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Hochschulkooperationen

Auf Bayern5 wird heute über die Abhängigkeit der Hochschulen von industriellen Geldgebern berichtet. Den Beitrag kann man hier nachhören (Interview mit der CBG ab 9:20 min)

Forschungsfreiheit in Gefahr

Universitäten am Tropf der Wirtschaft

//Der größte Hörsaal an der Fachhochschule in Würzburg heißt „Aldi-Süd“. Die Universität Köln macht Geheimverträge mit dem Pharmaunternehmen Bayer. Und in Berlin gibt es ein Institut, das vom Internetriesen Google finanziert wird. Wie sehr sind unsere Universitäten von der Wirtschaft abhängig? Die Freiheit von Forschung und Lehre scheint in Gefahr.//

8. Juni 2014 - Deutsche Hochschulen müssen so genannte „Drittmittel“ eintreiben, um überhaupt auf bestimmten Gebieten forschen zu können. Dabei gibt es private Geber wie Pharmafirmen und öffentliche wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft. 2010 standen den Hochschulen Drittmittel in Höhe von knapp sechs Milliarden Euro zur Verfügung. Problematisch wird das, wenn dadurch die Forschungsfreiheit gefährdet wird.
Die Nähe zur Wirtschaft müsse nicht automatisch schlecht sein, sagt Tim Stuchtey. Sie kann die Forscher vor dem Dasein im Elfenbeinturm bewahren, Stichwort: anwendungsorientierte Forschung.

Am Tropf der Industrie
Generell gibt es bei der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft große Unterschiede. Die einen benennen ihren größten Hörsaal nach dem großzügigen Spender – wie die Fachhochschule Würzburg mit ihrem „Aldi-Süd“-Hörsaal. Und andere, wie das Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft in Berlin, hängen am Tropf eines Investors – in diesem Fall des Internetriesen Google.
Christian Humborg weist darauf hin, dass man bei wissenschaftlichen Aufsätzen eigentlich die Finanzierung durch Google transparent machen müsste – und sei es nur in einem Halbsatz. In der Praxis findet das jedoch nicht statt.

Das Schweigen der Partner
Die Universität Köln ging mit dem Chemie- und Pharmakonzern Bayer – wie es heißt – „eine bevorzugte Partnerschaft“ ein. Was sich genau dahinter verbirgt, darüber schweigen die Partner. Auch die Höhe der finanziellen Förderung wird geheim gehalten.
Wie eng Uni Köln und der Bayer-Konzern kooperieren, wird an einer Personalie deutlich. Leiter des Hochschulrates ist Richard Pott – und Pott sitzt seit 2002 im Vorstand von Bayer.
Stellt sich die Frage: Wer bestimmt in Deutschland eigentlich über die Forschung?
Von: Pauline Tillmann und Carola Brand