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Kohlekraftwerk Krefeld

Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 21. November 2007

Lieber Strom aus Gas

Kraftwerksgegner machen weiter mobil

Vor der Sitzung des Regionalrats in der kommenden Woche formiert sich im Westen der Widerstand gegen die Pläne für ein neues Kohlekraftwerk auf dem Chemiepark-Gelände in Uerdingen. Bürgerinitiative trifft sich

Die Rheinhauser Kraftwerksgegner halten ihre Kritik aufrecht. Das verdeutlichte Claudia Leiße, Sprecherin der Bürgerinitiative “Saubere Luft”, bei einer gemeinsamen Veranstaltung des SPD-Bezirks und der Initiative. Claudia Leiße, zeitgleich Vize-Fraktionsvorsitzende der Grünen im Regionalrat, stellte den aktuellen Sachstand zur Planung des neuen Kohlekraftwerks in Uerdingen vor. Zwar argumentiere Trianel im nachgebesserten Konzept mit einer geringeren Leistung. Die Belastungen für die Bürger würden sich jedoch kaum mindern. Weder die neu ins Programm aufgenommene Einhausung des Kohlenlagers, noch die verbesserte Kraft-Wärme-Kopplung könnten hier überzeugen.
Mit den Planungen wäre auch ein Verbrennen von Sondermüll möglich. Bei Störfällen wären die Belastungen nicht mehr kalkulierbar. “Da wir in unserer energiebetonten Industrie nicht auf Kraftwerke verzichten können, muss die saubere Alternative Gaskraftwerk favorisiert werden”, sagte Leiße. Das würde nur die Hälfte kosten. Auch der CO2-Ausstoß halbiere sich. Der Wirkungsgrad von 90 Prozent würde mit einem Kohlekraftwerk nie erreicht. Bei einer Betriebsdauer ab 40 Jahren würde das Gaskraftwerk deutlich besser abschneiden, so Leiße.
Einwände, die Leiße auch am 28. November im Gepäck hat. Dann diskutiert der Regionalrat in Düsseldorf die Änderung des Regionalplans, der Gewerbe- und Industriegebiete für neue Großkraftwerke öffnet und mit dem auch das Uerdinger Kraftwerk eine wesentliche Hürde nimmt.
“Wir werden beraten, wie unser Protest in Düsseldorf bei der Bezirksregierung aussehen kann. Zudem suchen wir den Dialog mit den Parteien in Krefeld, die als letzte dem Kraftwerksbau die Genehmigung versagen können”, sagt Herbert Mommertz, Vorsitzender der Bürgerinitiative, die sich am Freitag, 23. November, wieder in Bergheim (19 Uhr, Gemeindehaus Peschmannstraße 2) trifft. “Die Öffentlichkeit ist noch nicht genügend sensibilisiert, was da kurzfristig in Uerdingen und mittelfristig klimatisch auf sie zukommt, obwohl wir schon seit März immer wieder informieren”, so Mommertz.
Rückenwind im Kampf gegen die Bayer-Pläne erhält die Initiative von der konzernkritischen “Coordination gegen Bayer-Gefahren” (CGB). Die Vereinigung übt Kritik an der “Klimaoffensive”, mit der Bayer eine Milliarde Euro investiert, um den CO2-Ausstoß bis 2020 um bis zu 25 Prozent zu senken. Bayer würde bei seiner Klimainitiative kritische Bereiche ausklammern, sagen die CBG-Sprecher und nennen den umstrittenen Bau Uerdinger Kraftwerks als Beispiel. Durch die Anlage würden jährlich 4,4 Mio Tonnen CO2 und je 4 000 Tonnen Schwefeldioxid und Stickoxide in die Luft geblasen.
Unter Ausschluss der Öffentlichkeit laufen unterdessen die von Trianel, dem künftigen Kraftwerksbetreiber, initiierten Forengespräche weiter. Auch beim zweiten Forum in Krefeld mit rund 20 beteiligten Gruppen sei nach wie vor “ein hoher Diskussionsbedarf vorhanden”, teilte die beauftragte Moderationsfirma Prognos mit. Die mit der Planung verbundenen Themen seien “sehr komplex”. Einige Fragen hätten geklärt werden können, wobei “auch unterschiedliche Meinungen bestehen blieben”. Die Forenreihe wird am 12. Dezember in Krefeld fortgesetzt. Schwerpunkt soll dann das Thema Gesundheit sein.