Die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert ein präventives Verbot der Pestizide Gaucho und Poncho, um weitere Bienensterben zu verhindern. Lesen Sie hierzu aktuelle Artikel:
8. Mai 2008, Die WELT
Nervengift vom Feld könnte Bienen massenhaft töten
Im badischen Rheintal stehen Weidekätzchen und Wildkirschen zwar schon längst in voller Blütenpracht. Doch in den Bäumen ist es erschreckend still: Es fehlt das Summen der Bienen. Der plötzliche millionenfache Tod in den Bienenstöcken kam mit der Mais-Aussaat. Das Nervengift Clothianidin könnte der Killer sein.
Hektik herrscht in der Geschäftstelle des Landesverbands Badischer Imker im beschaulichen Appenweier. Dort rufen immer mehr der landesweit rund 7000 Imker an und klagen über ein massives Bienensterben entlang der Rheinlinie. Der plötzliche millionenfache Tod in den Bienenstöcken setzte in den vergangenen Tagen unvermittelt mit der Mais-Aussaat ein. Viele der Samenkörner waren zur Insekten-Bekämpfung mit dem Nervengift Clothianidin der Firma BayerCropscience gebeizt. Das könnte der Killer sein, vermuten die Imker.
Der Imker-Verband spricht vom schlimmsten Bienensterben in der Region "seit 30 Jahren". Den Verdacht gegen das Nervengift aus dem Bayer-Konzern begründet der stellvertretende Verbandsvorsitzende Manfred Raff mit ähnlichen Erfahrungen italienischer Imker, bei denen die Mais-Aussaat schon vor einigen Wochen erfolgte. Dort fand sich in verendeten Bienen das Clothianidin. Es ist dem Verband zufolge Bestandteil des Agrargiftes Poncho Pro, welches für das Beizen des Mais-Saatgutes verwendet wird. Die Imker vermuten nun, dass die von den Saatmaschinen aufgewirbelten Stäube auf blühende Rapsfelder und Blumenwiesen wehten, wo das Gift von den Bienen aufgenommen wurde.
Untersuchung auf Giftrückstände
Nach einem Brandbrief der badischen Imker an den Stuttgarter Agrarminister Peter Hauk (CDU) lassen nun die Regierungspräsidien Freiburg und Karlsruhe tote Bienen auf Giftrückstände im Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen in Braunschweig untersuchen. Imker Raff befürchtet das Schlimmste. "Ich habe einige meiner Bienen als Erster untersuchen lassen: Die Todesursache war zu 80 Prozent Nervengift", sagt er.
Nach der Varroa-Milbe, die jeden Winter in den Stöcken der Honigsammlerinnen wütet, droht der Biene durch aggressive Agro-Gifte nun bundesweit eine womöglich weit größere Gefahr: Der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund weist darauf hin, dass Clothianidin in Deutschland mittlerweile zugelassen wurde für Kartoffeln, Mais, Zucker- und Futterrüben, Getreide und Raps. Internationalen Studien zufolge baue sich das Gift aber kaum ab. Es könne sich deshalb im Boden jedes Jahr trotz Fruchtfolge immer stärker ansammeln und wegen seiner guten Wasserlöslichkeit etwa in Bodensenken noch höher konzentriert sein.
Veterinärämter warnten
Wie gefährlich Clothianidin eingeschätzt wird, zeigt auch eine Warnung der französischen Veterinärämter zu Frühjahrsbeginn: Darin rieten sie den Imkern eindringlich, mit ihren Bienenvölkern die Gebiete, in welchen das Gift eingesetzt wurde, für Jahre zu meiden. Im Elsass demonstrierten bereits Imker für ein Verbot von Clothianidin.
