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Financial Times Deutschland, Dienstag 8.1.2002

Bayer: Negativschlagzeilen in den USA

In den USA ist der Bayer-Konzern nach Angaben der "Berliner Zeitung" erneut in negative Schlagzeilen geraten. Das US-Verbrauchermagazin "Multinational Monitor" habe den Leverkusener Pharmakonzern in die Liste der "zehn übelsten Unternehmen des Jahres 2001" aufgenommen.
Die Liste umfasse Unternehmen, "die Verbraucher betrügen, die Umwelt verseuchen und Arbeiterrechte missachten", sagte der Sprecher der "Coordination gegen Bayer-Gefahren", Philipp Mimkes, der "Berliner Zeitung". "Multinational Monitor" wird von dem einflussreichen US-Verbraucheranwalt und Ex-Präsidentschaftskandidaten Ralph Nader herausgegeben. Nach Auffassung des Magazins würden gleich mehrere "Skandale" die erstmalige Nominierung Bayers rechtfertigen. Vor allem kritisiere das Magazin das Verhalten des Konzerns nach den Milzbrand-Anschlägen im vergangenen Oktober in den USA.

Ärger um Ciprobay und Lipobay
Bayer hatte nach den ersten aufgetretenen Milzbrand-Fällen auf den Patentschutz seines Antibiotikums Ciprobay bestanden und die Zulassung preiswerterer Nachahmerprodukte verhindert. Ciprobay ist das einzige zugelassene Mittel gegen Lungenmilzbrand. Erst nach Auseinandersetzungen mit dem US-Gesundheitsministerium gab Bayer auf seine Ciprobay-Tabletten für die Behörde kräftige Rabatte. Vorwurf Nummer zwei: Im August 2001 musste Bayer seinen Cholesterinsenker Lipobay vom Markt nehmen, weil er mit mindestens 52 Todesfällen von Patienten in Verbindung gebracht wird. Bayer habe die Gefahren "jahrelang gekannt, jedoch erst auf eine Drohung der amerikanischen Aufsichtsbehörden hin den Verkauf gestoppt".

Zurzeit liegen die Leverkusener im Streit mit der US-Gesundheitsbehörde. Die verlangt von Bayer einen Verkaufsstopp von Tierantibiotika. "Der Wirkstoff wird großflächig in der Geflügelaufzucht verwendet", sagte Mimkes. Er sei aber zugleich ein wirksames Mittel unter anderem zur Bekämpfung von Lungenentzündungen bei Menschen. Durch Geflügelverzehr bestehe die Gefahr, "dass resistente Keime von den Tieren mit aufgenommen werden". Die Folge: Lungenentzündungen können mit dem Wirkstoff nicht mehr bekämpft werden. Experten schätzen, dass aus diesem Grunde das Mittel in etwa zehn Jahren in der Humanmedizin nicht mehr genutzt werden kann.

Zudem werde Bayer sein Umgang mit Kritikern vorgeworfen. Im Sommer hatte der Konzern der "Coordination gegen Bayer-Gefahren" wegen der Verbreitung kritischer Informationen im Internet einen Prozess und hohe Strafen angedroht. Bayer befindet sich in den Top Ten in illustrer Gesellschaft: Coca-Cola wird vorgeworfen, durch die Werbekampagne mit dem Harry-Potter-Film seine Umsätze vor allem in Schulen und Kindergärten erhöht zu haben. Beim weltgrößten Handelskonzern Wal Mart wurde dessen "rüdes Vorgehen gegen Gewerkschafter" kritisiert. Auch Exxon und Marlboro stehen auf der Liste.