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Pestizide

Presse Information vom 13. Dezember 2010
Coordination gegen BAYER-Gefahren

BAYER verramscht Uralt-Pestizide

WHO: „extrem gefährlich“ / Vielzahl von Vergiftungsfällen / „Produktion muss vollständig beendet werden!“

Der BAYER-Konzern hat heute bekannt gegeben, die Uralt-Pestizide Nemacur (Wirkstoff Fenamiphos) und Mocap (Ethoprophos) an die US-Firma Amvac Chemical Corp zu verkaufen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO stuft beide Wirkstoffe, die zur Klasse der Organophosphate gehören, als „extrem gefährlich“ (Gefahrenklasse I) ein. Die Agrochemikalien sind für eine Vielzahl von Vergiftungsfällen verantwortlich; in Deutschland sind Nemacur und Mocap seit langem verboten.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) fordert seit den 80er Jahren die Einstellung der Produktion von Nemacur und Mocap sowie einen Verkaufs-Stopp für alle Klasse I-Pestizide. Philipp Mimkes vom Vorstand der CBG: „Der Einsatz von Nemacur und Mocap ist eine Gefahr für Umwelt und Gesundheit und daher nicht zu rechtfertigen. BAYER hätte die Produktion längst einstellen müssen, statt diese Ultragifte jetzt noch profitabel zu verramschen!". Mitte der 90er Jahre hatte der Chemie-Konzern aus Leverkusen versprochen, die Produktion von Klasse I-Pestiziden bis zum Jahr 2000 zu beenden, das Versprechen jedoch nicht eingehalten.

Nemacur wird beispielsweise im Bananen-Anbau eingesetzt, der Wirkstoff ist unter anderem für Vergiftungen auf den Philippinen und in Costa Rica verantwortlich. Zudem gehört der Einsatz von Nemacur zu den wahrscheinlichen Ursachen des sogenannten „toxischen Öl-Syndroms“, das 1981 in Spanien mindestens 300 Menschenleben und Tausende von gesundheitlich schwer geschädigten Opfern forderte. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren veröffentlichte hierzu in den 80er Jahren das Buch „Der Tod, der von den Feldern kam“.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt die Zahl der jährlichen Pestizidvergiftungen auf 3 bis 25 Millionen; rund 99% ereignen sich in Ländern des Südens. BAYER musste aufgrund der vielen Vergiftungsfälle einräumen, dass „der sachgerechte Umgang mit Pflanzenschutzmitteln unter bestimmten Bedingungen in einigen Ländern der Dritten Welt nicht immer gewährleistet ist“.

Organophosphate waren von Bayer in den 30er Jahren zunächst als Giftgase entwickelt worden (Sarin, Tabun). Nach dem Krieg entstanden hieraus Pestizide wie E605. Axel Köhler-Schnura von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Die Produktion von Nemacur und Mocap muss endgültig eingestellt werden! Bei BAYER und überall.“

weitere Informationen:
·Nemacur und das toxische Öl-Syndrom in Spanien (Spiegel-Artikel)
·Buch zum Giftöl-Syndrom (span)
·Nemacur-Vergiftungen auf den Philippinen
·Gefährlichste BAYER-Pestizide vom Markt nehmen!
·Frankfurter Rundschau: Vergiftung durch Mocap