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Hauptversammlung 2013

Bienenschäden seit 1997 durch Neonicotinoide - alles nur Zufälle?

Sehr geehrter Vorstand,
sehr geehrter Aufsichtsrat,
meine sehr geehrten Damen und Herrn Aktionäre,

mein Name ist Christoph Koch und ich spreche zu ihnen im Namen des deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbundes, aber auch im Namen der EU weiten Imkervertretung dem EPBA.

Also erst muss ich mal ein großes Lob los werden. Auch ich freue mich auf das tolle Geschäftsergebnis und auch auf den ordentlichen Zuwachs meiner Aktien! Ja ich habe selber welche! Ich hoffe nur, dass dieser Bonus nicht so sehr mit Crop Science zu tun hat! Ich hoffe das sehr! Denn das wäre dann für mich als Imker nicht so gut! Ich will Ihnen auch erklären warum! Seit 2009 bin Ich nun schon hier um Fragen zu stellen. Also schon seit 5 Jahren!

Fragen rund um die Bienen.
Fragen zu den BAYER Produkten wie Poncho, Elado, Gaucho, BISCYA usw.
Fragen zu Wirkstoffen mit den Namen wie Thiacloprid, Thiametoxan, Imidacloprid oder Clothianidin! – den sogenannten Neo-Nicotinoiden.
Diese Stoffe nennen wir auch kurzum Neonics!
Übrigens finden Sie meine Fragen auch im Internet!

Meine Fragen sind in all den Jahren nicht zufriedenstellend beantwortet worden. Immer wieder wird uns hier vom Vorstand mit großer Beharrlichkeit erklärt, dass die Bienenprobleme andere Ursachen haben und bringen die Varroa als eine der größten Herausforderungen gegenüber den Bienen ins Feld.

Imkervertreter hatten letztes Jahr Gespräche mit einigen BAYER Leuten unter anderem mit Frau Dr. Peterson und Dr. Richard Pott. Diese Gespräche am 17.4.2012 verliefen gut und konsequenterweise hat BAYER auch unseren Vorschlag aufgegriffen sich auch bei der Behandlungsmittelfrage bei der Bekämpfung der Varroa Milbe sich zu engagieren. Wir Imkerverbände begrüßen dies ausdrücklich! Und wir bedanken uns auch hier besonders bei Richard Pott!

Draußen sahen wir neben dem großen Banner von Greenpeace auch eines von BAYER! Darauf steht: Wir tun mehr für die Bienen als Ihr denkt!
Meine Damen und Herrn Aktionäre BAYER tut was für die Bienen ja das stimmt!
Die große Frage ist nun ist das genug?

Wenn es darin erhebliche Meinungsverschiedenheiten gibt, ist es nicht immer einfach, trotzdem die Bereiche, in denen eine Zusammenarbeit möglich ist, zu sehen
Und diese aus den andern Konflikten herauszuhalten!

Worin bestehen nun aber diese Meinungsverschiedenheiten, meine Damen und Herrn Aktionäre?
Seit mehr als 10 Jahren, nein in manchen Gegenden sind es nun bald 20 Jahre, beobachten Imker auf der ganzen Welt Probleme mit den Neonics!
BAYER ist in der Tat einer der Wichtigsten Hersteller dieser Neonics und ein erheblicher Teil des Geschäftserfolges von Crop Science hängt davon ab, dass diese Produkte weiterhin zugelassen bleiben!

Das ist der zentrale Punkt!
Zunächst wurde also behauptet, wir Imker würden diese Neonics zu Unrecht verdächtigen.
Als dann jedoch die ersten Wissenschaftler anfingen, die Behauptungen der Imker zu bestätigen, wurden diese Wissenschaftler schwer angegriffen.
BAYER und auch die anderen Hersteller der Neonics forderten dann kontrollierte Laborstudien! Als diese Studien dann aus verschiedenen Ländern vorlagen, behauptete BAYER nun, diese Studien hätten wiederum in der Praxis keine Relevanz. Es waren aber die Beobachtungen von uns Imkern in der Praxis, durch die der Stein ja erst in Rollen gekommen war.

