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"Stop Bayer Monsanto" - Berlin geht gegen US-Konzern auf die Straße

Sputnik, 28. April 2017

Marcel Joppa Hunderte Menschen gingen am Samstag gegen die Übernahme des US-Konzerns Monsanto durch den deutschen Chemie-Riesen Bayer auf die Straße. Mit Sprüchen wie "Unser NEIN ist ein JA zum Leben" und prägnanter Elektromusik protestierten überwiegend junge Demonstranten gegen die geplante Firmenfusion.

Im Mai 2016 verkündete das deutsc he Pharmaunternehmen Bayer, den US-Konzern Monsanto übernehmen zu wollen. Gelänge dies, entstünde der mit Abstand größte Agrar-Konzern der Welt. Bei den Pestiziden erreichen Bayer und Monsanto zusammen einen Marktanteil von rund 25 Prozent, bei Saatgut für gentechnisch veränderte und konventionelle Ackerfrüchte einen Anteil von rund 30 Prozent.

Allein im Bereich der genmanipulierten Pflanzen erreichen die beiden Unternehmen zusammen mit weit über 90 Prozent eine Monopol-Stellung. Das hätte laut Kritikern massive Auswirkungen. Landwirte hätten so vermutlich weniger Auswahl bei Saatgut und müssten mehr für Geld für Pestizide und weitere Betriebsmittel zahlen. Befürchtet wird auch, dass dies für Verbraucher zu höheren Preisen und einem verringerten Angebot führen könnte.

Bayer selbst verspricht sich von der Übernahme einen stabileren Platz im internationalen Wettbewerb. Das Unternehmen befürchtet, ohne die Fusion möglicherweise selbst bald von einem größeren Konkurrenten geschluckt zu werden. Doch es bleibt breite Kritik in der Bevölkerung.

Monsanto, gegründet 1901 US-Bundesstaat Missouri, war maßgeblich beteiligt am Chemiewaffen-Einsatz im Vietnamkriegs. Der Konzern ist laut Experten verantwortlich für die systematische Zerstörung der Artenvielfalt von landwirtschaftlichen Nutzpflanzen durch gentechnisches Saatgut. Der Name Monsanto steht in Verbindung mit stark umstrittenen Lebensmittelzusatzstoffen wie Saccharin und Aspartam, sowie mit dem möglicherweise krebserregenden Pestizid Glyphosat.

Noch vor wenigen Tagen warb Bayer-Vorstandsvorsitzender Werner Baumann nochmals für den Zusammenschluss mit Monsanto zum größten Agrarchemiekonzern der Welt. Der Erwerb werde nicht auf Kosten anderer Geschäfte gehen. Dennoch räumte Baumann ein, dass das Image von Monsanto eine große Herausforderung für Bayer sei. Deshalb werde man den Dialog auch mit der kritischen Öffentlichkeit künftig weiter verstärken.

Einen Tag nach der Hauptversammlung der Bayer-Konzerns riefen Demonstranten unter dem Motto „Stop Bayer Monsanto“ deshalb zu einer breiten Protestkundgebung im Berliner Stadtteil Friedrichshain auf. Das internationale Netzwerk der „Coordination gegen Bayer-Gefahren“ (CBG) arbeitet auf ehrenamtlicher Basis und stellt den Bayer-Konzern unter weltweite Beobachtung. Die CBG trägt zur Koordinierung von Widerstand und Protest in allen Teilen der Welt bei und leistet Unterstützung für Betroffene.