|
DRUGS & PILLS
NRW-Umweltministerin gegen Antibiotika in Tiermast Nordrhein-Westfalens
Umweltministerin Bärbel Höhn hat eine Kampagne der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN gegen Antibiotika in der Tiermast (vgl. SWB 2/92) zum Anlaß genommen, festzustellen, daß sie dem Einsatz von BAYTRIL und
"derartiger Stoffe" kritisch gegenüber steht. Höhn wörtlich: "Die unkontrollierte Verfütterung dieser pharmakologischen Substanzen ist unverantwortlich. Sie kann beispielsweise dazu führen, daß bei
lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten des Menschen, die nur mit Antibiotika behandelt werden können, diese Medikamente nicht mehr wirken." Eine von der Ministerin eingeleitete Initiative des Landes
Nordrhein- Westfalens zu restriktiveren Vorschriften in der Futtermittelverordnung wurde vom Bundesrat in seiner Sitzung vom 4.7.1997 abgelehnt.
50 Millionen Pillen-Packungen im Jahr BAYER hat im Mai 1997 auf dem Werksgelände in
Leverkusen einen neuen Arzneimittel-Verpackungsbetrieb eingeweiht. Der High-Tech- Betrieb, den pro Jahr 50 Millionen Medikamentenpackungen verlassen sollen, hat 90 Millionen Mark gekostet. Der Verpackungsbetrieb ist
auf dem neuesten Stand der Rationalisierungstechnik. Hier erprobt BAYER exemplarisch im Rahmen einer Betriebsvereinbarung die umstrittene Gruppenarbeit (siehe auch in diesem TICKER unter "KAPITAL &
ARBEIT").
Acarbose soll gepusht werden Die BAYER-Substanz Acarbose (Handelsname GLUCOBAY),
die zur Behandlung des Diabetes Typ 2 eingesetzt wird, steht seit Anbeginn hartnäckig im Verdacht, krebserregend zu sein. BAYER will nun mit einer Studie, an der 1.450 Personen aus Deutschland, Österreich, Kanada
und Skandinavien teilnehmen sollen, belegen, daß Acarbose möglichst früh eingesetzt werden sollte, um die schweren Folgen von Diabetes einzudämmen. Fachleute rechnen mit einer Zunahme von Diabeteserkrankungen von
heute fünf auf acht Millionen bis zum Jahr 2001. Für diesen expandierenden Markt will BAYER gerüstet sein.
BAYER auf Platz drei des OTC-Marktes Einer Studie der Unternehmensberatung FROST
& SULLIVAN zufolge wird der Markt der freiverkäuflichen Arzneimittel (OTC) in Zukunft von multinational operierenden Konzernen dominiert werden, kleinere Unternehmen könnten allenfalls Nischen besetzen. BAYER
hält am europäischen sog. OTC-Markt 4,1 Prozent des Umsatzes und steht damit an dritter Stelle hinter SMITHKLINE BEECHAM und RHONE POULENC RORER. In Deutschland, Italien und, mit Einschränkung auch in Spanien, ist
BAYER der führende Anbieter freiverkäuflicher Arzneimittel.