Wir sind nun an einer Stelle angekommen wo wir uns nun im Kreis drehen!
Seit diesem Frühjahr haben wir aber nun eine neue Situation, meine Damen und Herrn Aktionäre!
Die EFSA ist nun zu der gleichen Erkenntnis gekommen und hat der EU Kommission den Vorschlag gemacht, bei den drei wichtigsten Neonics ein Teilverbot auszusprechen.
Aber selbst davon lassen sich weder BAYER noch SYNGENTA nicht überzeugen und beide behaupten nun auch, die EFSA hätte gravierende Fehler gemacht.
Eines der Argumente ist, dass das Deutsche Bienen Monitoring gezeigt hätte, dass die EFSA Bewertung falsch sei.
Meine Damen und Herrn Aktionäre, also das ist schon ein spezielles Stück!
Herr Dekkers, ist Ihnen eigentlich bekannt, dass die zuständigen deutschen Behörden an den EFSA Bewertungen mitgewirkt haben?
Und dass besagtes DeBiMo gar nicht erst zur Berücksichtigung eingereicht wurde?
Und wissen Sie auch warum?

Ich kann es ihnen sagen meine Damen und Herrn Aktionäre,
das DeBiMo ist laut den Experten der EFSA für diese Fragestellung total ungeeignet!
Ich komm später noch detaillierter auf das DeBiMo sofern mir dazu die Zeit bleibt.
Meine Damen und Herrn Aktionäre, kann es sein, dass der Vorstand deshalb diese Probleme leugnet, weil versäumt wurde alternativen zu diesen Neonics zu entwickeln und sich bei dem PSM breiter aufzustellen?
Am kommenden Montag könnte das Verbot in der EU kommen. Danach wird die Amerikanische Zulassungsbehörde EPA in Erklärungsnöte geraten, wenn sie nicht ebenfalls Maßnahmen zum Schutz der Bienen ergreift.
Herr Dekkers, nach unseren Unterlagen wusste BAYER schon relativ früh um diese Bienenprobleme im Zusammenhang mit den Neonics!
Aber gegenüber der Öffentlichkeit und uns Aktionären wurden diese stets geleugnet.
Haben Sie damit nicht nur das Risiko für die Bienen falsch dargestellt, sondern auch das für die Aktionäre?

Nun richte ich mich an die Klein Aktionäre unter Ihnen meine Damen und Herrn!

Jeder von ihnen kann nun heute entscheiden, ob er das Risiko für die Bienen und sein Kapital bisher richtig bewertet hat und ob er das auch künftig noch so will!

Bei den Großaktionären meine Damen und Herrn ist die Sache etwas divisibler!

Einige Banken sind in der jüngsten Vergangenheit in die Kritik geraten, weil sie Geld mit Nahrungsmittelspekulationen gemacht haben. Wollen Sie sich jetzt auch noch vorwerfen lassen, dass Sie Geschäfte mit Herstellern von bienengefährlichen Produkten machen?

Warum meine Damen und Herrn Aktionäre, gibt es denn schon jetzt Zulassungsverbote für diese Neonics?
Haben Sie sich das schon mal genauer gefragt?
An der Stelle gleich mal die Frage an den Vorstand: In welchen Ländern sind nun schon diese umstrittenen BAYER-Produkte mit Neonics verboten worden?
Warum sind nun neue Verbote hinzugekommen?
Bei der Frage spielt es jetzt keine Rolle ob das nur BAYER-Produkte betrifft oder die von SYNGENTA oder der BASF! Warum genau empfiehlt nun die EFSA der EU Kommission, bestimmte Neonics zu verbieten?

Wie erklären Sie sich das alles Herr Deckers?

Sind die bereits jetzt schon verhängten Verbote etwa auf Grund frei erfundener Behauptungen ausgesprochen worden? Wohl kaum. Oder waren das alles Unfälle alla 2008? Oh sorry Herr Dekkers sie sagen dazu ja Fehlanwendungen!

Herr Dekkers verzeihen Sie mir bitte dass ich meine Finger immer wieder in diese alte Wunde lege! Daher frage ich jetzt mal etwas genauer:
Seit wann genau weiß eigentlich der Konzern um die Problematiken der Pneumatischen Sä-Technik, verbunden mit den Neonic-Beizen und dadurch mögliche entstehende Bienenschäden? Ich hätte hier gerne ganz genaue Daten! Auch in Bezug auf Internationaler Ebene! Genauer gesagt auch in Bezug auf Frankreich!

