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Coltan

Neues Deutschland, 31. Oktober 2002

Finanziert H. C. Starck Bürgerkrieg?

Interview mit Philipp Mimkes, Coordination gegen BAYER-Gefahren

ND: Ein UNO-Bericht hat die Ausplünderung Kongos wegen des HighTech-Rohstoffs Coltan kritisiert. Was sind die zentralen Vorwürfe?

Mimkes: Durch den Handel finanzieren sich Rebellenarmeen. Der ganze Krieg, der in den letzten Jahren über zwei Millionen Todesopfer gefordert hat, dreht sich eigentlich nur um die Ausbeutung der Rohstoffe.

Ihre Initiative befasst sich seit Jahren mit dem BAYER-Konzern. Ist auch die hundertprozentige BAYER-Tochter H. C. Starck am Kongo-Geschäft beteiligt?

Die Aussagen von Coltan-Marktführer H. C. Stark sind sehr widersprüchlich. Sie haben lange gesagt, sie würden das Material zwar aus Kongo beziehen, aber die Regierung, die im Osten des Kongo faktisch von der Rebellenarmee RCD gestellt wird, profitiere nicht davon. Das würde jedoch auf Schmuggel hinauslaufen. Denn alle Beobachter vor Ort sagen, dass der Export von der Lokalregierung organisiert wird und dafür Steuern erhoben werden. Lokale Rebellenführer haben bestätigt, dass sie sich darüber finanzieren.

Jetzt behauptet H. C. Starck, seit dem August 2001 kein Coltan mehr aus Kongo zu beziehen...

Der UNO-Bericht zeigt detailliert, dass Briefe und Dokumentationen von Lieferungen vorliegen und dass mehrere davon an H. C. Stark gegangen sind - auch nach dem August des letzten Jahres.

Wäre es denn möglich, Coltan ohne diese verheerenden Folgen abzubauen?

Wenn der Krieg vorbei wäre und es eine zivile Regierung in der Region gibt, wäre es natürlich möglich, staatliche Minengesellschaften oder vielleicht auch reglementierte private Minengesellschaften zu etablieren. Aber davon ist man zur Zeit sehr weit entfernt.

Fragen: Andreas Schug