deutsch
english
francais
italiano
espanol
Photo
GenRaps

11. März 2009

Zur gestrigen Import-Zulassung der gentechnisch veränderten Rapssorte T 45 durch die EU-Kommission erklärt die Coordination gegen BAYER-Gefahren:

„Es ist eine traurige Ironie, dass eine gar nicht mehr angebaute Raps-Sorte nun zum Import zugelassen wird. Kanadischer Raps wurde durch Auskreuzungen gentechnisch veränderter Sorten so umfassend kontaminiert, dass selbst herkömmlich angebauter Raps die Melde-Schwelle überschreitet. Damit ist genau das geschehen, was Gentechnik-Kritiker stets vorausgesehen haben. Ein paralleler Anbau von herkömmlichen und genmanipulierten Raps-Sorten ist wegen der starken Auskreuzungen prinzipiell nicht möglich.

2007 war auch in Deutschland Gen-Raps von BAYER (trotz fehlender Zulassung) gefunden worden. Anbauflächen von über 1000 Hektar mussten umgepflügt werden. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren forderte BAYER auf, für den Schaden aufzukommen.

Zudem ist jede Technologie, die auf dem giftigen Herbizid Glufosinat beruht, abzulehnen. Hormonaktive Substanzen wie Glufosinat müssen sofort vom Markt genommen werden."

Siehe hierzu auch die Pressemitteilungen Herbizid Glufosinat vom Markt nehmen und Raps-Kontamination: „Verursacher muss haften!“

16.03.2009, Save our Seeds

T45 darf nicht sterben

T45 ist kein Panzer, sondern die Bezeichnung für eine Rapssorte der Firma Bayer, die gentechnisch gegen das hauseigene Totalherbizid “Liberty” resistent gemacht wurde. Er darf auch weiterhin importiert (nicht angebaut) werden. Das hat die EU-Kommission jetzt beschlossen. Fragt sich nur warum? T45 wird nämlich seit Jahren nicht mehr verkauft und angebaut.
Die Antwort gibt zu denken, auch wenn sie in der Presse und auf Gentechnikwebseiten nicht nachzulesen war : Obwohl er seit Jahren nicht mehr verkauft wird und Bayer alles Saatgut 2006 vernichtet hat, wächst T45 auf Kanada’s Feldern, wo er bis 2005 angebaut wurde, munter weiter. Seine Gene haben sich ausgekreuzt und führen nun ihr Eigenleben. Aus Kanada importierter Raps kann also auch weiterhin T45 enthalten. Damit sein Import nicht illegal wird, braucht Bayer weiterhin eine Importlizenz. Weil die alte Lizenz aus dem Jahre 1998 in der EU ausgelaufen ist und mittlerweile strengere Risikobewertungs-Vorschriften herrschen, wurde T45 nun in einem aufwendigen und teuren Verfahren erneut zugelassen. Weil die EU-Kommission für diese Zulassung des gentechnischen Untoten keine Mehrheit der Umweltminister der EU bekam, aber im Januar auch keine 2/3 Mehrheit der Mitgliedsstaaten gegen ihren Vorschlag stimmte, wurde T45 letzte Woche durch Kommissionsbeschluss zugelassen.
Die Tatsache, dass in Kanada praktisch sämtlicher Raps gentechnisch verändert ist wird von Gentechnikfreunden zuweilen als grosser Erfolg gefeiert. Man kann es freilich auch so sehen: Gentechnikfreier Rapsanbau ist in Kanada schlichtweg nicht mehr möglich, weil sich die gentechnischen Eigenschaften (Resistenz gegen verschiedene Herbizide) unter dem sogenannten Durchwuchs so weit verbreitet haben, dass sie auch da nicht zu vermeiden sind, wo Bauern dies gerne täten. Der Anbau von Bio-Raps ist praktisch zum Erliegen gekommen. Klagen der betroffenen Bauern dümpeln im kanadischen Rechtssumpf vor sich hin.
Dagegen ist die Klage der Firma Monsanto gegen einen Rapsanbauer, dessen Saatgut gentechnisch verunreinigt wurde, mittlerweile weltberühmt: Percy Schmeiser wurde beschieden, dass der Gentechnikraps auch dann Monsanto gehört, wenn er ihn gar nicht anbauen wollte. Zwar wurde ihm die Strafe “grosszügig” erlassen. Doch für die Zukunft gilt: Wo Gentechnik drin ist, hat Monsanto (oder Bayer) auch seine Patentrechte darauf.
Im Gegensatz zu Mais ist Raps nicht nur in Kanada, sondern auch in Europa kaum zu kontrollieren: Die winzigen Körner, die bei Ernte und Transport unweigerlich verloren gehen, können mehr als zehn Jahre im Boden überwintern. Eine einzige Gentechnik-Rapspflanze kann so ganze Äcker auf Jahre hinaus zum gentechnischen “Minenfeld” machen. Zudem hat Raps (ein Kreuzblütler) reichlich natürliche Verwandte, mit denen er sich paaren kann und die ihrerseits auch wieder auf Rapspflanzen auskreuzen können.
Erfahrungen in Japan (wo Gentechnik-Raps auch nicht angebaut werden darf) zeigen: Wird Raps in Körnerform importiert, ist seine Ausbreitung auch dann kaum zu stoppen, wenn der Anbau nicht erlaubt ist.
Die gute Nachricht ist: Nach Europa exportiert der Raps-Weltmeister Kanada bisher nur etwas Öl; möglicherweise für den Tank. Denn deutsche Ölmühlen fürchten den Gentech-Raps wie der Teufel das Weihwasser. Nachdem gentechnikfreie Sojabohnen auf dem Weltmarkt zur teuren und künstlich verknappten Mangelware geworden sind, hält sich das deutsche Fettgewerbe an Rapsöl und will darin auf keinen Fall Gentechnik in die Rama kommt.
Die neueste Gentechnik-Rapssorte in Kanada heißt übrigens GT73 und stammt von Monsanto - sie ist ebenfalls für den Import nach Europa zugelassen und wird uns wie T45 deshalb so schnell auch nicht mehr von der Seite weichen.
Obwohl T45 in der EU nie zum Anbau zugelassen wurde, gehört jetzt zu den Auflagen der Importgenehmigung ein Monitoring, also die regelmäßige Überprüfung, ob er auf Europas Äckern auftaucht. Wir sind gespannt wie ernsthaft Bayer dieser Auflage nachkommen wird.

