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Pharmapatente

Die tageszeitung, 3. Februar 2003

PHARMAINDUSTRIE SENKT PREISE IN MITTELAMERIKA AUS EIGENNUTZ

Gesundheit krankt am Patentrecht

Künftig werden sich mehr Aidspatienten in Mittelamerika eine Therapie leisten können. Dies ist für die Betroffenen eine gute Nachricht. Vergleichbare Abkommen wird die Pharmaindustrie mit weiteren Entwicklungsländern schließen, sodass besonders in Afrika die beschämende Zahl von Aidsinfizierten ohne Zugang zu Medikamenten sinken könnte.

Doch geht es den Konzernen und ihren Verbündeten in EU-Kommission und US-Regierung dabei vorrangig um die weltweite Durchsetzung von Patentrechten und die Verhinderung billiger Nachahmeprodukte. Bis in die 70er-Jahre wurden Pharmapatente selbst in Europa und den USA nicht anerkannt. Die Versorgung der Bevölkerung mit Medikamenten habe Vorrang gegenüber den Interessen der Hersteller.

Das Internationale Abkommen zum Schutz des geistigen Eigentums sowie internationale Handelsabkommen verpflichten heute jedoch selbst arme Länder, keine billigen Kopien geschützter Medikamente herzustellen oder einzuführen. Einzig dem Widerstand einiger Länder, besonders Indiens und Brasiliens, sowie der internationalen Kritik an dem Prozess von 40 Pharmamultis gegen Südafrika ist die jetzige Verbilligung von Aidsmedikamenten zu verdanken.

80 Prozent aller medizinischen Leistungen kommen den reichsten 20 Prozent der Menschheit zugute. Es ist zu befürchten, dass Millionen Menschen auch in Zukunft keine Hilfe erhalten, weil ihre Krankheiten, etwa die Malaria, keinen lukrativen Markt darstellen, oder weil die Erkrankten ihre Behandlung nicht bezahlen können. Ziel der internationalen Gesundheitspolitik sollte daher eine preisgünstige Versorgung mit essenziellen Medikamenten sein - dem steht das geltende Patentrecht weiterhin im Weg. Um dem Lieblingsargument der Hersteller ("nur langfristige Patente ermöglichen neue Entwicklungen") direkt zu begegnen: Die Kosten für Werbung liegen weit über denen für die Forschung, und die meisten wichtigen Entdeckungen entstammen staatlichen Forschungsprogrammen.

PHILIPP MIMKES
Der Autor ist Mitarbeiter der "Coordination gegen BAYER-Gefahren"
( www.CBGnetwork.de )