Dann würde ich gerne wissen, ob es schon einmal Zahlungen an betroffene Imker gab, die vor 2008 lagen? Wenn ja, wann genau? Und in welchem Land war das?

Herr Dekkers, Sie erklärten hier letztes Jahr und vorletztes Jahr, und ihr Vorgänger auch schon, sehr beharrlich, dass es bei guter Landwirtschaftlicher Praxis, bei Sachgerechter Anwendung Ihrer Meinung nach keine Bienenschäden durch ihre Produkte geben kann.

Wie sollen wir das verstehen?

Zu Melissa aus Österreich, welches 2012 endete und welches Bienenschäden durch Neonic-Beizen festgestellt hatte, sagten Sie Herr Deckers letztes Jahr, dass sich die Bienen-Schäden in den letzten 3 Jahren des MELISA kontinuierlich reduziert hätten.

Wie sollen wir das nun verstehen?

Sie schließen Schädigungen also doch nicht ganz aus?

Aber sagen Sie uns doch hier mal bitte, wie viel Mais-Fläche in all den Jahren speziell im Beobachtungsgebiet des MELISA mit Neonics tatsächlich behandelt waren, wenn möglich getrennt nach den Jahren! Ich möchte hier gerne genaue Zahlen hören!

Vielleicht kommt dann etwas Licht in diese Sache?

Ist es möglich, dass Ihre Interpretation der geringer werdenden Schäden auf einer verkleinerten behandelten Fläche beruhen? und weniger mit der Wirkstoffbindung und der verbesserten Sätechnik zu tun hat?

Meine Damen und Herrn Aktionäre, heute wissen wir, dass 4 Nanogramm, also 4 Milliardstel Gramm Clothianidin eine Biene schon schädigen können!
Meine Damen und Herrn Aktionäre, demnach hat ein Gramm Clothianidin das Potential 250 Millionen Bienen zu schädigen!
Stellen Sie sich das bitte mal vor!

2008 hat der BAYER Mitarbeiter Dr. Richard Schmuck in der ersten Sitzung mit dem MLR Baden-Württemberg uns gegenüber gesagt, dass es durch die pneumatischen Sägeräte einen Wirkstoff Austrag von 1,5g pro ha gäbe!
Diese 1,5g nicht vermeidbaren Wirkstoff-Abrieb aus dieser Sätechnik können also 375 Millionen Bienen schädigen, bezogen auf einen Hektar Mais!
Herr Dekkers und auch sein Vorgänger sind jedoch beide immer noch der Meinung, diese BAYER Produkte sind tatsächlich Bienen sicher!
Als das DeBiMo das Deutsche Bienen Monitorring gegründet wurde eine Propaganda über die Ursachen fest gemacht!
Die Bienenkrankheiten besonders die Varroa sei schuld an dem Desaster!
Nicht eine einzige Analyse in Richtung Pflanzenschutzmittelrückstände war da gemacht worden! Dazu brauchte es erst die Androhung, dass wir Imker aussteigen! Erste Untersuchungen wurden erst nach 2006 gemacht!
Soviel zur Objektivität der AG Bieneninstitute und deren Ursachenforschung nach den wirklichen Ursachen der Verluste! Aber es mag auch daran liegen, dass man lieber nach Krankheiten suchte weil man niemandem weh tat?
Auch denen nicht die das ganze finanzierte?

Wildbienen und Hummeln haben die Varroa Milben nicht!
Und sie verschwinden genauso!
Wo immer die Neonics auftauchen!

Das meine Damen und Herrn Aktionäre sollte Ihnen zu denken geben!
Bienenschutz hat eine besondere Bedeutung und alle, die damit zu tun haben, sollten ihrer Verantwortung bewusst sein!

Sie meine Damen und Herrn Aktionäre haben hier auch eine Verantwortung!

Honig-Bienen in der Hand erfahrener und guter Imker sind hervorragende Umweltindikatoren!

Unterschätzen sie das in Ihrer Entscheidung nicht!

