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USA

8. Dezember 1999

Bayer AG schließt Werk in Elkhart/USA:

Gewerkschaften protestieren gegen Kündigungen

Amerikanische Gewerkschaften kündigten heute Proteste und Demonstrationen gegen die Schließung des Bayer-Werks in Elkhart/USA an. In der vergangenen Woche hatte die Bayer AG beschlossen, die Produktion im Bundesstaat Indiana zu beenden. 550 Chemie-Arbeiter sollen im nächsten Frühjahr entlassen werden. Trudy Manderfeld, Gewerkschafts-Vorsitzende im Werk Elkhart: ”Die von uns hergestellten Produkte werden zum Teil in Billiglohnländern und in Betrieben produziert, in denen es keine Gewerkschaften gibt. Wenn wir Forderungen stellen, wird sofort mit einer Abwanderung zu den anderen Standorten gedroht.”

Hintergrund der Schließung: Die Fabrik in Elkhart gehört zu den wenigen Standorten in den USA, in denen Gewerkschaften vertreten sind - nur in sechs der über fünfzig Bayer-Werke sind die Arbeiter organisiert. Manderfeld wirft der Geschäftsleitung vor, die Fabrik vorsätzlich heruntergewirtschaftet zu haben: ”Unser Werk ist zum Abschuss freigegeben worden. Seit Jahren wurden wichtige Wartungsarbeiten nicht mehr durchgeführt, wir haben Schäden, die kaum noch behoben werden können. ” Bayer macht 30% seines Umsatzes in den USA, rund 24.000 Mitarbeiter erwirtschaften 16 Mrd DM jährlich.

Die Produktion von Aspirin, Alka Selzer und Vitamintabletten will Bayer von Elkhart nach Mexiko und Bitterfeld verlegen. Aspirin wird in Ostdeutschland mittlerweile billiger hergestellt als im Ausland - dank üppiger Staats-Subventionen: rund 50% der Baukosten für das Bitterfelder Werk wurden durch den Aufbau Ost finanziert. Auch in Mailand war die Aspirin-Fertigung kürzlich eingestellt worden, wegen Überkapazitäten entstehen in Bitterfeld jedoch keine neuen Arbeitsplätze.

Philipp Mimkes, Geschäftsführer der Coordination gegen BAYER-Gefahren: “Die Schließung in Elkhart ist ein Musterbeispiel dafür, wie einzelne Standorte gegeneinander ausgespielt werden. Nur internationale Solidarität unter den Beschäftigten kann diese Entwicklung aufhalten.” Mimkes kritisiert staatliche Subventionen für Konzerne mit Milliarden-Gewinnen.