deutsch
english
francais
espanol
italiano
Photo
Hauptversammlung 2013

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir stehen heute vor Ihnen als die AVEP, die Gemeinschaft der französischen Opfer der Antibabypille.

Unser Verein hat mehr als 500 Aussagen von Opfern zusammengetragen, darunter die von 40 Familien, die ihre Tochter, ihre Frau oder ihre Mutter verloren haben. Wir wollen die Stimme derjenigen hörbar machen, die gestorben oder schwerwiegend körperlich behindert sind. Und das aufgrund der Diane 35, der Meliane, der Yaz, der Yasmin oder der Yasminelle. Wir protestieren gegen das verantwortungslose Verhalten der Geschäftsführung von Bayer, deren einziges Ziel ist, den Gewinn zu maximieren, auf Kosten der Gesundheit und dem Leben von vielen Frauen.

Seit mehr als 25 Jahren ist die Strategie von Bayer „gering dosierte“ Antibabypillen der 3. und 4. Generation zu bewerben. Seit 1995 haben aber Experten gesagt, dass diese Pillen gefährlicher seien als diejenigen der 2. Generation und dass sie keine spürbare Verbesserung der Leistung bringen. Dies ist eine Tatsache, die von allen Studien und seit dem letztjährigen März auch von der Französischen Arzneimittel-Agentur bestätigt wurde, ausgehend von den Daten der französischen Krankenhäuser: Die Anzahl der erfassten Nebenwirkungen ist 30 Mal höher als die, die von der Arzneimittelüberwachung angegeben wurde! Ist EINE schwere Erkrankung auf 1000 Frauen pro Jahr immer noch eine „seltene Nebenwirkung“, wenn fast 5 Millionen Frauen in Frankreich diese Pille nehmen und zehn Millionen in der Welt?
Ja, alle Frauen sollten Zugang zu Verhütungsmitteln haben und die Pille ist eine Option unter vielen, aber wie können sie diese Geschäftsstrategie rechtfertigen, die vorsätzlich 3-4 Mal häufiger das Leben von gesunden jungen Frauen opfert?

Die Risiko-Nutzen-Abwägung ist für Bayer natürlich positiv: die Pillen tragen im großen Maße zu den tollen Gewinnen bei, zu denen Sie sich heute selbst beglückwünschen. Und falls es doch schwerwiegende Fälle mit Behinderung oder Tod gibt, wird der finanzielle und moralische Preis doch ausschließlich von der Gesellschaft getragen: lange Krankenhausaufenthalte, unsägliche Leiden, lebenslange medizinische Kosten, Verlust des Berufs und zerbrochene Leben...

Wir wollen Sie vor dem Zynismus der Geschäftsführung von Bayer warnen, die zwar nicht zögert, 2012 bis zu einer Milliarde Dollar zurückzustellen, um Tausende amerikanische Opfer zu entschädigen, aber gleichzeitig jegliche Verantwortung für all diese Dramen zurückweist. Ist das einer Firma wie Bayer würdig?

In Frankreich wurden bereits 100 Klagen gegen Hersteller der Antibabypille eingereicht und mehr als 800 sind in Vorbereitung. Bayer wird bald nicht mehr finanzielle Vergleiche vorschlagen können, während sie behaupten, dass ihre Flagschiff-Pillen Meliane, Diane 35, Yaz, Yasmin, Yasminelle und Qlaira harmlos sind, um deren Ruf und den Verkauf zu sichern.

Die Strategie von Bayer wird angesichts der vielen Opfer scheitern. Die Opfer organisieren sich, um eine Firma zu bekämpfen, die vorsätzlich die Risiken ihrer Produkte verschleiert, die massiv in einen Etikettenschwindel investiert, der von Ärzten verbreitet wird, die wahrhafte Werbevertreter von Bayer sind. Allerdings haben sich die Zeiten geändert: Informationen machen die Runde, Ärzte verfügen nicht mehr alleine über das notwendige Wissen und der Staat hat nicht mehr die finanziellen Mittel, um die Konsequenzen der ganzen Fälle zu übernehmen. Vor allem können wir uns nun informieren und alles verstehen: Wir werden ganz einfach nicht mehr Ihre Produkte kaufen, auch wenn Ihre verlogenen Marketing-Kampagnen weiterlaufen und die verschreibenden Ärzte unter Druck setzen.

In unseren Demokratien, die Unabhängigkeit der Gerichte und Pressefreiheit garantieren, wird eine Strategie, die sich auf Etikettenschwindel und der Verachtung seiner Kunden stützt, nicht von Dauer sein: sie wird aufgekündigt und bestraft werden.
Bayer ist dazu fähig, exzellente Produkte herzustellen, die Krankheiten lindern können, es ist daher sehr bedauerlich, dass dieses Abenteuer mit den Pillen der 3. und 4. Generation den guten Ruf dieser großen deutschen Industrie schmälern wird.

Wir bitten Sie als Aktionäre von den Geschäftsführern Ihrer Firma zu fordern, die Sicherheit der Kunden wieder ins Zentrum der Arbeit zu rücken, für die Ehre Ihrer Firma und den Respekt gegenüber den Opfer.

Hier nun unser Fragen an die Geschäftsführung:

1. Im Jahr 2002 hat die Oberste Französische Gesundheitsbehörde gefordert, einen Bericht über die Toleranz der Meliane innerhalb von 24 Monaten zu präsentieren, da diese Pille damals schon im Verdacht stand, gefährlich zu sein. Bayer hat die Daten nie geliefert, warum?
2. Wie wird die Entschädigung der Opfer Ihrer Pillen in Frankreich aussehen? Besonders für die Diane 35, von der Sie wissen, dass sie besonders oft außerhalb ihrer therapeutischen Indikation verwendet wurde (und zwar zur Behandlung von Akne).
3. Welches Risikoniveau erachten Sie für akzeptabel für ein Produkt, das man gesunden Frauen verschreibt?
4. Wie werden Sie reagieren, wenn die EMA die Diane 35 im Mai und alle anderen Pillen der 3. und 4. Generation im Juli 2013 verbieten wird?

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.