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STICHWORT BAYER 03/2004

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

die Arbeit in der indischen Baumwollsaat-Produktion ist kein ungefährlicher Job. Ende Juni starb ein dreizehnjähriger Junge, als er Pestizide auf einer Baumwollsaatfarm versprühte. Die Saatgut-Unternehmen bezeichnen solche Vorkommnisse gern als Einzelfälle - doch allein die Kinderrechtsorganisation MV FOUNDATION hat in den vergangenen zwei Jahren 36 Fälle tödlich vergifteter Kinder dokumentiert. Zehntausende Kinder, teilweise nicht älter als acht Jahre, arbeiten in Südindien auf den Feldern - für Cent-Beträge. Da sie keine Schulen besuchen, werden sie niemals aus dem Armuts-Kreislauf ausbrechen können.

Auch die BAYER AG ist in diesem Sektor aktiv und bezieht ihr Saatgut von Zulieferern, die Kinder beschäftigen, genauso wie MONSANTO und andere Agro-Multis. Dies hat die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) im vergangenen Sommer in Deutschland publik gemacht. In einem gemeinsamen Brief haben sich die CBG, GERMANWATCH und der GLOBAL MARCH AGAINST CHILD LABOUR im Dezember an die BAYER AG gewandt und das Unternehmen aufgefordert, endlich Maßnahmen einzuleiten.

Lange hatten sich die Multis gesträubt, Verantwortung für die Beschäftigung von Kindern zu übernehmen - da dies bei ihren Zulieferern geschähe, könnten sie daran nichts ändern. Im September vergangenen Jahres haben sich die Unternehmen, darunter die indische BAYER-Tochter PROAGRO, mit Kinderrechts-Initiativen getroffen und ein wirksames Handeln zur Abschaffung von Kinderarbeit innerhalb eines halben Jahres zugesagt.

Inzwischen ist die doppelte Zeit vergangen und wir warten noch immer auf die
Umsetzung der versprochenen Maßnahmen. Die Kinderrechtsaktivistin Shantha Sinha von der MV FOUNDATION, unsere wichtigste Kontaktperson vor Ort, beschwerte sich Ende Juni, dass bis auf die Veröffentlichung von Statements und Flugblättern sowie internen Treffen nichts passiert sei.

So war zunächst zugesagt worden, dass die Namen der unter Vertrag genommenen Bauern für unabhängige Prüfungen an die MV FOUNDATION übergeben werden. Dann forderten die Unternehmen aus Vertraulichkeitsgründen, statt der Vertragsbauern nur die Dörfer aufzulisten. Aber selbst diese Daten sind von PROAGRO/BAYER Monate nach dem vereinbarten Termin nicht geliefert worden. Auch sollten Muster-Verträge übergeben werden, um zu kontrollieren, ob und in welcher Schärfe die Nichtbeschäftigung von Kindern verlangt wird. Denn erst kürzlich fand sich ein neu unter Vertrag genommener Bauer, der nichts von der Forderung eines Kinderarbeitsverbotes gehört hatte. Auch ist noch nicht belegt, ob in dieser Saison den Bauern wirklich mehr Geld gezahlt wird, wie aus Indien und Deutschland immer wieder gefordert wird. Denn nur dann können die Landwirte es sich leisten, Erwachsene einzustellen.

Inzwischen läuft die nächste Saison auf Hochtouren und noch immer arbeiten Tausende Kinder auf den Feldern. Es ist höchste Zeit, dass Unternehmen wie BAYER wirksame Maßnahmen ergreifen. Wir werden dies gemeinsam mit der CBG und dem GLOBAL MARCH AGAINST CHILD LABOUR weiterverfolgen.

Cornelia Heydenreich arbeitet bei Germanwatch zum Thema Unternehmensverantwortung