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SPIEGEL ONLINE 8.1. 2002

PHARMASKANDALE

Verbraucherschützer geißelt Bayer als eines der übelsten Unternehmen

Die Skandale im vergangenen Jahr haben das Ansehen von Bayer nachhaltig beschädigt. Der prominente Verbraucheranwalt Ralph Nader setzte den Pharmakonzern auf die Liste der "zehn übelsten Unternehmen des Jahres 2001". DPA

Hamburg - Die Liste wird im Verbrauchermagazin "Multinational Monitor" veröffentlicht, dass Nader herausgibt. Nach Auffassung des Magazins rechtfertigen gleich mehrere Skandale die erstmalige Nominierung Bayers. Vor allem kritisiert das Magazin das Verhalten des Konzerns nach den Milzbrand-Anschlägen im vergangenen Oktober in den USA.
Bayer hatte nach den ersten aufgetretenen Milzbrand-Fällen auf dem Patentschutz seines Antibiotikums Ciprobay bestanden und die Zulassung preiswerterer Nachahmerprodukte verhindert. Ciprobay ist das einzige zugelassene Mittel gegen Lungenmilzbrand. Erst nach Auseinandersetzungen mit dem amerikanischen Gesundheitsministerium gab Bayer auf seine Ciprobay-Tabletten für die Behörde kräftige Rabatte. Vorwurf Nummer zwei: Im August 2001 musste Bayer seinen Cholesterinsenker Lipobay vom Markt nehmen, weil er mit mindestens 52 Todesfällen von Patienten in Verbindung gebracht wird. Bayer habe die Gefahren "jahrelang gekannt, jedoch erst auf eine Drohung der amerikanischen Aufsichtsbehörden hin den Verkauf gestoppt".

Zurzeit liegen die Leverkusener im Streit mit der US-Gesundheitsbehörde. Die verlangt von Bayer einen Verkaufsstopp von Tierantibiotika. Der Wirkstoff werde großflächig in der Geflügelaufzucht verwendet, sei aber zugleich ein wirksames Mittel unter anderem zur Bekämpfung von Lungenentzündungen bei Menschen, heißt es im "Multinational Monitor". Durch Geflügelverzehr bestehe die Gefahr, dass resistente Keime von den Tieren mit aufgenommen werden. Die Folge: Lungenentzündungen können mit dem Wirkstoff nicht mehr bekämpft werden. Experten schätzen, dass aus diesem Grunde das Mittel in etwa zehn Jahren in der Humanmedizin nicht mehr genutzt werden kann.

Zudem werde Bayer sein Umgang mit Kritikern vorgeworfen. Im Sommer hatte der Konzern einer Aktivistengruppe, die über Bayer-Gefahren aufklären wollte, wegen der Verbreitung kritischer Informationen im Internet einen Prozess und hohe Strafen angedroht.

Bayer befindet sich in den Top Ten in illustrer Gesellschaft: Coca-Cola wird vorgeworfen, durch die Werbekampagne mit dem Harry-Potter-Film seine Umsätze vor allem in Schulen und Kindergärten erhöht zu haben. Außerdem war dem Getränke-Konzern im vergangenen Jahr eine Strafe in Höhe von 192,5 Millionen Dollar wegen Diskriminierung eines schwarzen Mitarbeiters aufgebrummt worden.

Dem Energie-Händler Enron wirft die Verbraucherinitiative vor, durch die spektakuläre Milliardenpleite das Vermögen der Anleger und Gläubiger vernichtet zu haben. Und zu den Kandidaten, die einen Platz auf der Liste praktisch abonniert haben, gehören die Ölgesellschaft Exxon und der Zigarettenkonzern Philip Morris, wegen ihres Beitrags zur Erderwärmung beziehungsweise der Herstellung von gesundheitsschädlichen Produkten.

Auch der weltgrößte Einzelhändler Wal Mart steht auf der Liste. Die Verbraucherschützer werfen dem Konzern vor, besonders rüde gegen Gewerkschafter vorzugehen.