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GenReis

24. Juni 2010, Greenpeace

Reis in Brasilien bleibt gentechnikfrei!

In Brasilien kommt kein Gen-Reis des deutschen Agrarkonzerns Bayer auf die Felder. Bayer wollte den brasilianischen Landwirten genmanipulierten Reis (LL62) in Kombination mit einem hauseigenen Unkrautvernichtungsmittel, Glufosinat, verkaufen. Glufosinat ist hochgiftig und in Europa verboten. Gestern wurde bekannt, dass Bayer nach jahrelangen Protesten von Greenpeace und weiteren Organisationen seine Anträge für einen Anbau von LL62 in Brasilien zurückgezogen hat.

Reis ist weltweit eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel. Fast die Hälfte der Erdbevölkerung ernährt sich von Reis. Agrarkonzerne drängen immer wieder mit gentechnisch veränderten Sorten auf den lukrativen Markt. In Brasilien ließ Bayer den Gen-Reis LL62 seit 2002 zu Versuchszwecken anbauen. Gleichzeitig warb der Konzern mit intensiver Lobbyarbeit bei Landwirten und Zulassungsbehörden für einen kommerziellen Anbau. Doch die Skepsis gegen das Gen-Produkt überwog.

Um störendes Unkraut auf Feldern mit LL62 zu entfernen, muss ein Pestizid verwendet werden, gegen das die Reis-Pflanzen durch Genmanipulation resistent sind. Glufosinat wird unter dem Namen Basta oder Liberty vermarktet und wirkt - bis auf den Gen-Reis - auf alle Pflanzen toxisch. Es kann sich aber auch in den Reis-Körnern ansammeln und die menschliche Gesundheit beeinflussen - beispielsweise die Fruchtbarkeit. Bisher ist LL62 nur in den USA zugelassen. Theoretisch. Denn auch dort wird er von Landwirten gemieden.

Auch der Verband der brasilianischen Reisbauern Rio Grande de Sul ließ sich nicht überreden, den riskanten Gen-Reis zu unterstützen. Aus Sorge vor den unkalkulierbaren Risiken des Gen-Produkts und dem Verlust internationaler Export-Märkte, wie Europa, lehnten Landwirte den Anbau ab.

Bayers Rückzug in Brasilien ist ein gemeinsamer Sieg von Landwirten, Verbrauchern und Umweltorganisationen, sagt Stephanie Töwe, Gentechnik-Expertin von Greenpeace. Ein derartiger Risiko-Reis darf nicht auf die Felder und in den Lebensmittel-Handel gelangen. Beate Steffens

alle Infos zur Kampagne

28. Juni 2010, die tageszeitung

Vorerst kein Gentech-Reis

Brasilianer blockieren Bayer

Bayer Crop Science zieht seinen Antrag auf Zulassung des Genreises "Liberty Link" vorläufig zurück und reagiert auf die Skepsis von Südbrasiliens Bauern. VON GERHARD DILGER

PORTO ALEGRE taz | Die Zulassung des Bayer-Genreises "Liberty Link 62" für den kommerziellen Anbau in Brasilien schien nur noch eine Formsache zu sein. Doch letzte Woche machte der Chemiemulti überraschend einen Rückzieher. "Dieser proaktive Ansatz" ergebe sich aus der "Notwendigkeit, den Dialog mit den Hauptbeteiligten der Reis-Produktionslinie in Brasilien zu erweitern", erklärte Bayer Crop Science in São Paulo.
Es handelt sich allerdings nur um einen taktischen Rückzug - Bayer strebt die Zulassung des Genreises bereits seit 2003 an. Durch Lobbyarbeit soll nach wie vor dafür gesorgt werden, dass "die Liberty-Link-Technologie für Reis auf den Markt gebracht werden kann", wie es in der Erklärung heißt.
Durch Genmanipulation ist die Reissorte gegen das Herbizid Glufosinat resistent, das Bayer unter dem Namen Liberty zusammen mit dem Saatgut vertreiben möchte.
Voraussetzung sei jedoch die Unterstützung durch die Produzenten und die "breite Akzeptanz des Marktes". Selbst die traditionell gentechfreundlichen Großfarmer aus dem südlichen Bundesstaat Rio Grande do Sul, wo rund 60 Prozent der brasilianischen Gesamtproduktion angebaut werden, halten sich bedeckt.
Sie fürchten vor allem um ihre Exporte - im letzten Jahr führte Brasilien eine Million Tonnen aus. Wegen des fehlenden Marktes sei man "derzeit" gegen die Zulassung, sagte ein Verbandssprecher auf der öffentlichen Anhörung im März 2009.
Die Wissenschaftler der staatlichen Agrarforschungsbehörde Embrapa befürchten die Kontaminierung konventioneller und wilder Reissorten durch die Bayer-Sorte. Embrapa hat allerdings keine grundsätzlichen Einwände gegen Gentech in der Landwirtschaft: Unter dem Protest von Kleinbauern-, Umwelt- und Verbraucherverbänden wurden entsprechende Soja-, Mais- und Baumwollsorten in Brasilien seit 2003 zugelassen. Gensoja macht bereits 85 Prozent der Gesamtproduktion aus, der Einsatz von Pflanzengiften nimmt rapide zu.
Larissa Packer von der Organisation Terra de Direitos freute sich über den Rückzug Bayers als "Niederlage" für den Multi und als "Zeitgewinn" für die Gentechgegner, die ihren Druck auf die Regierung verstärken wollen.
Beim Thema Genreis bekommen sie Argumentationshilfe aus den USA: Dort verlor Bayer im letzten halben Jahr vier Millionenprozesse gegen Landwirte, deren Reisernte durch Bayer-Versuchsfelder verseucht worden war.