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Manager Magazin

Manager Magazin 9.1.2002

Der Club der bösen Manager

Das US-Verbrauchermagazin "Multinational Monitor" hat den Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern in die Liste der "zehn übelsten Unternehmen des Jahres 2001" aufgenommen. Bayer reagiert empört.

Washington - "Multinational Monitor" wird von dem einflussreichen US-Verbraucheranwalt und Ex-Präsidentschaftskandidaten Ralph Nader herausgegeben. Nach Auffassung des Magazins würden gleich mehrere "Skandale" die erstmalige Nominierung von Bayer rechtfertigen.

Das deutsche Pharmaunternehmen erklärte zu der Aufnahme in die unbeliebte Liste, die Meldung sei absichtlich kurz vor dem geplanten Börsengang Bayers in den USA von der "Coordination gegen Bayer-Gefahren" lanciert worden. Das Vorgehen sei Teil der "Agitation", die von der Gruppierung seit Jahren gegen Bayer und Bayer-Tochterunternehmen betrieben werde.

Bayer verweist auf hohes Ansehen in Fortune-Liste
Weiter erklärte Bayer, dass das Unternehmen im vergangenen Jahr von dem US-Magazin Fortune in die Liste der "Most admired companies", der "am meisten geschätzen Unternehmen" in den Vereinigten Staaten aufgenommen worden sei.

Der "National Monitor" dagegen kritisiert vor allem das Verhalten des Konzerns nach den Milzbrand-Anschlägen im vergangenen Oktober in den USA. Bayer hatte nach den ersten aufgetretenen Milzbrand-Fällen auf den Patentschutz seines Antibiotikums Ciprobay bestanden und die Zulassung preiswerterer Nachahmerprodukte verhindert.

Vorwurf Nummer zwei betrifft Lipobay: Im August 2001 musste Bayer seinen Cholesterinsenker vom Markt nehmen, weil er mit mindestens 52 Todesfällen von Patienten in Verbindung gebracht wird. Bayer habe die Gefahren "jahrelang gekannt, jedoch erst auf eine Drohung der amerikanischen Aufsichtsbehörden hin den Verkauf gestoppt".

Neuer Streit mit US-Gesundheitsbehörde
Aktuell liegt Bayer erneut im Streit mit der US-Gesundheitsbehörde. Die verlangt von Bayer einen Verkaufsstopp von Tierantibiotika. "Der Wirkstoff wird großflächig in der Geflügelaufzucht verwendet", sagte Philipp Mimkes, der Sprecher einer "Vereinigung gegen Bayer-Gefahren".
Er sei aber zugleich ein wirksames Mittel unter anderem zur Bekämpfung von Lungenentzündungen bei Menschen. Durch Geflügelverzehr bestehe die Gefahr, "dass resistente Keime von den Tieren mit aufgenommen werden". Die Folge: Lungenentzündungen könnten mit dem Wirkstoff nicht mehr bekämpft werden.

Coke und Wal Mart am Pranger
Immerhin befindet sich Bayer in den Top Ten der Buhmänner in illustrer Gesellschaft: Coca-Cola wird vorgeworfen, durch die Werbekampagne mit dem Harry-Potter-Film seine Umsätze vor allem in Schulen und Kindergärten erhöht zu haben. Beim weltgrößten Handelskonzern Wal Mart wurde dessen "rüdes Vorgehen gegen Gewerkschafter" kritisiert.

Auch der Ölkonzern Exxon Mobil (maßgebliche Schuld am Treibhauseffekt), der Zigarettenproduzent Philip Morris (unglaubwürdige Warnung vor Tabak-Genuss), Abbott (betrügerisches Preismodell im Pharmavertrieb), Argenbright (Scheitern als privater Sicherheitsdienst auf Flughäfen), Enron (größte Pleite in der US-Geschichte), Sara Lee (21 Todesfälle durch Verzehr von Hot Dogs) und Southern Co. (Luftverschmutzung durch Kraftwerke) stehen auf der Liste.

Vor dem geplanten US-Börsengang kommt Bayer die Aufnahme in die Liste "zehn übelsten Unternehmen des Jahres 2001" denkbar ungelegen. manager-magazin.de dokumentiert die offizielle Stellungnahme des Konzerns zum Artikel im Verbrauchermagazin "Multinational Monitor" im Wortlaut.

"Einseitige Agitation"
"Leverkusen – Bayer weist die Anschuldigungen und Diffamierungen zurück, die der amerikanische 'Multinational Monitor' in seiner sogenannten 'Negativliste' zu den '10 übelsten Unternehmen des Jahres 2001' im Dezember in den USA veröffentlicht hat. Demnach gehören dazu Unternehmen, die Verbraucher betrügen, die Umwelt verseuchen und Arbeiterrechte missachten. Es handelt sich bei der Zeitschrift um das Sprachrohr eines Zusammenschlusses von Aktivistengruppen, die sich schwerpunktmäßig das Thema 'Unternehmenskritik' auf die Fahne geschrieben haben. Nicht zufällig streut die sogenannte 'Coordination gegen Bayer-Gefahren' diese Meldung jetzt kurz vor dem geplanten Bayer-Börsengang in den USA. Die im 'Multinational Monitor' angeführten Gründe werden bewusst einseitig kommentiert und zu angeblichen 'Skandalen' aufgebauscht. Diese Darstellung reiht sich ein in die Agitation, die von der Gruppierung seit Jahren gegen Bayer und Bayer-Tochterunternehmen betrieben wird.

Bayer wurde 2001 vom US-Magazin 'Fortune' in die Liste der 'Most admired companies' der Vereinigten Staaten aufgenommen. Bayer gehört zu den Gründungsmitgliedern der Global Compact Initiative des UN-Generalsekretärs Kofi Annan, die im Juli 2001 ins Leben gerufen wurde. Das Unternehmen hat sich darin ausdrücklich verpflichtet, für die Einhaltung und Verbreitung von neun von der UN ausgewählten Prinzipien aus den Bereichen Menschenrechte, Sozialstandards und Umwelt einzutreten.

Zudem ist Bayer im vergangenen Jahr in den FTSE4Good Global 100 Index aufgenommen worden. Darin führt der englische Index-Anbieter FTSE solche Unternehmen, die in den Bereichen Menschenrechte, Sozialstandards und Umweltschutz besonders gut beurteilt werden.

Bayer unternimmt regelmäßige repräsentative Konsumentenbefragungen in den USA, die belegen, dass Bayer in den Staaten ein sehr gutes Image hat. Dies gilt auch für Studien, die in der zweiten Jahreshälfte 2001 durchgeführt wurden."