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Osnabrücker Zeitung

Osnabrücker Zeitung, 10. November 2015

Profite mit Pestiziden

Lafu und VHS Delmenhorst zu Gesundheitsrisiken

Er möchte auf Gefahren hinweisen, die man nicht sieht, vielleicht noch nicht einmal riecht oder ahnt: Gary Zörner, Geschäftsführer des Lafu (Labor für Chemische und Mikrobiologische Analytik). Und weil seine Vorträge zu derartigen Gesundheitsrisiken, sei es durch Schimmelpilze, durch Chemikalien oder durch sonstige Umweltgifte, in Delmenhorst in den vorigen Jahren großen Anklang fanden, setzt die Volkshochschule ihre Kooperation mit dem Lafu fort. Am kommenden Freitag steht ab 18 Uhr Am Turbinenhaus 11 der Vortrag „Geschichte der deutschen chemischen Industrie: Über 150 Jahre Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit“ auf dem Programm der VHS. Zörner referiert gemeinsam mit Philipp Mimkes von der CBG (Coordination gegen „Bayer“-Gefahren). Der Eintritt kostet 9 Euro, Anmeldungen sind unter der Rufnummer (04221) 981800 erbeten.
Wie Kai Reske von der VHS gestern hervor hob, schätzt die Volkshochschule an der Kooperation mit dem Lafu vor allem, dass Zörner und seine Kollegen für sehr kritische Vorträge ständen, die noch dazu den Alltag der Menschen beträfen – wenn auch meist auf nicht gerade erbauliche Weise.
An diese Tradition möchte Zörner auch am Freitag anknüpfen. „Seit Jahrzehnten“ kämpfe er dafür, dass die Industrie zunächst beweisen müsse, dass eine Chemikalie ungefährlich sei, ehe sie auf den Markt komme – und nicht erst zahlreiche Kranke und Tote den Gegenbeweis antreten müssten. Die Geschichte der deutschen chemischen Industrie, die Mimkes und er Revue passieren lassen wollen, sei hingegen geprägt von unzähligen schweren Verbrechen an der Menschheit – bis in die heutige Zeit.
Als besonders unrühmliche Beispiele führt Zörner die Rolle der deutschen Industrie, insbesondere des Bayer-Konzerns, beim globalen Handel mit Pestiziden an sowie jene bei der Verbreitung von Polychlorierten Biphenylen (PCB), die Leberkrebs erzeugten. Das Thema birgt in seinen Augen auch deswegen reichlich Zündstoff, weil die Milliardengewinne der deutschen chemischen Industrie untrennbar mit fragwürdigem Lobbyismus und unrühmlichen politischen Verstrickungen verbunden seien. Auch hierauf wollen Zörner und Mimkes in ihrem Vortrag eingehen.