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Demo gegen Monsanto-Deal

n-tv, 28. April 2017

Proteste stören Bayer-Hauptversammlung

66 Milliarden Dollar will Bayer für Monsanto zahlen. Doch der Kauf des US-Saatgutproduzenten ist nicht unumstritten. Vorstandschef Baumann wirbt deshalb bei den Aktionären für den Deal. Nicht nur vor der Halle wird dagegen protestiert.

Begleitet von Protesten hat Bayer-Chef Werner Baumann versucht, den Aktionären des Pharma- und Chemiekonzerns den umstrittenen Kauf des US-Saatgutriesen Monsanto schmackhaft zu machen. "Durch die vereinbarte Übernahme von Monsanto wollen wir Bayer weiter stärken", warb Baumann auf der Hauptversammlung in Bonn. "Und wir wollen damit langfristig erheblichen zusätzlichen Wert schaffen." Der Zukauf passe "perfekt" zur Strategie von Bayer.

Um die bis auf 10 Milliarden Menschen steigende Bevölkerung im Jahr 2050 ernähren zu können, müsse nach einer Schätzung der Welternährungsorganisation FAO die landwirtschaftliche Produktion um 50 Prozent steigen, sagte Baumann. Das sei nur mit Innovation möglich. Mit der Übernahme von Monsanto schaffe Bayer "ein führendes Innovationsunternehmen". Er bekräftigte, dass die Übernahme nicht auf Kosten der anderen Bereiche wie etwa das Pharmageschäft gehen werde.

Baumanns Rede wurde bereits kurz nach Beginn von lautstarken Protestrufen unterbrochen. Mit "Stopp Bayer/Monsanto" schnitten ihm Gegner der geplanten Übernahme das Wort ab. Aufsichtsratschef Werner Wenning rief sie höflich zur Räson und bat um einen Austausch, "wie es auf einer deutschen Hauptversammlung üblich ist". Keine zehn Minuten später kam es zum nächsten Zwischenfall. "Ihr vergiftet unsere Äcker" riefen die Übernahmegegner. Wenning bat ein zweites Mal, die Zwischenrufe zu stoppen und drohte mit Saalverweis. "Sie sehen: Bayer bleibt auf Erfolgskurs", setzte Baumann seine Rede fort.

"Gegenteil von dem, was wir wollen"

Allerdings gestand Baumann in seiner Rede auch ein, dass das schlechte Image von Monsanto eine "große Herausforderung" für den Konzern bedeutet. "Das möchte ich nicht kleinreden." Vor dem Versammlungsgebäude in Bonn demonstrierten nach Angaben der örtlichen Polizei rund 200 Umweltschützer und Aktivisten.

Draußen vor der Halle formierte sich Protest gegen den Kauf von Mosanto.

Mit "Patent-Verbrennungsmaschinen", Transparenten und Reden machten das kirchliche Hilfswerk Misereor, die Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft (ABL) und andere Organisationen auf mögliche Risiken des Deals aufmerksam. Die Bundestagsabgeordnete und ehemalige Landwirtschaftsministerin Renate Künast von den Grünen meinte: "Das ist das Gegenteil von dem, was wir wollen."

Umwelt- und Naturschützer, kirchliche Hilfsorganisationen und entwicklungspolitische Gruppen bis hin zu politischen Parteien sehen die Mega-Übernahme schon seit längerer Zeit kritisch. Durch den Zukauf, der Bayer zum weltweit größten Anbieter im Pflanzenschutz und bei Saatgut macht, sowie weitere Fusionen in der Branche würden die Märkte nur noch von wenigen Unternehmen dominiert, die die Preise diktieren und ihre Angebote auf wenige gewinnträchtige Produkte reduzieren könnten. Auf der Strecke blieben die Artenvielfalt, Ernährungssouveränität und ein nachhaltiges Wirtschaften im Agrarsektor.

"Zuversichtlich für das Jahr 2017"
Pillen lassen Kassen klingeln: Bayer erhöht die Jahresprognose 27.04.17 Pillen lassen Kassen klingeln Bayer erhöht die Jahresprognose.

Mit Blick auf die Geschäftsentwicklung des Konzerns insgesamt sagte Baumann, Bayer sei "zuversichtlich für das Jahr 2017 und darüber hinaus". Am Donnerstag erst hatte der Vorstandschef sehr starke Zahlen für das erste Quartal vorgelegt und die Prognose erhöht. Analysten attestierten ihm überdies, dass sich Bayer im Agrargeschäft deutlich besser geschlagen hat als zuletzt die Wettbewerber BASF und Syngenta.

Bayer hatte sich im vergangenen September nach monatelangem Ringen mit Monsanto auf die Übernahme der Amerikaner für rund 66 Milliarden Dollar geeinigt. Bis Ende des Jahres soll der Zukauf - der bislang teuerste eines deutschen Unternehmens - unter Dach und Fach sein. Nach Bekanntwerden der Pläne war die Bayer-Aktie im vergangenen Jahr auf Talfahrt gegangen, Anleger kritisierten unter anderem die hohe Verschuldung. Inzwischen hat sich die Notierung aber wieder deutlich erholt.

Quelle: n-tv.de , mli/rts/DJ