Eine Ausweisung großräumiger "No-Go-Gebiete" für Imker und ihre Bienen würde hierzulande auf die Landwirte mit voller Wucht zurückschlagen: 80 Prozent aller Nutzpflanzen werden von Bienen bestäubt. Dieser Nutzwert wird mit etwa vier Milliarden Euro beziffert. Besonders betroffen von Flugverbot oder massenhaftem Bienentod wären vor allem die Rapsbauern in Schleswig-Holstein. Dort ist Raps nicht nur die wirtschaftliche Grundlage für die 2500 Imker und ihre rund 25.000 Bienenvölker. Die Bienen sorgen mit dem Bestäuben der Olpflanze zu Ertragssteigerungen von immerhin bis zu 30 Prozent.
Energiepflanzen mit härteren Giften
In Süddeutschland ist dagegen Mais die am häufigsten angeflogene Pflanze der Bienen. Laut der Bayerischen Landesanstalt für Bienenkunde enthält ein Drittel des bayerischen Honigs inzwischen Maispollen. Dort wird der Mais allerdings ebenso wie in Baden-Württemberg vom Mais-Wurzelbohrer bedroht - und Saatgut deshalb mit Clothianidin behandelt.
Raff räumt allerdings ein, dass ihm noch unklar sei, welches Gift seine Bienen getötet habe. "Das kann auch von einem Feld mit Energiepflanzen für Biosprit kommen. Die dürfen dort noch härtere Gifte einsetzen als bei Pflanzen für den menschlichen Verzehr", sagt er. Von Jürgen Oeder
Junge Welt, 9. Mai 2008
Bienenkiller von Bayer?
Massensterben der Insekten im Rheintal nach Maisaussaat. Imker verdächtigen gebräuchliches Insektizid des Leverkusener Konzerns
Im badischen Rheintal herrscht Alarmstimmung bei den dortigen Imkern. Immer mehr der landesweit 7000 Bienenzüchter klagen über ein massives Bienensterben entlang der Rheinlinie. Der plötzliche millionenfache Tod in den Bienenstöcken setzte in den vergangenen Tagen unvermittelt mit der Maisaussaat ein. Viele der Samenkörner waren zur Insekten-Bekämpfung mit dem Nervengift Clothianidin der Firma BayerCropscience gebeizt. Das könnte der Killer sein, vermuten die Imker.
Der Imkerverband spricht vom schlimmsten Bienensterben in der Region seit 30 Jahren. Den Verdacht gegen das Nervengift aus dem Leverkusener Konzern begründet der stellvertretende Verbandsvorsitzende Manfred Raff mit ähnlichen Erfahrungen italienischer Imker, bei denen die Maisaussaat schon vor einigen Wochen erfolgte. Dort fand sich in verendeten Bienen das Clothianidin. Es ist dem Verband zufolge Bestandteil des Agrargiftes Poncho Pro, welches für das Beizen des Maissaatgutes verwendet wird. Die Imker vermuten nun, daß die von den Saatmaschinen aufgewirbelten Stäube auf blühende Rapsfelder und Blumenwiesen wehten, wo das Gift von den Bienen aufgenommen wurde.
Nach der Varroa-Milbe, die jeden Winter in den Stöcken der Honigsammlerinnen wütet, droht der Biene durch aggressive Agrogifte nun bundesweit eine womöglich weit größere Gefahr: Der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund weist darauf hin, daß Clothianidin in Deutschland mittlerweile zugelassen wurde für Kartoffeln, Mais, Zucker- und Futterrüben, Getreide und Raps. Internationalen Studien zufolge baue sich das Gift aber kaum ab.
In Frankreich wird Imkern inzwischen empfohlen, Gebiete zu meiden, in denen das Gift zum Einsatz kommt. Eine Ausweisung großräumiger No-Go-Gebiete für Imker und ihre Bienen würde hierzulande allerdings auch die Landwirte treffen: 80 Prozent aller Nutzpflanzen werden von Bienen bestäubt. Dieser Nutzwert wird mit etwa vier Milliarden Euro beziffert. (AFP/jW)
Artikel von Franz Alt, 07.05.2008
Badische Imker verzeichnen ein massives Bienensterben nach der Maisaussaat
Derzeit verzeichnen die badischen Imker trotz schönsten Wetters massive Schwächungen, ja Zusammenbrüche ihrer Bienenvölker entlang der Rheinschiene.