Die österreichische Umweltorganisation GLOBAL 2000 erklärt zum gleichen Thema:

Gentech-Raps stellt Risiko für Mensch und Umwelt dar, nur ein Verbot kann schützen

Anlässlich der heutigen EU-Zulassung des Gentech-Raps T 45 fordert GLOBAL 2000 Bundesminister Stöger auf, umgehend ein Importverbot zu verhängen. "Nur ein Verbot kann die Österreicherinnen und Österreicher vor dieser Hochrisikopflanze schützen, deshalb ist diese Maßnahme das Gebot der Stunde", so Jens Karg, Gentechniksprecher von GLOBAL 2000.

Die Rapssorte T45 von Bayer wurde genetisch manipuliert, um sie resistent gegen Herbizide zu machen, die den hochgiftigen Wirkstoff Glufosinat-Ammonium beinhalten. Der Wirkstoff gehört zu den 22 Substanzen, die die EU bereits als krebserregend eingestuft hat und vom Markt nehmen wird. Die Europäische Umweltbehörde (EEA) hat Gentech-Raps als Hochrisikopflanze bezüglich des unkontrollierten Vordringens in die Natur eingestuft. In Großbritannien erbrachte der größte Freilandversuch über die ökologischen Auswirkungen des Anbaus von Gentech-Raps alarmierende Ergebnisse. Die WissenschaftlerInnen fanden heraus, dass durch den Anbau von Gentech-Raps die Zahl der Schmetterlinge, Hummeln und Käfer deutlich zurück ging. Eine schwedische Studie kam zu dem Ergebnis, dass Gentech-Pflanzen auch bei sorgfältigem Umgang nicht beherrschbar sind. Zehn Jahre lang bleiben die Samen von Gentech-Raps im Boden keimfähig, trotz mehrfacher Behandlung mit Herbiziden, um die Samen zu vernichten.
"All diese Studien belegen das Risiko dieser Pflanzen. Wer jetzt noch behauptet, Gentechnik in der Landwirtschaft sei beherrschbar, steckt entweder mit der Biotech-Industrie unter einer Decke oder verschließt die Augen vor der Realität", so Karg.

Auch wenn es bei der Zulassung nicht um den Anbau in der EU, sondern um den Import als Lebens- oder Futtermittel und um die industriellen Verarbeitung geht, besteht die Gefahr, dass der Raps jederzeit gewollt oder ungewollt als lebensfähiges Saatgut in die Natur gelangt. Österreichische Studien zeigen, dass sich Raps rund um Futtermittelwerke und Lagerhäuser ausbreitet. "Transportverluste oder Futtermittelverwehungen sind reale Gefahren, denen Österreich nur durch ein Verbot wirkungsvoll begegnen kann. Dies wurde schon bei den anderen Gentech-Raps-Zulassungen praktiziert und diesen Kurs muss Minister Stöger nun fortsetzen", so Karg.