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WCM

10. Januar 2000

Schützende Hand über den IG Farben dank Millionenspenden?

Im Zuge der CDU-Spendenaffäre wird jetzt die Rolle der IG Farben in Liquidation und ihres ehemaligen Mehrheitsaktionärs Karl Ehlerding untersucht. Der Hamburger Milliardär, Besitzer der Immobiliengesellschaft WCM, war lange Zeit Mitglied des Aufsichtsrats der IG Farben. Kurz vor Weihnachten war bekannt geworden, dass Ehlerding 1998 mehr als drei Millionen Mark an die CDU gespendet hat.
Die IG Farben i.L. widersetzt sich seit 50 Jahren ihrer Auflösung – trotz ihrer Verurteilung im Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozess. Axel Köhler Schnura von der Kampagne Nie wieder: “Es ist zu vermuten, dass der fehlende politische Druck auf die Gesellschaft auf üppige Parteispenden durch Ehlerding zurückzuführen ist.” Die WCM übernahm die IG Farben, da sie auf das ehemalige “Ostvermögen” des berüchtigten Chemie-Kartells spekulierte. Nachdem IG Farben alle Prozesse zur Rückerlangung ihres Grundbesitzes verloren hatte, trennte sich die WCM von der Beteiligung.
Karl Ehlerding gehören zwei Drittel der Immobiliengesellschaft WCM, in deren Besitz sich über 100.000 Wohnungen befinden. Der Börsenwert der WCM beträgt 7 Mrd DM, das Unternehmen soll als erste Immobilienfirma in den DAX aufgenommen werden. 1998 erhielt die WCM überraschenderweise von der Bundesregierung den Zuschlag für den Kauf von 31.000 Eisenbahnerwohnungen, obwohl ein um 1 Milliarde DM höheres Angebot aus dem Ausland vorlag. Kritiker sehen einen Zusammenhang mit den Spenden an die CDU.
Ebenfalls umstritten war die Übernahme von 800 städtischen Wohnungen in Hilden durch eine WCM-Tochterfirma. Ohne Ausschreibung und Wertgutachten wurde der Kauf innerhalb weniger Tage vom damaligen CDU-Stadtdirektor durchgesetzt. Nach nur einem halben Jahr wurden die Immobilien mit einem Gewinn von 20 Mio DM weiterveräußert. Hildener Ratsangehörige befürchten, dass der überhastete Verkauf mit geheimen Spenden zusammenhängt.