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Pressekonferenz Berlin 27 Juni 2016
A. Michelmann, Dr. S. Ober, Dr. V. Shiva, S. Wiener, B. Geier

Statement der CBG zur Bayer-Monsanto Fusion

auf der Pressekonferenz mit NABU, Navdanya International, dem weltweiten Dachverband für biologischen Landbau IFOAM - Organics International und der Coordination gegen BAYER-Gefahren

vom 27. Juli 2016, Berlin

Statement der CBG:

Der Konkurrenzdruck in der Chemiebranche Branche hat sich in den letzten Jahren erneut deutlich erhöht und beschleunigt derzeit einige Fusionen.
Neben Bayer und Monsanto stehen auch die Fusionen von Dow-Chemical und Dupont sowie von Syngenta (Schweiz) und Chem China an. Die Vorboten dieses Umstrukturierungsprozesses beobachten wir bei Bayer schon länger.

Mit dem Jahre 2001 begannen systematisch Zukäufe von Biotechnologischem Know- durch die Übernahmen von Aventis Cropscience, Plantecc, und weiteren. Es folgte die Ausgliederung der klassischen Chemiesparte unter dem Namen Lanxess und die Übernahme des Consumer-care-Geschäfts des Pharma-Konzerns Merck. Mit der derzeit laufenden Ausgliederung der Kunststoffsparte unter dem Namen Covestro ist dieser Umbau nun fast abgeschlossen.

Was Monsantos Glyphosat ist das ist Bayers Glufosinat, Was die Round up-Ready GMOs von Monsanto das ist Liberty Link und Credenz von Bayer. Bayer hält mittlerweile die meisten Gentechnik-Patente in der EU , Bayer verkauft Pestizide überall auf der Welt und Gen-Pflanzen vor allem in Nord und Südamerika.

Die Übernahme von Monsanto wäre nun die passende Krönung des Ganzen. Bayer würde weltweit über 27% des Weltsaatgutsmarktes beherrschen, 90% des Marktes für Gensaatgut, ca. 25% im Bereich Pestizide und damit weltweit größter Agrarchemiekonzern werden.Eine nie dagewesene Monopolisierung der Nahrungsmittelindustrie würde resultieren.

Mit den absehbaren Folgen wie dem Abbau von Doppelstrukturen und Personalentlassungen einer gesteigerten Marktmacht zur Durchsetzung von Preisen, Patentansprüchen und politischen Interessen. Was aus der Zusammenlegung der Forschungsaktivitäten und Patente beider Konzerne resultieren wird ist ebenfalls abzusehen: Es gibt bereits gentechnisch manipulierte Organismen, die Resistenzen sowohl gegen Glyphosat- und Glufosinat aufweisen.Die Gentechnik-Pestizid-Spirale würde weltweit also weiter beschleunigt. Mit all den längst bekannten Folgen für Umwelt, Gesundheit, Artenvielfalt, Gewässer und Böden.

Was das für die Menschen in Deutschland und Europa bedeutet möchte ich am Beispiel Glyphosat veranschaulichen: Im Jahre 2013 wurde bei knapp 70% der deutschen Bevölkerung Glyphosat im Urin nachgewiesen. Heute (2016) sind es bereits 99.6%

Obwohl sich in den größten Anbaugebieten von Lateinamerika sowohl Krebsarten als auch Fehlgeburten in wenigen Jahren vervielfacht haben, und zahlreiche Studien Erbgutverändernde und Krebsbildende Wirkungen nachgewiesen wollen sowohl die Hersteller als auch öffentliche Behörden davon nichts wissen
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat zusammen mit dem Umweltbundesamt und dem Bundesamt für Risiko-Bewertung(BfR) 2013 von der EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA eine Verlängerung der Zulassung gefordert.

Wie schon so häufig bei derartigen Verfahren und Studien kam ans Tageslicht, das sich das Bundesamt für Risiko-Bewertung(BfR) hauptsächlich auf manipulierte Untersuchungen der Hersteller beruft. Ein Toxikologe des Pestizid-Aktions-Netzwerks, Dr. Peter Clausing, hat den finalen BfR Bericht zur Widerzulassung von Glyphosat erstmals einer unabhängigen wissenschaftlichen Begutachtung unterzogen und kommt zu dem Schluss:

„Wenn man ... der ausdrückliche Empfehlung der OECD zur mathematisch-statistischen Auswertung von Krebsstudien folgt, ..... zeigt sich“

• dass ein „hochsignifikanter, dosisabhängiger Trend für eine erhöhte Tumorrate“ vorliegt,
• dass „die Schlussfolgerung naheliegt, dass das BfR die Beweislage gegen Glyphosat mit Absicht geschwächt hat“

Bei der Glyphosat-Zulassung wird also die Gesundheit der Bevölkerung ganz bewusst enormen Risiken ausgesetzt. Von Umwelt-Schäden ganz zu schweigen.

