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Bayer und Monsanto Kritiker planen breite Protestfront

Demo in Köln angekündigt (verlegt nach Bonn)

Kölner Stadtanzeiger, 13. März 2017

Von Thomas Käding

Leverkusen | RP Das Motto steht schon. „Bayer und Monsanto – Hände weg von unserem Essen.“ Die geplante Fusion der beiden Konzerne bringt auch Kritiker zusammen, die bisher nebeneinander her agierten. Die „Coordination gegen Bayer-Gefahren“ hat sich mit Gleichgesinnten verbündet, die sich bisher an Monsanto
abarbeiteten.

Die neue Eintracht soll sich auf der nächsten Hauptversammlung von Bayer bemerkbar machen. Die Protestfront soll so breit aufgestellt sein wie noch nie. Kündigt jedenfalls Simon Ernst an. Er ist Sprecher des eigens gegründeten Koordinierungskreises Bayer/Monsanto-Demo.

Image-Problemfall Monsanto
Dass sich Bayers Vorstandschef Werner Baumann mit Monsanto einen echten Image-Problemfall anlacht, hat sich schon ein paar Mal gezeigt. Proteste auf der Kaiser-Wilhelm-Allee hatte es viele Jahre nicht mehr gegeben. Diese Phase relativer Ruhe ist vorbei. Dafür ist Monsanto als Vorkämpfer für genmanipuliertes Saatgut in der Vergangenheit viel zu ruppig vorgegangen.

Die Leute aus St.Louis haben sich damit verlässliche Gegner geschaffen. Das war schon zu merken: Zuletzt ließen Monsanto-Kritiker ein schwäbisch-hällisches Schwein auf den penibel gepflegten Rasen vor der Konzernzentrale. Damit wollten sie auf eine andere Monsanto-Affäre hinweisen: Kaum hatten die Landwirte die
alte Hausschwein-Rasse wieder herangezüchtet, schickte der US-Konzern seine Anwälte: Monsanto habe Patentrechte am schwäbisch-hällischen Hausschwein.

Polizei verbot Schweinen Ausgang
Diese Attacke habe man noch abwehren können, berichteten die Schweinezüchter aus dem Süddeutschen. Wäre es nach ihnen gegangen, das Tier wäre nicht allein geblieben an jenem trüben Oktobertag: 40 Artgenossen warteten vor fünf Monaten noch in den Transportanhängern. Doch die Polizei verbot den Tieren aus Schwäbisch
Hall den Ausgang: zu gefährlich, dabei war die Kaiser-Wilhelm-Allee abgeriegelt.

Am Tag der nächsten Hauptversammlung – es ist der 28. April und wie immer ein Freitag – wollen sich die Kritiker aber nicht nur am Schauplatz des Aktionärstreffens in der Kölner Messe Gehör verschaffen. Geplant ist eine Podiumsveranstaltung in der Kölner Universität, „und auch der eine oder andere Trecker“ werde zu sehen sein, sagt Koordinator Ernst: auf einer Demonstration durch die Kölner Innenstadt.

Für die eigentliche Hauptversammlung kündigt der Koordinierungskreis Aktionen drinnen und draußen an. Die Erfahrung zeigt zwar, dass sich der normale Kleinaktionär von Transparenten, Handzetteln und Sprechchören
am Eingang nicht beeindrucken lässt.

Gute Plätze auf der Rednerliste
Man steigt auf dem Wendeplatz vor den Nordhallen aus dem Shuttle-Bus und begibt sich schnellen Schritts ins Foyer. Doch auch drinnen bleiben Leute, die von der Firma überzeugt sind, nicht unbehelligt: Erst recht nicht, weil es den Konzern-Gegnern immer besser gelingt, auf der Rednerliste weit vorn zu landen. Auf die
Erläuterungen zum Geschäftsbericht durch den Vorstandschef folgt eine offene Aussprache. Zuerst sind es die Vertreter von Aktionärsvereinigungen, die sich mit dem Zahlenwerk auseinander setzen. Das interessiert den Kleinaktionär durchaus noch. Direkt danach aber kommen Kritiker jeder Couleur zu Wort.

Bei dieser Gelegenheit zieht es zwar viele raus zu den Theken mit Speisen und Getränken. Allein: Es nützt nichts. Was drinnen gesprochen wird, tönt aus Lautsprechern. Überall.

Was da von ihnen zu hören sein wird, deuten die Kritiker schon an: „Wir wollen gesundes Essen. Aber Pestizide von Bayer und Monsanto wie Glyphosat belasten unsere Lebensmittel. Es droht Gentechnik durch die Hintertür, und Landwirtinnen werden in den Ruin getrieben. Monokultur und Agrar-Industrie“ – dagegen habe er etwas, sagt Simon Ernst.

Bei Bayer sieht man das anders. Der Zusammenschluss soll dem Landbau den notwendigen Effizienzschub bringen. Nur so hätten am Ende alle Menschen genug Nahrung. Das Motto müsste demnach lauten: Ohne Bayer und Monsanto gibt es nicht genug Essen.