SWB 03/97 - Ticker

AKTION & KRITIK

Grüne fordern Rezeptpflicht für ASPIRIN FORTE
Die Grünen haben Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer (CSU) aufgefordert, eine Rezeptpflicht für Kombinationsschmerzmittel einzuführen. Dadurch ließen sich schwerste Nierenerkrankungen vermeiden. Bei rund 6.000 der etwa 40.000 Dialyse- Patienten sei das Nierenversagen auf hohen Verbrauch von Schmerzmitteln mit mehreren Wirkstoffen zurückzuführen, erklärte die grüne Gesundheitspolitikerin Monika Knoche. Dabei stünden Präparate mit den Wirkstoffen Paracetamol, ASPIRIN und Koffein (ASPIRIN FORTE) an der Spitze. BAYER ist einer der größten Hersteller der genannten Präparate.

Für Gen-freies Österreich
Verschiedene Umweltschutzorganisationen haben im April 1997 in Österreich ein Volksbegehren gegen Gentechnik auf die Beine gestellt. Die Forderungen lauteten:

"Kein Essen aus dem Genlabor!
Keine Freisetzung genmanipulierter Organismen!
Kein Patent auf Leben!"

Insgesamt 1.226.551 Unterschriften wurden gesammelt, was mehr als 21 Prozent der österreichischen Bevölkerung entspricht. Allerdings bedeutet ein Volksbegehren in Österreich im Unterschied zur Volksabstimmung noch keine Gesetzesänderung. Ein Volksbegehren zwingt die PolitikerInnen lediglich, sich mit dem Thema zu befassen. Bisher versteckte sich die österreichische Regierung hinter der EU und behauptete, Alleingänge auf dem Gebiet der Gentechgesetzgebung seien nicht möglich. Stattdessen appellierte sie an die Firmen, doch bitte "zunächst" keine genmanipulierten Pflanzen freizusetzen.

Für Transparenz in der Arzneimittelkontrolle
(BUKO) Health Action International Europa und die Dag Hammerskjöld Stiftung hatten im September 1996 zu einer internationalen Arbeitsgruppe eingeladen, die sich mit den Möglichkeiten der besseren Arzneimittelkontrolle beschäftigte. Im Ergebnis wurden die folgenden Forderungen veröffentlicht, die das willkürliche Konzerngebaren in der Ersten- wie Dritten Welt einschränken sollen:

  • Öffentliche Bewertungen eines Arzneimittels (public assessement reports), die die entscheidenden Gründe für die Zulassung oder Zulassungsänderung eines Arzneimittels enthält. Behörden, die solch eine öffentliche Bewertung verweigern, müssen ihre internen Bewertungen offenlegen.
  • Öffentlicher Zugang zu den pharmakologischen, toxikologischen und klinischen Studien, die mit einem Antrag auf Zulassung oder Zulassungsänderung eingereicht werden, sowie alle Daten, die später zu dem Vorgang hinzukommen. Die Daten müssen vom Tag der Zulassung an allen Interessierten aus der ganzen Welt zugänglich gemacht werden. Dies gilt auch für die Texte der zugelassenen Beipackzetttel und Fachinformationen.
  • Erstellung von öffentlichen Berichten zur Überprüfung pharmazeutischer Anlagen, bei denen nur persönliche oder materielle Details, die sich auf Geschäftsgeheimnisse und die Privatsphäre beziehen, weggelassen werden dürfen.
  • Erstellung von öffentlichen Berichten über unerwünschte Arzneimittelwirkungen, die von im Gesundheitswesen Tätigen, Herstellern oder anderen Behörden gesammelt wurden.
  • Wo es nationale Listen unentbehrlicher Arzneimittel gibt, müssen die Gründe für die Aufnahme von Arzneimitteln in diese Liste bzw. Veränderungen der Liste bekanntgemacht werden.
  • Erstellung von öffentlichen Berichten über das Ruhen, die Einschränkungen oder den Rückzug von Arzneimittelzulassungen oder der Herstellungserlaubnis.
  • Erstellung von öffentlichen Berichten über Behörden-
    besprechungen inkl. Tagungen von wissenschaftlichen Kommissionen und Anhörungen, unter Weglassung persönlicher Daten.