Was auf den ersten Blick zusammenhanglos zu sein scheint, wird auf den zweiten Blick zu einer sehr ernst zu nehmenden Bedrohung für die Bienenvölker in verschiedenen Regionen Deutschlands. Nicht nur in der Geschäftsstelle des Badischen Imkerverbandes laufen die Telefone heiß. Traditionell überwintern über 50% der Imker Baden-Württembergs in den Auwäldern entlang des Rheins ihre Bienenvölker. Das milde Winterklima sowie eine gute Frühjahrsentwicklung aufgrund guter Versorgung mit Nektar und Pollen aus Weidenkätzchen, Wildkirschen und Bärlauch lassen die Bienenvölker bald eine gute Stärke erreichen, so daß die Völker schneller die notwendige Volksstärke erreichen.
Dieses Jahr ist das anders, so sieht der Berufsimker Christoph Koch seine Völker nicht wachsen, sondern dahinschmelzen wie Schnee in der Sonne. Aber auch der Landesvorsitzende der Badischen Imker Ekkehard Hülsmann meldet Alarmierendes und verfaßte einen Brandbrief an den baden-würtembergischen Landwirtschaftsminister, in dem er eilige Maßnahmen fordert, um weitere Verluste zu vermeiden.
Die Imker vermuten aufgrund ähnlicher Erfahrungen wie sie in Italien gemacht wurden, daß das mit dem hochtoxischen Nervengift Clothianidin gebeizte Mais-Saatgut für das Sterben der Bienenvölker verantwortlich sein soll. Hersteller des Agrargiftes ist die Firma BayerCropscience, aus deren Haus auch der verwandte Vorgängerwirkstoff Imidacloprid kam, der schon in Frankreich für das Massensterben der Bienen verantwortlich gemacht wurde. Im Vergleich zu Imidacloprid ist Clothianidin um ein Vielfaches giftiger. Es wird eingesetzt, um den Mais-Wurzelbohrer zu bekämpfen und Teile Baden-Würtembergs und Bayerns sind Mais-Wurzelbohrer-Gebiet.
Die italienischen Imker, bei denen die Aussat des Mais schon vor einigen Wochen erfolgte, konnten bei Untersuchungsproben aus verendeten Bienen den Wirkstoff Clothianidin nachweisen. Das Clothianidin ist Bestandteil des Agrargiftes Poncho Pro, welches für das Beizen des Mais-Saatgutes verwendet wird.
Vermutet wird nun, daß durch die Einsatz der Saatmaschinen aufgewirbelte Stäube beispielsweise auf blühende Rapsfelder und Blumenwiesen oder auch Wasserpfützen abdriften, die von den Bienen beflogen werden. Für wie gefährlich das Mittel eingeschätzt wird, zeigt auch eine Warnung der französischen Veterinärämter vom Beginn des Frühjahrs, die den Imkern eindringlich davon abraten, mit ihren Bienenvölkern in entsprechend behandelte Gebiete einzuwandern, ja diese Gebiete sogar für die nächsten Jahre zu meiden, denn Clothianidin baut sich nur sehr langsam im Boden ab bzw. die Abbauprodukte sind teilweise noch toxischer als das Clothianidin selber. Im Elsaß demonstrierten Imker bereits gegen die Anwendung von Clothianidin und fordern ein Verbot.
In seinem Schreiben an Minister Hauk fordert Christoph Koch ebenfalls schnellst mögliche Aufklärung. "Dies wollen wir hier vor allem auch deshalb, um eine mögliche Ausweitung der Problematik auf die anderen Bienenvölker in ganz Deutschland zu verhindern, denn wir befürchten jetzt schon eine sehr große Katastrophe!"
