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WTO

Pressemitteilung vom 30. Oktober 2003

Zulassungs-Moratorium der EU für gentechnisch veränderte Pflanzen

Coordination gegen BAYER-Gefahren protestiert gegen WTO-Klage

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren hat heute bei der Welthandelsorganisation WTO gegen das von den USA angestrengte Verfahren gegen die EU protestiert. Präsident Bush sieht in dem europäischen Moratorium für den Anbau gentechnisch veränderter Organismen (GVO) einen Wettbewerbsnachteil für amerikanische Konzerne und hatte daher Klage eingereicht. Wenn die WTO der Klage stattgibt, muss nicht nur die EU die Einfuhr und den Anbau von GVOs erlauben. Der Klagefall dient auch als Drohung an andere Länder, keine Gesetze gegen Genfood einzuführen.

Das Vorgehen der US-Regierung dient dabei besonders den Interessen eines deutschen Unternehmens: die Leverkusener BAYER AG ist seit der Übernahme von Aventis CropScience größter europäischer Anbieter von gentechnisch modifizierten Getreide-Sorten, Raps, Mais und Soja und ist selbst auf dem amerikanischen Markt die Nummer zwei. Kein Unternehmen führt in Europa so viele Feldversuche mit Gen-Pflanzen durch wie das neue Unternehmen BAYER CROPSCIENCE. Und kein Konzern wird nach einem etwaigen Ende des europäischen Moratoriums eine größere Kontrolle darüber ausüben, was Landwirte anbauen und was VerbraucherInnen essen werden.

Axel Köhler-Schnura von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: "Die WTO-Klage ist ein Beispiel dafür, wie Konzerne ihre Interessen über die Köpfe der Menschen hinweg durchsetzen - in diesem Fall die BAYER- Monsanto-Connection, die bereits zu Zeiten des Vietnam-Krieges bei der Produktion von Agent Orange hervorragend funktionierte. In Australien fand die erste Massendemonstration gegen GenFood statt, in Großbritannien brachte ein Umfrage lächerliche Prozentwerte für GenFood-Befürworter. Die Macht der Konzerne muss gebrochen werden!" Anfang Oktober hatte BAYER einen großen Rückschlag erlebt, als anhaltende Proteste den Konzern dazu zwangen, in Großbritannien auf Freisetzungsversuche mit Gen-Pflanzen zu verzichten.

Trotz der gebetsmühlenartig wiederholten Versicherung der Industrie, dass Gen-Nahrung sicher und "tausendfach getestet" sei, sind die langfristigen Risiken bis heute völlig unklar. So verdoppelte sich in den USA seit Einführung von Gen-Pflanzen die Zahl Nahrungsmittel- induzierter Krankheiten. Auch Allergien stiegen weiter an. Da die Einführung von Gen-Nahrung durch keine einzige Langzeitstudie begleitet wurde, weiß niemand, ob diese Entwicklung mit den Pflanzen aus dem Labor zusammen hängt. Frühere Versprechen ("veränderte Gensequenzen können nicht auf herkömmliche Pflanzen überspringen") stellten sich samt und sonders als falsch heraus.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren ist Teil einer internationalen Kampagne gegen die Durchsetzung von GenFood, in deren Verlauf Tausende von indischen Bauern vor der BAYER-Zentrale in Leverkusen demonstrierten, die Büros von BAYER mehrfach besetzt, das Podium auf der BAYER-Hauptversammlung gestürmt, Tausende von Unterschriften gesammelt wurden und schließlich die Geheim-Strategie von METRO und BAYER zur Durchsetzung von GenFood enttarnt wurde. Die CBG nutzt das Europäische Sozial-Forum, um den Widerstand gegen die Machenschaften der Gentech-Konzerne zu entwickeln und zu stärken.