24. Juni 2003
Bayer verliert Prozess um mutmaßlichen Bienentod durch "Gaucho"
Imker zu Unrecht der Verunglimpfung bezichtigt
Im Streit um den mutmaßlichen Bienentod durch das umstrittene Insektenbekämpfungsmittel "Gaucho" hat der Bayer-Konzern in Frankreich einen ersten Prozess verloren. Das deutsche Unternehmen habe den prominenten Imker Maurice Mary zu Unrecht der Verunglimpfung bezichtigt, entschied ein Gericht im zentralfranzösischen Châteauroux am Dienstag. Bayer wurde zur Zahlung von 2000 Euro Gerichtskosten an den Bienenzüchter verurteilt. Marys Forderungen zur Zahlung von Schadenersatz und zur Veröffentlichung des Urteils wies das Gericht zurück.
In Frankreich protestieren hunderte Imker seit Jahren gegen den Einsatz von "Gaucho", das ihren Angaben nach das Nervensystem der Bienen stört. Der inzwischen 76-jährige Mary, ehemaliger Vizepräsident des französischen Imkerverbandes setzte sich an die Spitze der Protestbewegung. Er hält die Verwendung von "Gaucho" für die Hauptursache des rätselhaften Bienensterbens, das in Frankreich zu einem Rückgang der Honigproduktion von 32.000 auf 25.000 Tonnen geführt haben soll.
Der Streit um "Gaucho" beschäftigt die französische Öffentlichkeit seit sechs Jahren. Erst zu Jahresanfang erklärte die Regierung in Paris den Einsatz des Mittels auf Maisfeldern für zulässig. Allerdings sollen gesonderte Zonen eingerichtet werden, in denen "Gaucho" nicht genutzt wird, um wissenschaftliche Vergleiche zu ermöglichen. Bayer machte in dem Verfahren in Châteauroux geltend, bislang gebe es "keinen wissenschaftlichen Beweis" für Gefahren durch "Gaucho". Die Zahl der Bienen in den französischen Schwärmen sei zudem weiter gesunken, nachdem der Einsatz des Giftes in Sonnenblumen-Kulturen 1999 verboten worden sei.
Nach Angaben des Unternehmens wurden "Gaucho" und andere Produkte mit dem Bayer-Wirkstoff Imidacloprid seit 1991 auf den Markt gebracht. Inzwischen werden sie in etwa 120 Ländern eingesetzt und sind mit einem Jahresumsatz von mehr als 600 Millionen Euro im Jahr 2001 einer der Hauptumsatzträger der Firmensparte Bayer CropScience. Den Angaben zufolge wurde "Gaucho" in Frankreich 1992 zunächst als Saatgutbehandlungsmittel für Mais zugelassen, ab 1994 auch für Sonnenblumen. Wegen des Bienensterbens in einigen Regionen des Landes wurde die Zulassung für Sonnenblumen im Januar 1999 vorübergehend außer Kraft gesetzt. In Frankreich und anderen Ländern laufen Studien wegen des Problems.
AFP, 24. Juni 2003

