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Interview: Bayer übernimmt 'meist gehassten Konzern der Welt'

perspektive-online.net, 29. April 2017

Gestern, am 28.4., fand in Bonn die Hauptversammlung der Aktionäre von Bayer statt, die ganz im Zeichen der Monsanto-Übernahme durch den Leverkusener Konzern stand. Wir sprachen mit Felix von der „Bonner Jugendbewegung“ über die Konzerne, das Verhalten der Stadt Bonn und die Perspektive der Proteste.

Was ist Bayer für ein Konzern?

Bayer ist einer der größten Chemiekonzerne der Welt und gehört mit 40 Milliarden Euro Umsatz im Jahr auch zu den 500 größten Unternehmen der Welt. Wir begegnen Bayer im Alltag, wenn wir „Aspirin“ und andere Medikamente nehmen. Jedoch ist Bayer auch ganz dick im Saatgut- und Pestizidgeschäft mit eingestiegen und ist damit auch maßgeblich an all den Produkten, die wir jeden Tag auf unseren Tellern haben, beteiligt. Was Bayer macht, ist aber alles andere als gut. Angefangen bei „Zyklon B“, dem Giftgas, das der damals noch „IG Farben“ genannte Chemiekonzern an die KZ lieferte, über „Agent Orange“, welches als Chemiewaffe im Vietnamkrieg gegen den Vietcong eingesetzt wurde bis hin zu HIV-kontaminierten Medikamenten oder einer Antibabypille, die mit massiv erhöhtem Trombose-Risiko auf den Markt gekommen und da auch geblieben ist.

Welche Probleme entstehen durch die Übernahme von Monsanto durch Bayer?

Bayer und Monsanto sind jetzt schon große Monopolkonzerne. Durch eine Übernahme würden sie eine noch gigantischere Marktmacht bekommen. Zum Beispiel würden sie einen Weltmarktanteil an Pestiziden von 27%, bei Patent-Saatgut von 30 % und bei genverändertem Saatgut von 90% erreichen. Dies würde die Situation der Belegschaft von Bayern und Monsanto, der Bauern, aber auch von uns Verbraucherinnen und Verbrauchern noch weiter verschlimmern.

In deutschen Medien wird es oft so dargestellt, als sei Bayer das „saubere“ Unternehmen, das sich nun das „Schmuddelkind“ Monsanto, den riesigen amerikanischen Saatgut- und Pflanzenschutzmittelhersteller, einverleibt. Ist dieses Bild richtig?

Dass Medien das Bild kreieren, dass der „ach so gute“ Bayer-Konzern den „ach so bösen“ Monsanto-Konzern übernehmen wird, verschleiert nur die Tatsachen. Monsanto ist zwar der meist gehasste Konzern der Welt, doch beide ähneln sich sehr. Was Monsanto sein „Glyphosat“ ist, das ist Bayer sein „Glyphosinat“. Was Monsanto sein „Roundup“ für seine Genpflanzen ist, das sind für Bayer die „Libertylink“-Ackerfrüchte. Es sind beides Konzerne, die mit der Ausbeutung von Mensch und Natur riesige Profite machen.

Gab es Versuche der Stadt Bonn und/oder Bayer, die Proteste der Fusionsgegner, z.B. von „Stop Bayer/Monsanto“, zu behindern?

Wir hatten unsere Aktionen auf dem Platz der Vereinten Nationen direkt vor dem WCCB (World Conference Center Bonn), in dem die Aktionärsversammlung stattfand, angemeldet. Eine Woche später hat Bayer für den Platz dann eine Sondernutzungsgenehmigung bei der Stadt Bonn beantragt. Begründet wurde dies damit, dass das ohnehin umstrittene WCCB nicht genügend Infrastruktur für die Sicherheitskontrollen bereitstellen würde. Deshalb wollten sie die Überprüfungen in ein Zelt vor das Gebäude auslagern. Diese Genehmigung haben sie von der Stadt kurzum bekommen und dann auch promt ihr Zelt auf den Platz der Vereinten Nationen vor dem WCCB gestellt. Obwohl wir dagegen geklagt haben und vor Gericht gezogen sind, mussten wir weichen und uns mit Bayer den Platz teilen. Die Stadt Bonn hat dabei ganz klar Position für Bayer und gegen das Demonstrationsrecht bezogen.

Wie kann erfolgreich gegen die geballte Konzernmacht von Bayer/Monsanto vorgegangen werden?

Wir werden Bayer und Monsanto nicht durch eine kleine Protestaktion stoppen können. Um diese Konzernmacht zu brechen , müssen wir bei dem schon bestehenden Umweltbewusstsein in der Gesellschaft anknüpfen. Wir können dabei große Protestbewegungen wie z.B. gegen TTIP oder bei der „Wir haben es satt“-Demonstration unterstützen. Wir müssen uns gut organisieren und wir müssen große Proteste auf die Straße tragen, damit irgendwann unsere Interessen durchgesetzt werden und nicht die Interessen der Konzerne.

Sind weitere Proteste geplant?

Die Proteste gegen die Bayer-Hauptversammlung waren nur der Anfang. Wir werden im November die UN-Klimakonferenz, die „COP23“, in Bonn haben, zu der wir große Proteste mitorganisieren. Wir werden uns aber über das ganze Jahr mit der Umwelt und Klimaproblematik auseinandersetzen. Schon geplant ist ein „Klimacamp“ vom 18.-24. August in Bonn, bei der wir mit Vorträgen, Diskussionen und kreativen Aktionen auf die Problematik hinweisen und unsere Forderungen und Lösungsansätze auf den Tisch bringen. Weitere Infos dazu gibt es unter klimacamp-bonn@riseup.net und bei Facebook unter Klimacamp Bonn.