - gerade im Umweltbereich. Von daher ist es nicht hinnehmbar, daß die Vereinten Nationen Bayer bei dieser Konferenz als gleichberechtigten Partner behandeln. Auf der Einladung zur Konferenz steht das Logo der UNO Kopf an Kopf mit dem Logo des Bayer-Konzerns. Die Konferenz wird gleichzeitig von dem UNEP-Vorsitzenden und dem Bayer-Chef eröffnet. Ein Privatkonzern kann aber nicht gleichberechtigt mit einer Institution wie der UNO sein. Deshalb kritisieren wir diese enge Kooperation.

Wie kompetent ist Bayer denn in Umweltfragen?
Der große Einfluß von Bayer auf die UNEP-Konferenz zeigt sich nicht nur darin, daß Bayer für die Finanzierung sorgt, sondern ebenso dadurch, daß Mitarbeiter des Konzerns bei der Veranstaltung als Referenten auftreten. Damit ist auch die Behauptung der UNEP widerlegt, daß Bayer keinen Einfluß auf die Konferenz habe. Selbstverständlich werden die Referenten von Bayer die Sicht des Unternehmens darstellen. Die UNO müßte sich aber nicht zuletzt mit den Problemen befassen, die von multinationalen Konzernen ausgehen. Sie müßte sich beispielsweise für Regeln einsetzen, an die die Unternehmen weltweit gebunden sind. Bei einer Konferenz, die in Kooperation mit solch einem Konzern stattfindet, ist das selbstverständlich nicht möglich.

Bayer hat nicht nur eine Geschichte, sondern auch eine Gegenwart, die gerade in Umweltfragen höchst problematisch ist. Beispielsweise ist Bayer der weltweit größte Hersteller von Pestiziden, die nicht nur giftig für Menschen sind, sondern auch für die Umwelt ein gravierendes Problem darstellen. Bei gentechnisch verändertem Saatgut ist Bayer einer der Marktführer. Und diese Liste ließe sich noch deutlich verlängern. Es gäbe viele Probleme zu besprechen, die Bayer direkt betreffen - was aber, wie gesagt, auf dieser Konferenz nicht der Fall sein dürfte.

Kann man da von einer Form von Lobbyismus sprechen?
Wir würden es nicht Lobbyismus nennen, sondern "greenwashing". Für Bayer ist das eine Investition aus der Portokasse. In die Kooperation mit der UNEP wird eine Million Dollar pro Jahr gesteckt. Verglichen mit den Milliarden, die Bayer für Werbung ausgibt, ist das marginal. Der Konzern kann sich durch diese Investition mit dem guten Namen der UNO schmücken. Der ehemalige UNO-Vorsitzende Kofi Annan hat sogar schon einmal ein Grußwort für den Bayer-Geschäftsbericht geschrieben. Auch das UNO-Logo wird darin abgedruckt. So wird das Image von Bayer reingewaschen - wofür die UNEP leider ihren guten Namen hergibt.

Was meinen Sie mit "greenwashing"?
"Greenwashing" heißt übersetzt "grün waschen" und bedeutet, sich einen umweltfreundlichen Anstrich zu geben. Bayer tritt ja fast schon wie eine Umweltorganisation auf. Die UNEP soll sich als Umweltbehörde der Vereinten Nationen für Umweltschutz und Sauberkeit in aller Welt einsetzen. Wenn Bayer gleichberechtigt mit so einer Institution auftritt und die Agenda einer Umweltschutztagung mitbestimmt, dann erweckt das den Eindruck, als sei Bayer ein wichtiger Partner in Sachen Umweltschutz. Die vielen Probleme, die von Bayer ausgehen - gerade in Sachen Umweltschutz - sollen in der Außendarstellung so unter den Teppich gekehrt werden.

Ist es üblich, daß Veranstaltungen der Vereinten Nationen von großen Konzernen ausgerichtet werden?
Nein, das ist eine wirklich neue Qualität. Bayer ist der erste Konzern, der mit der UNO-Umweltbehörde so eine Kooperation eingegangen ist. Diese geht jetzt schon ins dritte Jahr. Bislang ging es vor allem um die Förderung einzelner Programme. Daß eine gemeinsame Konferenz ausgerichtet wird, ist eine neue Stufe.

Sie haben Proteste während der Konferenz angekündigt.
Ja. Heute wird die Konferenz offiziell eröffnet, und zwar von NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU), Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD), von dem UNEP-Vorsitzenden Achim Steiner und dem Bayer-Chef Werner Wenning. Deshalb werden wir gegen diese Kooperation von Bayer und UNEP vor Ort in Leverkusen protestieren.

Interview: Ole Schneider