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Tumulte bei der Bayer-Hauptversammlung

Umweltschützer und Bankenvertreter warnen vor den Risiken der Monsanto-Übernahme
Bayer-Chef Werner Baumann wirbt weiter für den Milliarden-Deal

RP-online.de, 28. April 2017

Antje Höning| Bonn So turbulent war eine Hauptversammlung von Bayer noch nie: Mit Treckern, Transparenten und lauter Musik empfingen Umweltschützer und Entwicklungsorganisationen die 2500 Aktionäre vor dem World Conference Center in Bonn.

"Bayer und Monsanto bleibt uns vom Acker", "Genmanipuliert, patentiert, abkassiert" und "Stop Bayer Monsanto - Tod auf den Feldern, Gift im Essen" hieß es auf den Plakaten. Die Kritiker wenden sich gegen die Übernahme des umstrittenen US-Konzerns, die Bayer-Chef Werner Baumann verteidigte. Mehrfach wurde seine Rede von Zwischenrufen ("Ihr vergiftet unsere Äcker") unterbrochen, Sicherheitskräfte entfernten Protestplakate. Baumanns Vorgänger Marijn Dekkers, der die Pläne kritisch gesehen haben soll, verfolgte die hitzige Debatte zusammen mit dem früheren Bayer-Chef Manfred Schneider in der ersten Reihe.

"Gewaltige Schulden stemmen"

Auch bei klassischen Aktionärsvertretern wächst die Kritik. "Diese Mammutübernahme bereitet uns Bauchschmerzen", sagte Ingo Speich vom Volksbanken-Fonds Union Investment. "Mit Monsanto muss sich Bayer auf permanenten öffentlichen Gegenwind gefasst machen." Mit kosmetischen Eingriffen wie der Streichung des Namens sei es nicht getan. Speich fürchtet auch, dass Bayer sich überhebt. "Vor Monsanto war Bayer ein gut geführter Konzern auf solidem Wachstumskurs. Nun muss Bayer gewaltige Schulden stemmen." Bayer will 59 Milliarden Euro für Monsanto zahlen. Zugleich kritisierte Speich: "Die Kapitalmarktkommunikation von Bayer war katastrophal. Der abrupte Kurswechsel hat zum massiven Vertrauensverlust in die Bayer-Aktie geführt." Baumann hatte zu seinem Amtsantritt am 1. Mai 2016 noch organisches Wachstum in den Vordergrund gestellt, am 23. Mai machte Bayer dann die Übernahmepläne öffentlich. Die Aktie stürzte ab.

"Die Aktionäre sind besorgt, was die Monsanto-Übernahme mit ihrer erfolgreichen Bayer AG machen wird", sagte Marc Tüngler, Aktionärsschützer der DSW.

Baumann räumte ein: "Das Image von Monsanto bedeutet eine große Herausforderung für uns." Darauf werde man mit Offenheit und Dialog reagieren. Die Demonstranten empfing Bayer allerdings leicht hämisch mit einem Plakat: "Liebe Demonstranten, nutzt doch mal fakten-statt-vorurteile.de." Baumann vermutet eine Kampagne der Kritiker: "Das Image von Monsanto ist auch das Ergebnis massiver Kampagnen." Man könne darüber streiten, ob Monsanto in der Öffentlichkeit immer glücklich agiere, tatsächlich sei es ein innovatives Unternehmen und ein beliebter Arbeitgeber. "Die Verbindung der beiden Unternehmen würde auch für die Gesellschaft Gutes schaffen", sagte Baumann. So könne man helfen, die zehn Milliarden Menschen auf der Welt im Jahr 2050 zu ernähren.

"Weitreichende Risiken"

Aktionärsvertreter wie Hendrik Schmidt und Winfried Matthes kritisierte, dass die Bayer-Aktionäre – anders als die Monsanto-Aktionäre – nicht über die Übernahme abstimmen. Das sei gesetzlich nicht vorgeschrieben, sagte Baumann. Hierfür sei der Aufsichtsrat zuständig, und der habe zugestimmt. Theoretisch hätte man die Aktionäre freiwillig befragen können. "Es wäre aber mit weitreichenden Risiken verbunden", sagte Baumann. Man müsste mit Anfechtungsklagen einzelner Aktionäre rechnen, was die Transaktion verzögern oder gefährden könnte.

Die Grünen hoffen nun, dass die Kartellbehörden den Deal noch zu Fall bringen. Bayer hat bei fast allen von 30 nötigen Kartellbehörden bereits Freigabe-Anträge eingereicht. In der EU verzögert sich dies weiter. "Wir planen, den Antrag in Europa im zweiten Quartal 2017 zu stellen", sagte Baumann.
(anh)