Veröffentlichung von zensiertem Roman durchgesetzt
1980 hat der Düsseldorfer Autor Klas Ewert Everwyn für seinen Roman "Der Dormagener Störfall" den Literaturpreis der Stadt Dormagen erhalten. Der Roman handelt von einer fiktiven Katastrophe im BAYER-Werk Dormagen. Als dies bekannt wurde, schritt der Konzern ein. Der Roman wurde nicht veröffentlicht und als eine Dormagener Bürgerinitiative ihn als kleine Broschüre im Selbstverlag herausbrachte, ging BAYER sogar gerichtlich dagegen vor. 1983 erging das Urteil, das Werk wurde zensiert.
Heute, nach 17 Jahren, kommt endlich dieses von BAYER unterdrückte literarische Werk pünktlich zur Buchmesse 1997 bundesweit in den Buchhandel. Herausgegeben von der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN. Und daß das spannende Buch trotz der Zensur mit BAYER in Verbindung gebracht wird, dafür sorgen das BAYER-Kreuz auf dem Titel und die ergänzenden Texte über die Geschichte des Romans im Innenteil.

Das Buch kann für 37,80 DM incl. Porto/Versand direkt bestellt werden beim MENSCH+UMWELT-Versand, Postfach 15 04 18, 40081 Düsseldorf,
Fon 0211 - 33 39 11, Fax 0211 - 33 39 40.

Mass Murder
Der Ruf "mass murder" schallt aus Lautsprechern, Flugblätter werden verteilt. Seit einem Jahr demonstrieren US-amerikanische Opfer HIV-verseuchter BAYER- Medikamente jeden Mittwoch vor der Niederlassung des Konzerns in San Francisco (Berkeley) und vor der Rechtsanwaltskanzlei O'Connor, Cohn, Dillon & Barr, die seit 1980(!!) den BAYER-Konzern in den USA gegen die Forderungen der Opfer abschottet. In aller Welt hat BAYER Menschen wissentlich mit dem tödlichen HI-Virus verseucht. In einigen Ländern hat der Konzern bereits Entschädigungen gezahlt. In keinem Fall jedoch angemessen; und niemals freiwillig, stets erst nach massiven öffentlichen Protesten oder um drohenden gerichtlichen Verurteilungen zuvor zu kommen.
In den USA hat der Konzern im April 1997 erstmals seit Schädigung der Opfer in den 80er Jahren Entschädigungen gezahlt, allerdings nur an einen Teil der Opfer (s. a. "Tod aus dem BAYER-Labor"/ COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN/erhältlich beim MENSCH+UMWELT-Versand). Daher gibt es auch in den USA noch immer Geschädigte, die bisher vergeblich für Entschädigungen kämpfen.
Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN unterstützt die Opfer in aller Welt und fordert von BAYER nicht nur Entschädigung, sondern auch strafrechtliche Konsequenzen.

Stop Gen-Valley NRW
Nach dem Willen der rot-grünen(!!) Landesregierung soll Nordrhein-Westfalen das Gentechnik-Zentrum Deutschlands werden. Bioskop führte zusammen mit der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN eine Informations- und Protestfahrt an die Stätten der schönen neuen Genwelt in NRW durch, darunter auch Leverkusen, die Zentrale des Gen-Konzerns BAYER.
Nach der Tour stellte Bioskop eine Anfrage an die Grünen im Landtag und an Innenminister Kniola, um zu erfahren, wer denn in diesem rot-grün regierten Land für den massiven Polizei- und Staatsschutz-Einsatz anläßlich der Protestfahrt die Verantwortung trage? Die Antwort steht auch nach Wochen noch aus.

Bittere Pillen für süsse Bilanzen
Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN verspricht auf ihrer Jahrestagung am 8./9. November 1997 "ein spannendes, lehrreiches und ermutigendes Wochenende". Informationen, Videos, Erfahrungsaustausch und Praxisbeispiele aus der jahrzehntelangen Arbeit gegen einen der mächtigsten Konzerne der Welt gewährleisten dies. Als ReferentInnen sind angekündigt Dr. Stefan Lanka/Arzt/ Forschungsgruppe investigative Medizin & Publizistik, Dr. Sigrid Müller/Pharmakologin/ Arbeitskreis für Gesundheitsbewußtsein und kritischen Umgang mit Arzneimitteln, Hubert Ostendorf/Journalist/
COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN sowie Dr. Ekhart Wetzstein/Arzt/Wissenschaftlicher Mitarbeiter der PDS Bundestagsgruppe. Die Jahrestagung kostet (mit privater Unterbringung) 50,-- DM. Anmeldung an: COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN, Postfach 15 04 18, 40081 Düsseldorf, Fon: 0211 - 33 39 11, Fax: 0211 - 33 39 40

