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Datenhandel

Frankfurter Rundschau, 18. Februar 2012

Handel mit Rezeptdaten

Ein ehemaliger Mitarbeiter beschuldigt die Gesellschaft für Datenverarbeitung, mit den Daten von Millionen Rezepten einen illegalen Handel betrieben zu haben. Die Käufer: die Pharmaindustrie.
Von Dr. med. Bernd Hontschik

Die Konsultation ist abgeschlossen: Im Sprunggelenk des Patienten war nach einem Sportunfall eine Entzündung entstanden, er hat Schmerzen bei jedem Schritt. Ein Röntgenbild zeigt die Knochen unverletzt. Da hilft nur noch ein entzündungshemmendes Medikament.
Ich gehe zum Computer, rufe den Patienten auf, öffne die Rezeptmaske und trage das Medikament ein, klicke auf das Druckersymbol. Der Laserdrucker brummt los und schiebt das fertige Rezept heraus. Ich gebe es dem Patienten, zusammen mit einer Notiz über die Dosierung, wir vereinbaren einen Kontrolltermin in acht Tagen. Der Patient geht in eine Apotheke, holt sich sein Medikament, lässt das Rezept dort und nimmt seine Pillen brav ein.
Das war alles: nicht sehr komplizierte Untersuchung und Diagnostik, gut behandelbar, das wird wieder gut, der Fall ist abgeschlossen. Abgeschlossen? Das denkt man jedenfalls, als naiver Patient und als naiver Arzt. Aber haben Sie schon mal was von einer GFD gehört? Ein ehemaliger Mitarbeiter dieser Gesellschaft für Datenverarbeitung beschuldigt seinen früheren Arbeitgeber, mit den Daten von Millionen Rezepten einen groß angelegten, illegalen Handel betrieben zu haben.
Die Namen auf der Liste der Kunden der GFD sind keine unbekannten: Ratiopharm, Pfizer, Novartis, Sanofi-Aventis, Bayer, GlaxoSmithKline und viele andere. Unsere forschende Pharmaindustrie entpuppt sich einmal mehr als unsere marktforschende Pharmaindustrie.

Gläserne Patienten, gläserne Ärzte
Die Rezeptdaten seien von der GFD unverschlüsselt weitergegeben worden, behauptet der ehemalige Mitarbeiter. Das würde bedeuten, dass die Pharmakonzerne nicht nur gläserne Patienten mit all ihren Krankheiten und dem Verlauf vor sich liegen haben, sondern auch gläserne Ärzte, deren Verordnungsverhalten beobachtet und analysiert werden kann, um damit wiederum die Arbeit der 20 000 Pharmavertreter zu kontrollieren und zu optimieren.
Man kann es nicht mehr hören: Gibt es eigentlich einen Gesetzesverstoß, dessen die Pharmaindustrie sich noch nicht schuldig gemacht hat? In den USA haben die Pharmakonzerne innerhalb der letzten fünf Jahre fast 15 Milliarden Dollar Strafe für ihre Vergehen bezahlen müssen. Die Renditen haben dadurch jedenfalls keinen Schaden genommen.
Wahrscheinlich gibt es jetzt, wo Datenschützer mal wieder vom „größten Datenskandal im Medizinbereich“ sprechen, eine Strafzahlung für die Vergehen, aber der ehemalige Mitarbeiter wird kein Bundesverdienstkreuz erhalten, sondern bundesweites Berufsverbot. Schließlich sind ja auch seine Daten alle vernetzt.

13. Februar 2012

Verdacht auf Rezepthandel

Daten von Millionen Apotheken-Kunden verkauft?

Gab es illegalen Handel mit Millionen von Rezeptdaten? Laut einem ehemaligen Mitarbeiter der Gesellschaft für Datenverarbeitung haben verschiedene deutsche Rechenzentren Rezeptdaten an große Pharmakonzerne verkauft, die die Daten zur Marktforschung verwendeten.

Möglicher Skandal in der Pharmaindustrie: Laut einem ehemaligen Mitarbeiter der Firma pharmfakt/Gesellschaft für Datenverarbeitung (GFD) haben verschiedene deutsche Rechenzentren Rezeptdaten von Apotheken-Kunden an führende Pharmakonzerne verkauft. Der illegale Handel sei im großen Maßstab durchgeführt worden. So spricht der ehemalige Mitarbeiter gar von Millionen von Apothekenrezepten, die an die Konzerne verkauft wurden.
Zu den Abnehmern der Rezeptdaten gehörten große Pharmakonzerne. So sollen GlaxoSmithKline, Novartis, Bayer und Ratiopharm sowie Sanofi-Aventis zu den Abnehmern der Daten, die über mehrere Jahre verkauft wurden, gehört haben. Die Pharmakonzerne nutzten demnach die illegal erworbenen Kundendaten aus Rezepten, um für ihre Produkte Marktforschung zu betreiben.
Der Handel mit solchen Daten ist legal, solange die Daten verschlüsselt werden. Das war allerdings nicht der Fall, meint der Insider. Durch die unverschlüsselten Daten können Pharmaunternehmen nämlich nachvollziehen, welche Ärzte welche Medikamente verschreiben. Auch die Wirksamkeit von Pharmavertretern kann mit den illegal erworbenen Rezeptdaten überprüft werden.
Quelle: PCGames.de