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VSR

Pressemitteilung des Vereins zum Schutze des Rheins und seiner Nebenflüsse

2. April 2000

Pestizidrückstände im Abwasser des Bayerwerks Dormagen - ein Betriebsgeheimnis !

Pestizidrückstände stellte das Landesumweltamt NRW bis zum Januar 1998 im Abwasser des Bayerwerks Dormagen fest. Danach wurden dann keine weiteren Daten mehr veröffentlicht. Um zu überprüfen, ob Bayer inzwischen seine Abwasserbehandlung saniert hat, beantragte der Verein zum Schutze des Rheins und seinen Nebenflüssen (VSR) Ende 1998 Einsicht in die Meßwerte der amtlichen Einleiterüberwachung. Das seit 1994 in der Bundesrepublik Deutschland geltende Umweltinformationsgesetz macht dies möglich. Mit diesem Gesetz soll der freie Zugang zu den bei den Behörden vorhandenen Informationen über die Umwelt ermöglicht werden. 1994 wurde damit einer zu intensiven und unkontrollierten Zusammenarbeit zwischen den zu überwachenden Betrieben und den Überwachungsbehörden ein Riegel vorgeschoben. So die Theorie - die Realität sieht anders aus. Das zuständige Staatliche Umweltamt Köln darf die erbetenen Informationen über die Belastungen im Abwasser von Bayerwerk Dormagen nicht weitergeben. Bayer hat das Abwasser zum Betriebsgeheimnis erklärt und behauptet, dass aus den Daten auf die innerbetriebliche Produktionsverfahren geschlossen werden kann. »In der Regel ist dies ausgeschlossen. Außer es liegt eine derart mangelhafte Abwasserreinigung vor, dass einzelne produzierte Stoffe wie z.B. Pestizide oder deren Abbauprodukte im Abwasser zu finden sind. Diese ließen sich dann direkt der Produktion zuordnen,« so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende des VSR.

Nicht nur durch die Anwendung der Pestizide in der Landwirtschaft, im Gartenbau etc. , sondern auch durch das Abwasser der Produktionsanlagen wie z.B. bei Bayer Dormagen, werden Pestizide in den Rhein eingetragen und belasten so Fische, Kleintiere und das Trinkwasser, welches über Uferfiltrate aus dem Rhein gewonnen wird. Nach Daten des Landesumweltamtes NRW wurden vom September 1995 bis Januar 1998 drei Pestizidwirkstoffe ständig im Abwasser des Bayerwerkes Dormagen nachgewiesen. Ein Wirkstoff wie das Herbizid Metabenzthiazuron, das in Deutschland nicht in Pflanzenschutzmitteln zugelassen ist, wurde zeitweise in hoher Konzentration gefunden. Vom Totalherbizid Diuron wurde dagegen stetig ungefähr 100 g und vom Fungizid Triadimefon sogar ½ kg pro Tag in den Rhein eingeleitet. Auch in einem so großen Fluß wie dem Rhein kommt es durch solche großen Mengen zu einer Erhöhung der Pestizidfracht.

Die direkte Wirkungen der Pestizidbelastung aus den Werken des Konzerns Bayer wurden an der Wupper beobachtet. Unterhalb der Abwassereinleitung von Bayer-Wuppertal waren die aquatischen Lebensgemeinschaften der Wupper lange Zeit extrem beeinträchtigt. Die sich in den letzten Jahren verbesserte Abwasserqualität des Werkes in Bayer resultiert zum Teil aus der Produktionsverlagerung zu anderen Standorten des Konzerns. Die Umweltschützer des VSR wollten daher anhand der Abwasserdaten sehen, ob es dadurch zu einer größeren Abwasserbelastung des direkt in den Rhein einleitenden Dormagener Betriebes kam.

Neben den Pestiziden wurden 1997 gentoxische Stoffe wie beim Abwasser vom Bayerwerk Wuppertal-Elberfeld auch in Dormagen festgestellt. Die Belastungen im Abwasser von Dormagen mit diesen Stoffen waren zwar wesentlich geringer, aber trotzdem nicht zu vernachlässigen. Auch wenn bis Mitte 1999 vom Landesumweltamt kein weiteres gentoxisches Potential mehr festgestellt wurde, werden die Spezialisten des VSR diese Belastung weiter verfolgen.

Die Meßdaten hatte der VSR vom Landesumweltamt NRW auf Grund des Umweltinformationsgesetzes erhalten. Die Routineüberwachung des Abwassers wird aber durch das Staatliche Umweltamt Köln durchgeführt. Dieses Amt verfügt daher über wesentlich mehr Daten über die Abwassereinleitung als das Landesumweltamt, das nur spezielle Untersuchungen ausführt. Aus der ständigen Überwachung des Kölner Amtes kann man daher wesentlich mehr Informationen über den Zustand der Abwasserreinigung bei Bayer-Dormagen gewinnen. Doch dem Staatlichen Umweltamt Köln wurde durch Bayer die Herausgabe der Meßwerte bis heute untersagt.

Die Bedeutung der Einsichtnahme in die bei den Behörden vorhandenen Meßwerte, zeigt die Aufdeckung der gentoxischen Belastung im Abwasser des Bayerwerkes Wuppertal-Elberfeld durch den VSR. Im letzten Sommer wurden mehrmals GEU-Werte von 768 nachgewiesen. Gentoxische Stoffe können krebserregend, fruchtschädigend und erbgutverändernd wirken. Das gentoxische Potential beim umu-Test wird in diesen GEU-Werten gemessen. Bereits bei einem GEU-Wert von größer als 1,5 werden die untersuchten Wasserproben als gentoxisch bewertet. Die Werte im Abwasser des Bayerwerkes sind aber wesentlich höher. Lagen 1997 und 1998 nur jeweils 17% der durchgeführten Messungen bei einem GEU-Wert von 384 oder höher, so stieg diese Zahl 1999 auf fast 50%. Dies zeigte das Umweltrisiko durch die Abwasserbelastung des Bayerwerkes in Wuppertal. Welche Belastungen gehen von den anderen Abwassereinleitungen aus? Sie könnten durch die neutrale Durchsicht der vorhandenen Abwasserdaten durch die Umweltschützer aufgedeckt werden.

Da die Verantwortlichen bei Bayer die Einsichtnahme blockieren, ist anzunehmen, dass eine öffentliche Diskussion über die Umweltbelastungen durch diesen Konzern unterbunden werden soll. »Chemie im Dialog« - ein Begriff der jedes Jahr erneut in der Presseverlautbarungen von Bayer zu lesen ist, bekommt daher einen neuen Sinn. Aus Dialog wird Monolog - und auch nur über die Themen, die dem Konzern Bayer genehm sind. Während andere Firmen wie Degussa-Hüls die Daten ihrer Abwassereinleitungen bisher nicht zum Betriebsgeheimnis erklärt haben, muß Bayer gewichtige Gründe für dieses Vorgehen besitzen.

Dipl.-Phys. Harald Gülzow
Mitglied im Vorstand

VSR
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