Erfolg: HV gekippt!
In diesem Jahr jährte sich am 27. August zum 50. Male die Eröffung des Kriegsverbrecher-Prozesses gegen die IG FARBEN, den Zusammenschluß der Chemie-Konzerne HOECHST, BAYER und BASF von 1920 bis 1949. In provokanter Nähe zu diesem Termin sollte am 22. August in Frankfurt die Aktionärshauptversammlung der skandalöserweise noch immer existierenden IG FARBEN stattfinden. Daraus wurde nichts! Aufgrund der massiven nationalen und internationalen Proteste der Kampagne 'Nie wieder!', an der die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN entscheidenden Anteil hat, wurden der IG FARBEN kurzfristig die Räume entzogen. Wann und wo die Hauptversammlung stattfinden wird, stand zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses noch nicht fest. Es wurde angekündigt, daß auch zum neuen Termin alle Möglichkeiten demokratischen Protestes ausgeschöpft werden, um den Forderungen nach sofortiger Auflösung der Gesellschaft und nach angemessener Entschädigung der Opfer Nachdruck und Wirkung zu verleihen. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN stellte zusammen mit dem DACHVERBAND DER KRITISCHEN AKTIONÄRINNEN UND AKTIONÄRE und anderen mehrere Gegenanträge zur Hauptversammlung. Aufgrund der Unterstützung eines Großaktionärs werden auch die Entschädigung der Opfer und die Auflösung der Gesellschaft ganz formal auf der Tagesordnung stehen. Überlebende Opfer der IG FARBEN aus aller Welt wurden eingeladen, eine "Mauer der Anklage" zu bilden.
Das Bündnis 'Nie wieder!' bittet zur nachträglichen Finanzierung um Spenden unter dem Stichwort 'Nie wieder!' auf das Konto Ökobank 10 17 96 10, BLZ 500 901 00.

Arroganter OB
In Leverkusen wurde dem Oberbürgermeister vorgeschlagen, die IG FARBEN- Ausstellung der COORDINATION GEGEN BAYER- GEFAHREN anläßlich des 50. Jahrestag des Beginns des Kriegsverbrecherprozesses gegen die IG FARBEN ins Rathaus zu holen. Immerhin ist Leverkusen der Stammsitz des BAYER-Konzerns, der die IG FARBEN gegründet hatte und dessen Manager maßgebliche Verantwortung für die Verbrechen der IG FARBEN tragen. Hier die Antwort des OB: "...teile Ihnen mit, daß ich nicht beabsichtige, mich um die von Ihnen empfohlene Ausstellung für Leverkusen zu bemühen." Nach dieser arroganten Antwort wird sich in Leverkusen jetzt eine Initiative bilden, die die Ausstellung auf jeden Fall nach Leverkusen holen möchte.
Übrigens: Für die IG FARBEN-Ausstellung sind noch Termine frei, sie kann bei der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN geordert werden: Fon 0211 - 33 39 11, Fax 0211 - 33 39 40.

Widerstand gegen BAYER/Mexiko
In Mexiko hat die Belastung der AnwohnerInnen einer BAYER- Verbrennungsanlage für industriellen Sondermüll durch ausgetretene giftige Substanzen gefährliche Züge angenommen. Die BürgerInnen haben sich zu einer Initiative zusammengeschlossen und setzen sich gegen den Chemie-Konzern zur Wehr. Im Rahmen einer Fachkonferenz in Mexico-City soll der Protest gegen BAYER landesweit bekannt-
gemacht werden.

BAYER-Gifte verraten
Aufgrund eines Hinweises eines BAYER-Angestellten wurden in Argentinien 20 Tonnen Giftmüll entdeckt, die der Konzern in den 70er Jahren in der Wüste Patagoniens vergraben hatte. Nun muß BAYER das Gift zurückholen.

VortragsListe 97/98 erschienen
VertreterInnen der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN werden immer wieder zu Vorträgen eingeladen. Solch eine Veranstaltung ist stets spannend, informativ und lehrreich. Da alle ReferentInnen ihre Honorare komplett an die spenden, sind diese Vorträge eine wichtige Finanzierung BAYER-kritischer Arbeit. Die Vortragsliste kann angefordert werden bei: Fon 0211 - 33 39 11, Fax 0211 - 33 39 40.