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Hauptversammlung 2015

Bayer CropScience: Geschäfte mit Gentechnik-Pflanzen ohne Rücksicht auf die Folgen?

Meine Damen und Herren des Aufsichtsrates und des Vorstands,

Liebe Aktionärinnen und Aktionäre,

mein Name ist Sibylle Arians. Die folgenden Fragen zum Bereich Gentechnik sind in Zusammenarbeit mit Christoph Then vom Verein „testbiotech“ entstanden.

Bayer CropScience gehört in den USA zu den Konzernen mit den meisten Anbauzulassungen für gentechnisch veränderte Pflanzen. Zu den Produkten von Bayer gehören herbizidresistente Soja, Baumwolle und Raps.

Bayer ist daher mitverantwortlich für die zunehmende Ausbreitung von herbizidresistenten Unkräutern in den USA und in anderen Anbauregionen gentechnisch veränderter Pflanzen. Bayer CropScience ist Teil einer Landwirtschaft, die auf immer mehr Gifte setzt und den Verlust der biologischen Vielfalt in Kauf nimmt. – Ein Verlust, dessen verheerende Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit kommender Generationen unermesslich ist.

Immer mehr Gifte, das können sich die Kleinbauern in aller Welt nicht leisten. Sie verelenden, verlieren ihr Land, und viele trinken schließlich selbst das Gift, um dem Elend ein Ende zu setzen.
Und so frage ich:

Wie beurteilt die Geschäftsführung die Tatsache, dass sich in Anbaugebieten gentechnisch veränderter Pflanzen immer mehr resistente Unkräuter ausbreiten?
Welche Schlüsse werden daraus für das eigene Geschäftsfeld gezogen?

Offensichtlich hat die Firma Bayer die Kontrolle über ihre gentechnisch veränderten Pflanzen längst verloren. Hierzu einige Belege:

• Kontaminationen mit nicht zugelassenem gentechnisch verändertem Reis und Mais haben in den letzten Jahren zu Schäden in Milliardenhöhe geführt.

• Gentechnisch veränderter Raps hat den Sprung vom Acker geschafft und breitet sich unkontrolliert entlang der Felder, Straßen und Transportwege in den USA, Kanada und Japan aus. Dabei treten Kreuzungen gentechnisch veränderter Rapspflanzen auf, die nie auf ihre Risiken getestet wurden. Importe in die EU sind regelmäßig mit Kontaminationen gentechnisch veränderter Rapspflanzen belastet, die hier schon vor über 10 Jahren ihre Zulassung verloren haben.

• Die Gene herbizidresistenter Pflanzen der Firma Bayer finden sich auch in Wildpopulationen von Baumwolle in Mexiko, in den Zentren der biologischen Vielfalt – weitab von den Feldern, auf denen die Gentechnik-Pflanzen offiziell angebaut wurden.

Niemand kann diese Pflanzen der Firma Bayer wieder unter Kontrolle bringen, sie gezielt aus der Umwelt zurückholen.
Niemand weiß, wie sich diese Pflanzen unter den Bedingungen des Klimawandels verhalten werden, ob sie unerwünschte Eigenschaften zeigen und zum Beispiel invasiv werden.
Niemand weiß, ob diese Pflanzen der Firma Bayer noch in 100 oder 1000 Jahren in der Umwelt sein werden und welche Schäden sie bis dahin verursacht haben.
Schon jetzt scheint eine gentechnikfreie Landwirtschaft in den betroffenen Regionen dauerhaft unmöglich geworden zu sein – weil die Firma Bayer mit Gentechnik kurzfristig Kasse machen wollte.

Ich frage den Vorstand: Welche Maßnahmen plant die Firma Bayer gegen die weitere unkontrollierte Ausbreitung ihrer gentechnisch veränderten Pflanzen?

Immerhin hat der Konzern im Jahr 2014 seinen Antrag auf Anbauerlaubnis für gentechnisch veränderte Baumwolle in der EU zurückgezogen.
Doch dieser Schritt wurde wohl nur gemacht, um in Ruhe die nächste Attacke vorzubereiten: In Kooperation mit der Firma Cellectis wird nämlich seit 2014 mit Hilfe sogenannter DNA-Scheren eine ganz neue Generation gentechnisch veränderter Rapspflanzen entwickelt. Diese DNA-Scheren erlauben den Einbau synthetischer DNA und eine radikale Veränderung des Genoms von Pflanzen und Tieren.
Gleichzeitig macht sich Bayer für das Freihandelsabkommen mit den USA stark. Kommt dieses Abkommen, so kann die Firma Bayer darauf hoffen, dass ihre Pflanzen ohne Kennzeichnung angebaut und vermarktet werden dürfen.

Welche Strategie verfolgt die Firma Bayer bei ihrer Zusammenarbeit mit der Firma Cellectis?
Welche Erwartungen verknüpft die Firma Bayer mit den geplanten Freihandelsabkommen TTIP und CETA?

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.