Ekkehard Hülsmann fordert die Einrichtung eines Krisenstabes im Ministerium, "der sich der sofortigen Klärung dieses Massensterbens unserer Bienenvölker annimmt und die Haftungs- und Schadenersatzfragen klärt. Gleichzeitig fordern wir Sie als Verbraucherminister auf, der Bevölkerung in der Todeszone das Ausmaß der entstandenen Vergiftungen offenzulegen."
Mit ersten Untersuchungsergebnissen eingeschickter Proben rechnet die Biologische Bundesanstalt in Braunschweig etwa ab Mitte der Woche. Dann wird es sich zeigen, ob auch in Deutschland künftig No-Go-Areas für Imker und Bienen eingerichtet werden müssen.
Pressemitteilung Julius Kühn-Institut, 09.05.2008
Nationale Bienenuntersuchungsstelle am Julius Kühn-Institut untersucht Bienenproben aus Baden-Württemberg
Seit der vergangenen Woche beklagen Imker aus Baden-Württemberg große Verluste in ihren Bienenvölkern. Seit vergangenem Freitag sind an der Bienenuntersuchungsstelle am Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI) in Braunschweig 47 Proben mit toten Bienen eingegangen. Außerdem wurde Pflanzenmaterial eingesendet, von dem die Imker vermuten, dass ihre Bienen vor ihrem Tod Nektar und Pollen an den betreffenden Blüten gesammelt haben.
Erste Proben wurden auf die verschiedenen Mittel untersucht, die mit dem Bienensterben in Baden-Württemberg in Verbindung gebracht werden. Vor allem wird mit Chlothianidin behandeltes Maissaatgut verdächtigt. Der Wirkstoff wurde im besagten Zeitraum als Saatgutbeizmittel mit der Maisaussaat in den Boden gebracht. Saatgutbeizmittel sollen Samen und Pflanzen vor Krankheiten und Schädlingen schützen wie z. B. dem Maiswurzelbohrer, einem gefürchteten Quarantäneschädling, der im vergangenen Jahr erstmals in Deutschland auftrat.
In den ersten untersuchten Proben konnte der Wirkstoff Chlothianidin tatsächlich in Spuren nachgewiesen werden. Diese ersten Analysenergebnisse reichen jedoch nicht für eine abschließende Einschätzung aus, ob diese Dosis allein für den Tod der Bienen verantwortlich ist. Bisher ist ebenfalls unklar, wie die Bienen überhaupt in diesem Ausmaß mit dem Mittel in Kontakt kommen konnten.
Das JKI arbeitet mit Hochdruck an der endgültigen Aufklärung. Das Bundesforschungsinstitut ist ebenfalls an den Krisengesprächen des Landes Baden-Württemberg zum Thema beteiligt. Das erste hat gestern (8. Mai) stattgefunden.
Hintergrundinformationen zu Chlothianidin:
Der Wirkstoff ist in verschiedenen Pflanzenschutzmitteln, darunter auch Mittel zum Beizen von Saatgut, zugelassen. Pflanzenschutzmittel, die diesen Wirkstoff enthalten, sind grundsätzlich bienengefährlich, kommen aber - als Beizmittel angewendet - mit den Bienen nicht in direkten Kontakt. Daher wird in diesen Fällen bei der Zulassung der Hinweis erteilt, dass diese Mittel bei sachgerechter Anwendung Bienen nicht gefährden.
Alle in Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmittel werden aufgrund der Bienenschutzverordnung, die erstmals 1972 erlassen wurde, auf ihre Gefährlichkeit Bienen gegenüber untersucht. Entsprechende Hinweise und Auflagen finden sich in den Anwendungsbestimmungen der Pflanzenschutzmittel.
Dipl.-Biol. Stefanie Hahn, Pressestelle

