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Metro

Neues Deutschland, 8. Januar 04

Gentech bei Metro?

Interview mit Philipp Mimkes, Sprecher der "Coordination gegen Bayer-Gefahren" (CBG)

ND: Die "Coordination gegen Bayer-Gefahren" (CBG) rief Ende letzten Jahres zu Protesten vor Metro-Kaufhäusern auf, weil der Handelsriese zusammen mit den Chemiekonzernen Monsanto und Bayer eine Pro- Gentechnik-Kampagne starten wollte. Wie ist der aktuelle Stand der Aktion "Gemeinsam gegen Genfood"?

Mimkes: Es gab einen überraschenden Erfolg - die Metro AG hat eingelenkt. Der Konzern erklärte sich bereit, in seinem Nahrungsmittelangebot auf Genfood zu verzichten. Dies gilt für alle Konzern-Töchter wie Kaufhof, extra, Real und andere. Die Gefahr einer gemeinsamen Pro-Gentechnik-Kampagne von Metro mit den weltweit führenden Herstellern Bayer und Monsanto ist offenbar fürs erste abgewendet.

Was bewirkte das schnelle Einlenken?

Die Proteste gegen die geplante Pro-Gentechnik-Kampagne von Metro, Bayer und Monsanto setzten schon vor einigen Monaten ein - direkt nachdem ein Protokoll des eigentlich geheimen Treffens der Konzerne in die Öffentlichkeit gelangt war. Besonders Greenpeace hatte eine Reihe von Aktionen angekündigt. Das hat sicher die Entscheidung bei Metro beeinflusst. Unternehmen denken in ökonomischen Kategorien und eine Gegenkampagne von Umweltverbänden schadet ihrem Image.

Vorerst wird es also in deutschen Supermärkten kein Genfood geben. Inwieweit betrifft den Verbraucher dann der Fall des Gentechnik- Moratoriums der EU in diesem Jahr?

Der größte Teil gentechnisch veränderter Pflanzen wird nicht direkt vom Menschen konsumiert, sondern geht den Weg über das Tierfutter. Darauf bezieht sich die Einverständniserklärung der Unternehmen nicht. So landet Genfood über Milch, Eier, Fleisch und Butter trotzdem in der Nahrungskette. Ob hierdurch Risiken für die menschliche Gesundheit entstehen, ist schlichtweg unbekannt. Wenn das Moratorium der EU fällt, steht zu befürchten, dass gentechnisch veränderte Pflanzen großflächig angebaut werden. In Sachsen-Anhalt gibt es bereits die Bestrebungen der Landesregierung, einen ersten kommerziellen Anbau zu starten - unter Beteiligung von Bayer und BASF. Damit einher gehen die bekannten Risiken für die Natur und besonders den Ökolandbau. Unter den jetzigen Umständen, vor allem ohne eine rechtliche Absicherung, ist der ökologische Landbau in seiner Existenz bedroht.

Die rechtliche Grundlage zur Einführung und zum Anbau von Gentech- Pflanzen ist von der EU-Kommission so gut wie abgesegnet. Sind Ihnen jetzt die Hände gebunden?

Auf deutscher Ebene ist die rechtliche Umsetzung noch nicht endgültig ausgearbeitet. Von daher wenden wir uns nicht nur an Handelsunternehmen und Gentech-Konzerne, sondern auch an die Politik, besonders auf Bundesebene.

Wie ist die Chance, dass Rot-Grün die Kritik der Gentech-Gegner wahrnimmt?

Kanzleramt und Wirtschaftsministerium tanzen nach der Pfeife der Gentech-Konzerne und setzen auf eine breite Einführung von Gentechnik in der Landwirtschaft. Das Verbraucherministerium geht mit dem Thema sensibler um, aber es steht mächtigen Kontrahenten gegenüber. Die Mehrheit der Verbraucher lehnt Genfood ab. Die nächsten Monate werden mit darüber entscheiden, ob künftig zumindest eine Wahlfreiheit besteht.

Fragen: Susanne Götze
Weitere Infos unter www.CBGnetwork.org