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Protest gegen Hochschulrat

StudentIn 22.05.2008

Rektorat besetzt und geräumt

Gestern mittag wurde im Rahmen des Aktionstags "Reclaim the Uni" das Rektorat der Universität Köln besetzt und gegen 18 Uhr geräumt. Etwa 50 StudentInnen wurden zwecks Identitätsfestellung in Gewahrsam genommen und haben eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch erhalten.
Während auf dem Vorplatz der Uni die üblichen Reden geschwungen wurden, schafften es einige StudentInnen mit Leitern durch ein Fenster ins Vorzimmer des Rektors Axel Freimuth zu gelangen. Dieser soll die ganze Besetzung über in seinem Zimmer eingesperrt gewesen sein, meines Wissens nach hat jedoch niemand ihn wirklich gesehen, auch waren die Vorhänge die ganze Zeit zugezogen. Aufgrund des leichten Zugangs über die Leitern, der draußen laufenden Veranstaltung und fehlenden Toiletten gab es eine hohe Fluktuation der BesetzerInnen, jedoch waren immer 50-100 StudentInnen im Rektorat. Auch befanden sich dauernd ca. 10 Universitätsmitarbeiter, zeitweilig auch Polizisten und einige andere Mämmer, die ich nicht einordnen kann (Zivis?, privater Sicherheitsdienst?) im Rektorat, die alle in gewohnter Manier ignoriert wurden. Im Laufe des nachmittags erhöhte sich die Polizeipräsenz rund um die Uni immer mehr, bis schließlich gegen 17 Uhr geschätzte 30-40 Wannen aus ganz NRW (Aachen, Essen, Duisburg, ??) gesammelt hatten. Zum Schutz der BesetzerInnen sitzblockierten ca. 30-50 Menschen den Haupteingang des Rektorats und nochmal etwa 20 den Hintereingang. Drinnen war die Stimmung recht entspannt, es wurde getantzt, gesungen, getrunken, Gitarre gespielt und endlich irgendwann auch ein Plenum abgehalten. Themen waren der Umgang mit Presse und Polizei. Kurz nach dem Plenum wurde die kleine Sitzblockade geräumt und etwa 100 PolizistInnen stürmten das Rektorat. Alle Anwesenden wurden einzeln von 2 PolizistInnen über den Hinterausgang, durch ein ca. 100 m langes Polizeispalier zum wartenden Bus gebracht, zum ersten Mal durchsucht und in den ziemlich stickigen Bus gesteckt. Dieser reichte jedoch nicht für alle BesetzerInnen, sodass noch 3 kleine Gefangentransporter bemüht werden mussten. Vor der Abfahrt des Busses sitzblockierten wieder ca. 50 StudentInnen die Zufahrtsstraße zur Universtät, wurden jedoch unter dem Einsatz von Gewalt von der Polizei beiseite gedrängt, sodass der Bus irgendwann abfahren konnte. Die Ingewahrsamnahmen und damit auch die Anzeigen waren wegen der hohen Fluktuation (s.o.) völlig willkürlich! Der Bus fuhr dann unter Begleitung von 3 Wannen und 1 Motorrad und etwa 15 Bullen im Mittelgang, die ständig filmten, los. Wegen des rasanten Fahrstils, dem Blaulicht und dem Überfahren roter Ampeln ging die Fahrt jedoch relativ schnell. Außerdem vertrieben wir uns die Zeit mit Singen und PassantInnen zuwinken. Im Polzeipräsidium in Kalk hatten die fleißigen grünen Männchen und Weibchen schon 3 Tische mit je 2 Kripobeamten positioniert, die uns voller Vorfreude erwarteten. Nach einer erneuten Durchsuchung von je 2 PolizistInnen und der Identitätsfestellung durch die Kripobeamten wurden wir endlich wieder in die relative Freiheit entlassen. Draußen trudelten immer mehr Menschen ein, die sich von der Uni auf den Weg gemacht hatten und netterweise dort etwas Geld gesammelt hatten, welches sogar für ein warmes Essen und ein paar Bierchen für alle reichte.

Die Besetzung fand aus Protest gegen Studiengebühren und "den Verkauf der Universität an die Wirtschaft" (Zitat aus dem Plenum) statt. Das ehemals höchste Entscheidungsgremium der Uni, der Senat, indem noch 2 Studentische VertreterInnen saßen, muss aufgrund des (hauptsächlich von der Bertelsmann Stiftung geschriebenen) Hochschulfreiheitsgesetzes ( http://de.wikipedia.org/wiki/Hochschulfreiheitsgesetz) seine Macht an den sogenannten Hochschulrat abtreten, indem hauptsächlich "Externe" sitzen. An der Uni Köln werden dort unter anderem Mitarbeiter der Deutschen Bank, von Bayer und der Deutsche Börse AG sitzen.
Siehe auch http://de.indymedia.org/2008/05/217129.shtml
Damit wird die studentische Mitbestimmung weiter abgebaut und die, im Bildungsbereich, unter anderem durch den Bologna Prozeß ( http://de.wikipedia.org/wiki/Bologna-Prozess) verschärfte kapitalistische Verwertungslogik weiter bedient. StudentInnen werden zu Marktobjekten degradiert und eine Elitenbildung wird gezielt gefördert.
Das können wir uns nicht gefallen lassen und werden weiter im Sinne von "Reclaim the Uni" aktiv sein!