Meine Damen und Herrn, ich bedanke mich für Ihre geschätzte Aufmerksamkeit und ihre Geduld und verzeihen Sie das Überschreiten meines Zeitlimits.
.
Christoph Koch
3.Vorsitzender im Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbund
Landesgeschäftsführer für Baden-Württemberg
Karl-Friedrichstraße 15
D 77728 OPPENAU
Tel.: +49 7804 3589
E-Mail: vorstand@berufsimker.de
www.berufsimker.de

Deckers Antworten:

Zu EFSA und DeBiMo sagte er, dass diese Studie bei der EFSA eingereicht wurde und dass die EFSA dafür noch Zeit bräuchte, diese noch zu bewerten.
Aussetzungen gibt es in Deutschland, Frankreich, Italien, Slowenien sowie in Brasilien. Diese Einschränkungen erfolgten aus Vorsorgegründen.

Zum Hintergrund der Empfehlung der EFSA bestimmte Wirkstoffe zu verbieten:

Die EFSA hat lediglich potentielle Risiken festgestellt und Datenlücken aufgezeigt. Dies ist keine direkte Folge der Ereignisse in Baden Württemberg von 2008 bei der die BAYER Crop Sience Imkern auf freiwillige Basis finanzielle Unterstützung geleistet hat.

Zu Melissa:

Das Melissa Forschungsprojekt zeigt, dass bei Einhaltung aller Risiko-Mindernden Maßnahmen, Bienen wirksam geschützt werden können. Die von der Österreichischen Zulassungsbehörde verpflichtend vorgeschriebenen Maßnahmen zur Sicherstellung einer guten Saatgutqualität und Aussaattechnik, sowie ein umfassender Anforderungs- und Auflagenkatalog an Insektizid gebeiztes Saatgut, gewährleisten den Schutz der Bienenvölker.

Zur pneumatischen Sätechnik:

BAYER Crops Sience entwickelt mit der Saatgut Industrie und den Maschinenherstellern Kontinuierlich Vorschriften und Begleitmaßnahmen. Diese verbessern die Qualität des Saatgutes und ermöglichen eine sichere Aussaat. In den vergangen Jahren konnte so der Bienenschutz verbessert werden.

Dekkers bittet dann um Verständnis, dass er heute keine Detailinfos geben kann und verweist auf die AGES.

Wie bereitet sich BAYER auf ein mögliches Verbot der Neonics für Europa vor:

Wir sind nach wie vor überzeugt, dass diese Wirkstoffe sicher und Verantwortungsvoll eingesetzt werden können und deshalb sind wir auch sicher, unseren Kunden auch in Zukunft effiziente Technologien und Produkte anbieten zu können.

Mein Kommentar zu den Antworten Dekkers:

Die BAYER AG ist wohl sehr zuversichtlich, dass es zu keinem Verbot der Neonic-Beizen kommt! Dieser Optimismus gegen über den Aktionären könnte noch ein Strick werden für BAYER besonders mit Blick auf die USA! Denn BAYER hat anscheinend keinen Plan B in der Schublade. Zu mindest den Aktionären gegen über.

Dekkers gab keine Antwort auf die Frage zu Zahlungen an Imker die vor 2008 lagen!
Hier verschweigt BAYER etwas! Es gab diese Zahlungen und zwar lange vor dem Jahr 2002, als es dann in Italien ebenfalls zu großen Vergiftungen kam.
Melissa hat gezeigt, dass die Bienenvergiftungen trotz Schutzmaßnahmen nicht in den Griff zu bekommen sind! Wir Imker wissen, dass im Hintergrund fieberhaft an ganz neuen Saatmaschinen mit Filter gearbeitet wird. Doch diese lösen dann nur einen Teil der Vergiftungswege die andern, wie Guttation und giftiger Pollen sind dann immer noch da!

Daher wird BAYER wegen seiner Rolle beim Bienensterben immer mehr unter Druck geraten!

Christoph Koch
3.Vorsitzender im Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbund
Landesgeschäftsführer für Baden-Württemberg
Karl-Friedrichstraße 15
D 77728 OPPENAU
Tel.: +49 7804 3589
E-Mail: vorstand@berufsimker.de
www.berufsimker.de