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USA

Pressemitteilung vom 17. März ´99

USA: Leverkusener Unternehmen wegen Betrugs schuldig gesprochen

Bluter gewinnen Prozess gegen BAYER

Der Leverkusener BAYER-Konzern ist von den Geschworenen des Zivilgerichts in New Orleans/USA des Betrugs und der groben Fahrlässigkeit schuldig befunden worden. Die Jury sieht es als erwiesen an, dass das Unternehmen wissentlich Blutprodukte in Verkehr brachte, die mit dem Aids-Virus infiziert waren. Damit wurde der Klage von Eltern eines Betroffenen stattgegeben, der mittlerweile an Aids gestorben ist. Die Geschworenen sprachen ihnen eine Entschädigung von 35,3 Mio US$ zu.
Die Präparate wurden aus Kostengründen aus dem Blut von Risikospendern wie Gefängnisinsassen und Drogenabhängigen gewonnen-nach Meinung der Geschworenen eine grobe Fahrlässigkeit. Der Vorsitzende Richter bestätigte den Schuldspruch, setzte jedoch die Strafe wegen Verjährung aus. In einem zweiten Schritt muss nun geklärt werden, ob die Verjährung, wie in Betrugsfällen üblich, aufgehoben wird. Neben BAYER wurde auch das Unternehmen ALPHA THERAPEUTICS schuldig gesprochen.
Mehrere Tausend Bluter sind weltweit durch BAYER-Produkte fahrlässig mit HIV infiziert worden, ein Großteil ist mittlerweile gestorben. Todd Smith, amerikanischer Betroffener: „Die Aids-Gefahr für Bluter war frühzeitig bekannt, aus Kostengründen wurden aber damals die bestehenden Sicherungsverfahren nicht eingesetzt. Tausende von Blutern mußten dieses Versäumnis mit ihrem Leben bezahlen. Wir fordern eine Entschuldigung von BAYER und eine gerechte Entschädigung!“
Obwohl die Kontamination hätte vermieden werden können, weigern sich die beteiligten Konzerne bis heute, den Betroffenen eine angemessene finanzielle Entschädigung zu zahlen. In den USA erklärten sich die Unternehmen lediglich dazu bereit, den Infizierten eine Pauschale von 100.000 US$ zu bezahlen. Da diese Summe aber nicht einmal die Behandlungskosten deckt, zogen zahlreiche Betroffene vor Gericht. Ihren Klagen werden nun höhere Chancen eingeräumt. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert, daß gegen die Verantwortlichen bei BAYER auch strafrechtlich vorgegangen wird.