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Proteste bei Bayer Hauptversammlung in Bonn

Von Charlotte Meitler und Sebastian Tittelbach

-Bayer-Hauptversammlung am Freitag (28.04.2017) in Bonn
-200 Aktivisten demonstrierten
-Aktionäre befragen Vorstand zu Monsanto

Zur Bayer-Hauptversammlung am Freitag haben sich 200 Demonstranten in Bonn versammelt. Grund ist die geplante Übernahme des Saatgutriesen Monsanto, die auf der Agenda steht. Die Bayer-Aktionäre können erstmals den Konzernvorstand zur Übernahme befragen.

Die Hauptversammlung hat unter starken Sicherheitsvorkehrungen begonnen. Polizisten und private Sicherheitsdienste haben sich weiträumig um das Konferenzzentrum aufgestellt. Die Bayer-Führungsriege hat den Hintereingang genommen, um nicht am Protestcamp mit 200 Aktivisten und Demonstranten vorbeilaufen zu müssen.

Demonstrant bei Bayer-Hautpversammlung wird von der Bühne verwiesen

Unter anderem Linke, Grüne und das Hilfswerk Misereor demonstrierten am Morgen friedlich aber lautstark. Sie kritisieren die Übernahme des Saatgutherstellers Monsanto durch Bayer und den weiteren Einsatz des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat. Zu Beginn der Hauptversammlung gelang es Demonstranten mehrfach die Rede von Bayer-Vorstandschef Werner Baumann zu stören - ein Demostrant wurde von Sicherheitskräften der Bühne geholt.
Während der Hauptversammlung haben mehrere kritische Aktionäre von ihrem Rederecht Gebrauch gemacht, darunter auch der Fraktionsvorsitzende der Grünen Anton Hofreiter. Er konnte auf der Hauptversammlung sprechen, weil der Kreisverband der Grünen in Leverkusen sich ein paar Bayer-Aktien gesichert hat.
"Bayer will Beitrag zur Ernährung der Weltbevölkerung leisten"

Bayer-Chef Baumann räumte ein, dass Monsanto vor allem in Europa einen schlechten Ruf habe, dennoch sei die Übernahme sinnvoll, Bayer könne so seinen Beitrag zur Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung leisten. Auch warb er erneut für die Grüne Gentechnik.
Für die Aktionäre ist das Geschäftsjahr sehr erfolgreich verlaufen. Bayer konnte im vergangenen Jahr einen Rekordumsatz von 46,8 Milliarden Euro erreichen. Auch deshalb soll die Dividenden von 2,50 Euro auf 2,70 pro Aktie angehoben werden.
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Auch verschiedene Aktionärsvertreter und Fonds äußerten bereits ihren Unmut über den 66 Milliarden US-Dollar teuren Deal. Sie stört aber vor allem die Höhe des Kaufpreises und die drastisch steigende Verschuldung.

Von seinen Eigentümern muss sich Bayer indes kein positives Votum für die Übernahme mehr einholen, das hatte der Aufsichtsrat als Vertreter der Kapitalseite bereits getan. Derzeit liegen die Pläne bei zahlreichen Wettbewerbsbehörden. Bei der EU-Kommission soll der Zukauf im Laufe des zweiten Quartals zur Genehmigung eingereicht werden.

Stand: 28.04.2017, 11:45