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Corporate Crime

17. Februar 2000

Amerikanische Zeitschrift veröffentlicht Top 100:

Haarmann & Reimer weit oben in Liste krimineller Unternehmen

Die amerikanische Zeitschrift Multinational Monitor hat eine Liste der 100 größten Wirtschaftsverbrecher der 90er Jahre veröffentlicht. Das Holzmindener Unternehmen Haarmann & Reimer, eine Tochter des Bayer-Konzerns, wird darin auf Platz 10 eingestuft. Als Kriterium für die Rangliste gilt die Höhe von Geldstrafen, zu denen die Unternehmen wegen krimineller Machenschaften verurteilt wurden. Haarmann & Reimer hatte mit Konkurrenten jahrelang Preise und Produktionsmengen für Zitronensäure abgesprochen, ein amerikanisches Gericht verurteilte das Unternehmen zu einer Strafe von 50 Millionen US$ sowie zu Schadensersatz-Zahlungen in gleicher Höhe.
Philipp Mimkes, Geschäftsführer der Coordination gegen BAYER-Gefahren: “Die Medien schüren das Bild des Gewaltverbrechers, der unsere Gesellschaft bedroht. In Wahrheit gehen von Unternehmen, die Steuern hinterziehen, Politiker kaufen und gefährliche Produkte auf den Markt bringen, weit größere Gefahren aus.”
Nach Angaben der amerikanischen Kartellbehörde umfaßte der geheime Trust sechs Firmen aus drei Kontinenten. Vertreter der Unternehmen trafen sich regelmäßig, bestimmten den Endpreis für die Säure und legten Verkaufsquoten fest – auf ein Zehntel Prozent genau. Haarmann & Reimer hat während der Existenzphase des Kartells allein in den USA Zitronensäure für 400 Mio US-$ verkauft. Wettbewerbswächter gehen davon aus, daß es illegale Kartelle auch in vielen anderen Bereichen gibt.
H & R ist weltweit der größte Produzent von Aromastoffen und Lebensmittelzusätzen. Die Anlagen zur Herstellung von Zitronensäure wurden in Folge des Skandals an die englische Firma Tate & Lyle verkauft und größtenteils geschlossen – allein im amerikanischen Elkhart gingen 280 Arbeitsplätze verloren.