deutsch
english
francais
espanol
italiano
Photo
Frankfurter Rundschau
Duisbergstraße in Frankfurt

Frankfurter Rundschau, 5. Februar 2015

Bürger wollen Duisbergstraße umbenennen

Die Biografie von Friedrich Carl Duisberg wirft Fragen auf: Unter seinem Vorsitz soll während des Ersten Weltkriegs Giftgas für den Kriegseinsatz produziert worden sein. Bürger fordern die Umbenennung der Straße, die Grünen im Ortsbeirat bitten den Magistrat um eine Einschätzung.

Für Renate Windelband ist die Sache klar. „Friedrich Carl Duisberg ist keine Person, nach der man in Frankfurt eine Straße benennen sollte.“ Der 1935 verstorbene Chemiker und Industrielle war einst Vorstandsvorsitzender der Bayer-AG. Unter seinem Vorsitz soll während des Ersten Weltkriegs Giftgas für den Kriegseinsatz produziert worden sein. Außerdem soll er die Deportation von Zivilisten für Zwangsarbeit zu verantworten haben.

Windelband wurde durch die Düsseldorfer Initiative „Coordination gegen Bayer-Gefahren“ auf die Biografie Duisbergs aufmerksam. Heute fordert sie die Umbenennung der Duisbergstraße. Die AG Westend unterstützt sie hierbei. Die Duisbergstraße liegt zwischen Hansaallee und Eschersheimer Landstraße und wurde einem Magistratsbeschluss von 1930 folgend nach Duisberg benannt.

Windelbands Angaben zufolge gehörte Duisberg zu den „führenden deutschen Industriellen, die während des Ersten Weltkrieges die Deportation belgischer Zivilisten zur Zwangsarbeit nach Deutschland durchsetzten“. Außerdem soll Duisberg führend an der Ausarbeitung des sogenannten Hindenburg-Programms beteiligt gewesen sein. Es sah die Fokussierung der gesamten Wirtschaft auf die Rüstungsproduktion vor. Windelband weist darauf hin, dass Dortmund und Lüdenscheid bereits Duisbergstraßen umbenannt haben.

Die Grünen-Fraktion im Ortsbeirat hat auf Grundlage der von Windelband gesammelten Informationen nun einen Antrag ins Stadtteilgremium eingebracht. Er bittet den Magistrat „um eine Einschätzung zur Eignung des Namens von Friedrich Carl Duisberg als Bestandteil einer Straßenbezeichnung“. Wie es heißt, möchte man sich, bevor man nach dem Wollheim-Platz die nächste Umbenennung initiiert, zunächst umfassend informieren. von Milan Jäger

Informationen zur Kampagne