Broschüre pusht GYNO CANESTEN BAYER hat zur Absatzförderung des Antipilzmittels
GYNO CANESTEN die kostenlose Broschüre "gyno Check" herausgegeben. Die Broschüre besitzt einen "Notizzettel" den die Frau heraustrennen kann und zum Arzt, zur Ärztin mitnehmen kann. Wie gut daß
BAYER weiß, was Frauen wissen wollen! CANESTEN ist eines der meistverkauften Produkte von BAYER und soll der Bekämpfung von Pilzen im Fuß-, Nagel- und Vaginalbereich dienen. Seit 1994 ist es frei verkäuflich und
wird von BAYER offensiv vermarktet. In der Vergangenheit wurden zahlreiche Fälle von Unverträglichkeitsreaktionen bei Frauen bekannt, die zu Schmerzen im Vaginalbereich führten. (siehe SWB 4/95)
NORASEPT: Gen-Mittel nach Menschenversuch gestoppt BAYER hat 150 Mio Dollar für die
Erforschung eines Mittels gegen den septischen Schock in den Sand gesetzt. Das gentechnisch hergestellte Medikament mit dem Arbeitstitel Bay x 1351 bzw. NORASEPT sollte 1998 auf den Markt kommen und bis zum Jahr
2003 für Einnahmen von 450 Millionen Dollar sorgen (vgl. TICKER 2/97). Der Vertrieb war in Kooperation mit der britischen Gentechfirma CELLTECH geplant. CELLTECH hatte BAYER im Zusammenhang mit der Forschung an Bay
x 1351 Rechte an einem anderen Antikörper überlassen und dafür im Gegenzug die Lizenzrechte von Bay x 1351 für Frankreich, Großbritannien und Irland erhalten. Im Menschenversuch an 1.900 PatientInnen in den USA
stellte sich - trotz wohlwollender Prüfung durch die von BAYER bezahlten WissenschaftlerInnen - heraus, daß das Medikament zu keiner signifikant höheren Überlebensrate führt. BAYER hatte bereits eine Fabrik für die
Herstellung des Medikaments gebaut, und CELLTECH wollte mit der Vermarktung von NORASEPT endlich in die Gewinnzone zu kommen.
Krebs durch BAYER-Abführmittel In den USA hat die BAYER CORPORATION das
Abführmittel PHILLIPS GELCAPS angeblich freiwillig vom Markt genommen und ist damit möglicherweise einem Verbot zuvor gekommen. Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde hatte darauf hingewiesen, daß die im Medikament
enthaltene Substanz Phenolphtalein bei Versuchstieren Krebs erzeugt hat. Ob die Substanz Phenolphtalein auch in anderen Mitteln und in anderen Ländern verwendet wird, ist unklar. Die BAYER CORPORATION erklärte, ihr
sei kein Fall bekannt, in dem Phenolphtalein beim Menschen Krebs erzeugt habe.
ASPIRIN macht abhängig und schadet den Nieren Bei regelmäßiger Einnahme von ASPIRIN
etwa zur Vorbeugung des Herzinfarktes kann die ursprünglich schmerzlindernde Wirkung ins Gegenteil verkehrt werden und Kopfschmerzen treten häufiger als bisher auf. Beim Absetzen des Medikaments werden
Entzugserscheinungen beobachtet, die ebenfalls mit Kopfschmerzen verbunden sind. Auch schätzen ExpertInnen, daß ungefähr ein Fünftel der Dialyse-PatientInnen über Jahre regelmäßig rezeptfreie Schmerzmittel
eingenommen und dadurch ihre Niere ruiniert haben. Die volkswirtschaftlichen Kosten der künstlichen Niere gehen ins Unermeßliche.
ASPIRIN: Kein Markenschutz in Rußland In der bereits drei Jahre währenden
Auseinandersetzung um die Warenzeichenrechte für das Schmerzmittel ASPIRIN in Rußland hat die BAYER AG, Leverkusen, eine weitere Niederlage erlitten. Das Bezirksgericht in Moskau hat in zweiter Instanz eine Klage
des deutschen Herstellers abgewiesen. Damit bleibt vorläufig auch weiterhin der Markenname ASPIRIN auf russischem Boden ungeschützt und kann von jedem Pharmaproduzenten verwendet werden. BAYER reagierte erzürnt auf
das Urteil und kündigte an, in die dritte und letzte Instanz zu gehen. Sollte der Konzern auch dort unterliegen, so werde dies ernstliche Konsequenzen für das Engagement in Rußland (Jahresumsatz 160 Mio. Mark)
haben, heißt es.
Presserummel für ASPIRIN BAYER wird nicht müde, für seinen Dauerbrenner ASPIRIN die
Werbetrommel zu rühren. Nach einem Kongreß, der in Venedig(!) stattfand, wurde die "gemeine" Presse zum 21. BAYER-Pharma- Presseseminar in die "Lochmühle" in Mayschoß eingeladen. Titel:
"ASPIRIN - Facetten eines Jahrhundert-Pharmakons". Hier versuchte der Konzern, der Presse mit den allseits bekannten Argumenten, diesmal allerdings aus den Mündern "hochkarätiger Experten", sein
ASPIRIN als das Wundermittel des 20. Jahrhunderts zu verkaufen.
