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Frankfurter Rundschau, 2. August 2001

Ermittlungen gegen Bayer

Konzern soll Patienten Arznei-Risiken verschwiegen haben

Von Thomas Stillbauer

FRANKFURT A. M.. Die Kölner Staatsanwaltschaft prüft nach eigenen Angaben einen Anfangsverdacht auf Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz bei dem Pharmakonzern Bayer. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte der FR, ihre Behörde habe die Düsseldorfer Kriminalpolizei angewiesen, einen Zeugen in der Sache zu vernehmen.

Der Verein "Coordination gegen Bayer-Gefahren" (CBG) teilte mit, es gehe um die Verabreichung des Antibiotikums Ciproxin in mehreren englischen Krankenhäusern zu Beginn der 90er Jahre. Damals habe der Leverkusener Konzern das Mittel an mindestens 300 Patienten erprobt, ohne die Versuchspersonen hinreichend auf die Gefahren aufmerksam zu machen. Zu diesem Zeitpunkt hätten bereits Hinweise auf ein erhöhtes Infektionsrisiko, verursacht durch Ciproxin, vorgelegen, erklärte der Verein. Bei etwa der Hälfte der Patienten seien schwere Infekte aufgetreten.

Über den Fall berichtete auch die englische Zeitung Sunday Times und zitierte den englischen Arzt Stephen Karran, einen früheren Bayer- Mitarbeiter: Die Ciproxin-Tests seien "ein krimineller Anschlag auf die Patienten" gewesen, weil die Arznei zuvor nicht genügend geprüft worden sei. Nach Angaben des Vereins CBG hat Karran Strafanzeige gestellt.

Bayer-Sprecherin Christina Sehnert wies die Vorwürfe zurück.
Das Antibiotikum habe zwar in Wechselwirkung mit anderen Medikamenten Komplikationen verursacht, jedoch nicht in der von CBG angegebenen Häufigkeit. Zudem seien die mit den Tests in den englischen Kliniken beauftragten Ärzte über die Risiken informiert gewesen: "Sie hätten die Patienten unterrichten müssen", sagte Sehnert, nicht etwa die Bayer AG. Im Übrigen gehe sie davon aus, dass die Prüfärzte dieser Pflicht auch nachgekommen seien. Bayer habe die Fälle in den vergangenen Jahren bereits eingehend überprüft, sagte die Sprecherin: "Das erhält jetzt eine Bedeutung, die nicht angemessen ist."

Zum Stand der Ermittlungen konnte die Staatsanwaltschaft in Köln keine näheren Angaben machen.