Ich möchte auf die Summen verweisen, um die es hier geht und um zu klären, warum mit derartigen Mitteln gearbeitet wird.

Der Weltmarkt Agrar erreichte im Jahr 2015
• Im Pflanzenschutz-Bereich Volumen von ca. 46 Mrd € und im
• Bereich Saatgut einen von 85 Mrd € (Industrieverband Agrar)

((Die EU hat entsprechenden Anteil: 27% aller Höfe weltweit ab Größe von 10 Hektar befinden sich in der EU. (Hinter Amerika mit 46 %)))

Agrarrohstoffe und Agrarprodukte sind das viertwichtigste Exportgut der EU mit Volumen 120 Mrd. Euro im Jahre 2013.

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Ruckwied sagte diesbezüglich: Ohne moderne Produktionsmethoden und dazu gehöre der Glyphosat-Einsatz, sei die Landwirtschaft nicht mehr wettbewerbsfähig.

Dementsprechend groß ist das Interesse großer Bauernverbände, der Nahrungsmittelindustrie und der Saatgut und Pestizid-Hersteller Glyphosat für unbedenklich zu erklären.

Ob durch Medienkampagnen von Bayer und Monsanto, durch die Finanzierung und Fälschung von Studien, oder durch massives Lobbying soll daher die Glyphosat Zulassung erhalten bleiben.
Auch wenn wir über das Freihandelsabkommen TTIP reden, speilt Glyphosat eine wichtige Rolle.
Die mögliche Entziehung der Glyphosat-Zulassung wird als Stolperstein gehandelt.
Entsprechend aktiv ist auch die Lebensmittel und Agrar-Lobby: Nach Erhebung von Corporate Europe Observatory (CEO) Kamen Vertreter der der Argrar und Lebensmittelindustrie im Vorfeld der TTIP Verhandlungen auf die meisten aller Lobby-Kontakte mit EU-Vertretern. Mit 126 Delegierten bekamen sie ein Viertel aller Lobbyaudienzen.

Zusammenfassend:
Die Konzernpolitik von Bayer, Monsanto und Co ist selbstverständlich auf Marktanteile, Wettbewerb und die Ausschüttungen für Aktionäre ausgerichtet.
Wir beobachten dass in diesem Sinne immer wieder die Gesundheit von Mensch und Natur riskiert wird - für kurzfristige Interessen.
Was wir aber brauchen ist eine Landwirtschaft die auf die langfristigen gesundheitliche und ernährungs-Interessen der Bevölkerung ausgerichtet ist.
Wir brauchen eine Landwirtschaft, die nicht rücksichtslos mit Gift und Genen in die hochkomplexen und empfindlichen Stoffwechsel der Natur eingreift,
sondern eine Landwirtschaft die die Umwelt, die Lebensgrundlage der kommenden Generationen pflegt und erhält.
Dies widerspricht selbstverständlich den Interessen von Bayer und Monsanto – und dementsprechend sehen wir einer weiteren Monopolisierung des Sektors mit großer Sorge entgegen.
Genauso wie der heute vielleicht anstehenden Entscheidung zur erneuten Zulassung von Glyphosat.
(Ergänzung vom 4.07.2016: Die jetzt ja nun tatsächlich um 18 Monate verlängert wurde)

Ob mit oder ohne Fusion - benötigen wir angesichts der zunehmenden Vergiftung von Mensch und Natur dringend mehr Aufklärung und Aktivität
Und wir benötigen eine Bewegung der einfachen Leute, die sich mit den langfristigen Interessen von Mensch und Umwelt identifiziert und für diese Interessen auch einsteht!

Das Tribunal gegen Monsanto sehen wir als einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung dieser Bewegungen, ob gegen Monsanto, Glyphosat oder TTIP – wir sehen es als Beitrag für eine nachhaltige Landwirtschaft, die diesen Namen auch verdient.