Impfstoff für Rinder und Schweine BAYER will 1998 Impfstoffe für Rinder und
Schweine auf den EU-Markt bringen. Bisher ist eine Impfung von Schweinen gegen die sog. Schweinepest in der Gemeinschaft verboten, da Schweine sowohl auf den Erreger wie auf die Impfung hin die gleichen Antikörper
erzeugen und nicht erkennbar ist, ob sie geimpft oder infiziert sind. BAYER forscht nun an einem Marker-Impfstoff, der eine Erkennung möglich machen soll (vgl. TICKER 2/97). Das gleiche gilt für die sog.
Rindergrippe. Die Rindergrippe ist nicht tödlich, kann aber bei Kühen zu Unfruchtbarkeit und "Leistungsbeeinträchtigungen" führen. "Durch Zufall" fanden BAYER-ForscherInnnen einen Sondertyp des
Grippe-Virus', mit dessen Hilfe sie einen speziellen Antikörper "konstruieren" konnten, der die Impfung von der Erkrankung unterscheidet. In Europa gibt es rund 79 Millionen Rinder, davon 16 Millionen in
Deutschland, ein lohnendes Geschäft.
Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN lehnt tierquälerische Mastverfahren und die damit verbundenen "Leistungssteigerer" ab.
Künstliche Darmflora für Hühner Zur Vermeidung von Salmonelleninfektionen bei
Käfig-Hühnern hat BAYER eine künstliche Darmflora entwickelt. Das Spray mit dem Handelsnamen AVIGUARD, das der Konzern im britischen Malvern bei der Tochter MICROBIAL DEVELOPMENTS (MDL) auf biotechnischem Wege
herstellt, wird den Küken aufs Gefieder gesprüht, von wo sie es aufpicken und in den Darm aufnehmen. Dort breiten sich die in AVIGUARD enthaltenen, zuvor gefriergetrockneten Mikroben aus und lassen den Salmonella-
Bakterien keinen Platz mehr zur Vermehrung. BAYER will bis zum Jahre 2001 bei MDL für 1,5 Milliarden Hühner im Jahr AVIGUARD herstellen können. Da das neue Mittel tierquälerische Mastmethoden zementiert, fordert die
COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN ein sofortiges Verbot.
Nachfolger für CIPROBAY Bei der Entwicklung neuer Medikamente geht es weniger um
die medizinische Wirksamkeit als um den Profit. Wenn in den Jahren 2001 bis 2003 der Patentschutz für das BAYER-Antibiotikum CIPROBAY ausläuft, soll, so BAYER-Vorstand Walter Wenninger, sofort "ein Präparat mit
ähnlich großem Potential" auf den Markt kommen. CIPROBAY ist mit 2,9 Mrd. Mark Umsatz das führende Antibiotikum der Welt. Die Folgesubstanz mit dem Arbeitstitel "BAY 12-8039" befindet sich bereits in
der Retorte. Es steht zu befürchten, daß das neue Mittel - ähnlich wie CIPROBAY - umfassend beworben und verordnet wird, obwohl es vermutlich auch ein Mittel der letzten Wahl sein wird. Bis zum Jahr 2003 will
BAYER neue Arzneimittel mit einem Umsatzpotential von etwa 9 Mrd. Mark auf den Markt bringen.
Wer bezahlt eigentlich die Krankheitskosten? (BUKO) Nach den letzten beiden
Neuordnungsgesetzen der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wurden die Zuzahlungen für PatientInnen pro Medikament um sechs Mark zuzüglich einer Mark je 0,1 Prozent Beitragssatzerhöhung der Krankenkasse erhöht.
Die letzte Stufe der sog. "Gesundheitsreform", nach der Aufhebung der Arzneimittel- budgets, der Einschränkung der Reimportverpflichtung und der Lockerung der Festbeträge, ist wieder einmal ein
beherzter Griff von "Gesundheitsminister" Horst Seehofer in die Taschen der Kranken und Versicherten und ein Geschenk an BAYER und die gesamte Pharma-Industrie. Die ehemals paritätisch finanzierten
Gesundheitskosten werden derzeit nur noch zu 31 Prozent von Arbeitgebern aufgebracht.
|