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Leverkusener Anzeiger

Leverkusener Anzeiger, 9. Mai 2009

Glosse

Kampf und Vertrauen

Die "Coordination gegen Bayer-Gefahren" steht seit vielen Jahren im Nahkampf mit dem Konzern. Oder hält die Gruppierung den Laden in gewisser Hinsicht etwa doch für wegweisend?

Gegenanträge in Schriftform und möglichst lange, begründende Redebeiträge in der Hauptversammlung - das reicht nicht. Jedenfalls, wenn sich eine Gruppierung "Coordination gegen Bayer-Gefahren" nennt und seit vielen Jahren im Nahkampf mit dem Konzern steht. Zum Inventar einer Bayer-Hauptversammlung gehören neben Würstchen und Kuchen drinnen auch die Proteste draußen. Da lassen sich die organisierten immer viel einfallen. Die Aufmerksamkeit der Anteilseigner will schließlich gewonnen werden - erst recht wenn man weiß, dass die erdrückende Mehrheit der Aktionäre die Geschäftspolitik des Hauses grundsätzlich okay findet.

Für kommenden Dienstag erwartet die Coordination "Aktionsgäste aus dem In- und Ausland". Was sie vor der Halle 8 a der Düsseldorfer Messe darbieten werden, wird aus taktischen Gründen nicht so genau verraten. Die Themen liegen aus Sicht der Gegner aber auf der Hand: "die geplante CO-Pipeline quer durch NRW, die aktuelle Wirtschaftskrise, Bienensterben durch Bayer-Pestizide, gentechnisch verändertes Saatgut und der Bau eines Kohlekraftwerks im Bayer-Werk Uerdingen".

Nun bringt es der Zufall - oder auch die gegenseitige Distanzierungssucht von Bayer und Lanxess - mit sich, dass Düsseldorf und nicht Köln Schauplatz der Hauptversammlung ist. Auch auf diese fundamentale Veränderung reagiert die Coordination: Sie verweist auf eine Wegbeschreibung, die sich - ausgerechnet - auf der Hauptversammlungs-Internetseite von Bayer befindet. Bei aller Gegnerschaft: Wenn es um die Organisation geht, bringt die "Coordination gegen Bayer-Gefahren" dem Konzern wohl doch ein gewisses Grundvertrauen entgegen. Oder hält man den Laden in gewisser Hinsicht etwa doch für wegweisend? Aber nicht doch - sonst kommt unser ganzes ideologisches Koordinatensystem durcheinander. Von Thomas Käding