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STICHWORT BAYER 04/2016

Tiere & Arzneien

MassentierhalterInnen setzen auf BAYER-Antibiotikum

Mehr BAYTRIL in den Ställen

Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone wie BAYERs BAYTRIL erfreuen sich bei den MassentierhalterInnen zunehmender Beliebtheit. Und auch die Jubel-Meldung des „Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittel-Sicherheit“ über den zurückgehenden Gebrauch der anderen Mittel entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Ente.

Von Jan Pehrke

„Unter den gegenwärtigen landwirtschaftlichen Bedingungen ist die Anzahl der Tiere pro Stall sehr hoch. Deshalb ist die Behandlung der gesamten Herde und nicht die individuelle Medikation das Mittel der Wahl, um den Infektionsdruck zu mildern und die Ansteckungsgefahr zu senken“, mit solchen Worten legt der BAYER-Konzern den MassentierhalterInnen den massenhaften Einsatz seiner Antibiotika ans Herz.

Der Erfolg dieser Empfehlung lässt sich an der neuesten Zahlen ablesen, die das „Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittel-Sicherheit“ (BVL) Anfang August 2016 veröffentlichte. Demnach erhöhte sich die Gabe von BAYTRIL und anderen Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone in der Tiermast drastisch. Von 12,3 auf 14,9 Tonnen stiegen 2015 die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr. Auch der Gebrauch von Cephalosporinen nahm zu.

„Diese beiden Antibiotika-Klassen sind für die Therapie beim Menschen von besonderer Bedeutung“, hielt das BVL lapidar fest. Warum das so ist, erläuterte die Behörde nicht, und damit unterschlug sie auch, welche Gesundheitsgefahren der Zuwachs gerade bei diesen Mitteln heraufbeschwört. Die „besondere Bedeutung“ kommt Fluorchinolonen und Cephalosporinen deshalb zu, weil sie in den Krankenhäusern zu den Reserve-Antibiotika zählen, die nur zum Einsatz kommen, wenn andere Mittel bereits versagt haben. Und der massenhafte Einsatz von BAYTRIL & Co. in der Massentierhaltung führt nun dazu, dass diese Präparate in der Humanmedizin ihre Wirkkraft mehr und mehr verlieren. Die Bakterien gewöhnen sich nämlich zunehmend an die Substanzen. Gelangen die Krankheitserreger dann über den Nahrungskreislauf oder andere Wege von den Ställen in den menschlichen Organismus, können sie Gesundheitsstörungen auslösen, gegen die kein Kraut mehr gewachsen ist.

Nur folgerichtig, dass da CIPROBAY und AVELOX, BAYERs „humane“ BAYTRIL-Pendants, die PatientInnen immer weniger schützen können. Die Zahl der gegen diese Medikamente oder andere Mittel aus dieser Substanz-Klasse resistenten „Staphylococcus aureus“-Erreger wuchs nach Angaben des „German Network for Antimicrobial Resistance Surveillance“ von 1990 sechs Prozent auf über 26 Prozent im Jahr 2006. Anderen Studien zufolge trotzen mittlerweile bis zu 70 Prozent der „Staphylococcus epidermides“-Keime, bis zu 90 Prozent der „Enterococcus faecium“-Erreger, 76,3 Prozent der „Staphylococcus haemolyticus“-Erreger und knapp 40 Prozent der „Enterococcus faecalis“-Erreger CIPROBAY & Co.

Ende der 1990er Jahre starben dem US-amerikanischen Wissenschaftler Dudley Williams zufolge weltweit bereits rund 200.000 Menschen, weil Antibiotika nicht mehr die Möglichkeit hatten, ihnen zu helfen. In den USA sorgte 2005 allein ein multiresistenter „Staphylococcus aureus“-Keim für 18.650 Todesfälle. Und in der Bundesrepublik erliegen nach Angaben des Max-Planck-Institutes alljährlich ca. 15.000 Personen Infektionen, da alle Arzneien versagen.

Dem „Bundesamt für Verbraucherschutz“ gilt der Anstieg bei den Fluorchinolonen und Cephalosporinen als ein kleiner Wermutstropfen, nicht imstande, das Bild eines positiven Gesamttrends einzutrüben. „Menge der abgegebenen Antibiotika in der Tiermedizin halbiert“, diese Jubelmeldung setzte das BVL ab, als es die Ergebnisse der neuesten Auswertung bekannt gab. Einen Rückgang um 401 Tonnen auf 837 Tonnen im Vergleich zu 2014 vermeldete die Behörde stolz. Nur leider sagen diese Zahlen für sich genommen herzlich wenig aus, da die Wirkstärke der Pharmazeutika zugenommen hat. Während eine Tonne des Alt-Antibiotikums Tetracyclin gerade einmal für 39.000 Mastschweine langt, vermögen die LandwirtInnen mit einer Tonne von BAYERs BAYTRIL 2,2 Millionen Tiere zu versorgen. So kann sich hinter der „Halbierung“ sogar ein Mehr an behandelten Tieren verbergen.

Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) rückte die Angaben des Bundesamtes deshalb in einer Pressemeldung ins rechte Licht. Für sie demonstrierten die Daten einmal mehr, wie notwendig eine Stall-Wende ist. „Wir brauchen eine Tierzucht ohne Antibiotika. Letztlich ist dies nur möglich, wenn der auf Maximal-Profite ausgerichtete agrar-industrielle Komplex, der den exzessiven Einsatz von Bakteriziden erst notwendig macht, durch eine bäuerliche und ökologisch nachhaltige Landwirtschaft ersetzt wird, die Mensch und Natur wieder in Einklang bringt“, lautete das Resümée.

Überdies initiierte die Coordination einen Offenen Brief an den „Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft“, Christian Schmidt, um Maßnahmen gegen den steigenden Gebrauch von Antibiotika im Allgemeinen und von Reserve-Antibiotika im Besonderen zu verlangen. „Wir sehen dringenden Handlungsbedarf für Nachbesserungen hinsichtlich der Regeln zum Antibiotika-Einsatz in Tierhaltungen“, heißt es in dem Schreiben unter anderem, das die CBG gemeinsam mit den ÄRZTEN GEGEN MASSENTIERHALTUNG, GERMAN WATCH, HEJSUPPORT, dem PESTIZID AKTIONS-NETZWERK und den TIERÄRZTEN FÜR VERANTWORTBARE LANDWIRTSCHAFT aufsetzte. Zu den wichtigsten Forderungen zählen ein Verbot von Reserve-Antibiotika wie BAYTRIL in der Tiermast und eine Erfassung der Antibiotika-Gaben, die im Gegensatz zu einer Angabe in Tonnen belastbare Aussagen über Rückgang oder Anstieg des Gebrauchs erlaubt. Eine Antwort auf den Offenen Brief lag bis zum Redaktionsschluss noch nicht vor.