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GENE & KLONE
EU billigt Gen-Patente BAYER und die gesamte Gen-Lobby haben sich durchgesetzt: Am
16.7.97 hat das Europaparlament in Straßburg nach heftig-kontroverser Debatte die umstrittene Richtlinie zum "Schutz biotechnischer Erfindungen" mit großer Mehrheit gebilligt. 378 Abgeordnete stimmten für
den konzernfreundlichen Entwurf der EU-Kommission, 113 dagegen, 19 enthielten sich der Stimme. Zu den BefürworterInnen gehörten ChristdemokratInnen, Teile der SozialdemokratInnen und Liberale. Dagegen stimmten Grüne
und Linke. Die grüne Abgeordnete Hiltrud Breyer hat in einer leidenschaftlichen Stellungnahme davor gewarnt, den Menschen durch die neue Richtlinie zum "biologischen Materiallager" zu degradieren. Breyer
wörtlich: "Das Leben wird zur Ware." TierschützerInnen kritisieren zudem die in der Richtlinie vorgesehene - und durch das Europäische Patentamt längst vollzogene - Patentierung von Tieren. Der
BAYER-Konzern stellt heute bereits den Blutgerinnungsfaktor VIII in den USA gentechnisch her. Weitere Medikamente sind vorgesehen. Riesige Profite winken. Es ist das erklärte Ziel des Leverkusener Multis, weltweit
zu den führenden Unternehmen im Bereich der Gentechnik zu gehören.
Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN lehnt Gen-Patente sowie die Gentechnik insgesamt ab.
Meere als Patentquelle Nicht nur Regenwälder oder chinesische Naturarzneien (SWB
berichtete) werden dem Zugriff und der Patentierung durch BAYER und andere Konzerne unterworfen. Nun sollen auch die genetischen Ressourcen der Meere mit geschätzten 100 Mio Arten profitträchtig werden. "Die
Natur serviert uns neue Substanzen auf dem silbernen Tablett", sagt BAYER-Mann Hans Kölbl und ergänzt: "Wir müssen nur die Arbeit reinstecken, um das silberne Tablett zu untersuchen." Und was läge zur
Sicherung dieses Zieles näher, als eine Kooperation mit renommierten Einrichtungen der Deutschen Meeresforschung einzugehen? BAYER-Mann Kölbl organisierte daher einen "Schnupperkurs" zwischen Wissenschaft
und Privatwirtschaft. Das Ziel lautet: Zugriff auf Forschungsschiffe, Taucher und öffentliche biologische wie universitäre Anstalten. Auch das Bonner Forschungsministerium zeigte sich an dem Deal interessiert und
stellte als Anreiz für die geplante "Industrieanbindung" eine (leichte) Erhöhung des Meeres-Etats auf 240 Mio Mark bis zum Jahr 2000 in Aussicht: BAYER forscht mit Steuergeldern. Und nicht nur das. Die
Industrie soll nach Vorgabe des Forschungsministerium einen immer stärkeren Einfluß auf die staatliche Forschung nehmen; "Marktfähigkeit" heißt das im Neuhochdeutsch. Wissenschaftler sollen zu
Materialbeschaffern für BAYER & Co degradiert werden. BAYER denkt dabei wieder mal global. Mit den genetischen Ressourcen der "Hausmeere" Nord- und Ostsee will man sich keineswegs begnügen; auch die
tropischen Gewässer sollen angeeignet werden. Leider, so Kölbl, sei die weltweite Option mit bürokratischen Hürden verbunden, da nach der Konvention über Biologische Vielfalt die Anrainerstaaten eine
Zufahrtsgenehmigung für Küstengewässer erteilen müssen. Bleibt als Trost für BAYER & Co, daß die hohe See bislang noch "freies Gut" ist. Sehr zum Ärger einer ExpertInnengruppe der
UN-"Konvention Biologische Vielfalt": "Die Ressourcen sollten so lange als Welterbe geschützt werden, bis alle wirksam und gleichberechtigt an ihrer Nutzung teilnehmen können", schreiben die
WissenschaftlerInnen in einer Studie, die bei der letzten Vertragsstaaten-Konferenz der Konvention in Buenos Aires - vermutlich auf Druck der Konzerne hin - nicht behandelt und auf den St.-Nimmerleinstag verschoben
wurde.
Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN lehnt die Patentierung natürlich vorkommender Arten und Substanzen kategorisch ab.
DFG-Winnacker für BAYER-Gentech Dem BAYER-Konzern ist es gelungen, Ernst-Ludwig
Winnacker, in der Tagespresse "Mister Gentech" und "gefährlicher Drahtzieher im Interesse der Wirtschaft" genannt, für den Aufsichtsrat zu gewinnen. Er wurde auf der BAYER-Hauptversammlung am
30. April 1997 gewählt (siehe SWB 2/97). Winnacker ist Präsident der DEUTSCHEN FORSCHUNGSGEMEINSCHAFT (DFG) und damit Herr über einen Etat von rund zwei Milliarden Mark. Die DEUTSCHE FORSCHUNGS- GEMEINSCHAFT ist
die öffentliche Institution zur Vergabe von Forschungsmitteln an Hochschulen und Instituten. Winnacker ist maßgeblich am "Genomprojekt" beteiligt, bei dem WissenschaftlerInnen aus aller Welt das Erbgut des
Menschen bis zum Jahr 2002 entschlüsseln wollen. Seine industriefreundliche Parteilichkeit hat er durch sein Mitwirken an einer Pro-Gentech-Anzeige von BAYER & Co frühzeitig unter Beweis gestellt. BAYER steht
mit der Person Winnacker an einem der wichtigsten Schalthebel für die deutsche Forschung. Winnackers Vater war von 1943 bis 1945 einer der drei Chefs des Blutkartells IG FARBEN und dereinst Aufsichtsratsvorsitzender
der BASF.
"Bei Bayer wird nicht geklont" "Bei Bayer wird nicht geklont",
antwortete Forschungsvorstand Pol Bamelis beim Presseforum "Innovationsperspektive" auf Fragen von JournalistInnen. Was heißt das? Daß zur Zeit nicht geklont wird, aber vielleicht in Zukunft? Sagte
Bamelis, daß bei BAYER in Zukunft nicht geklont werde? Meinte Bamelis vielleicht, daß zwar bei BAYER nicht, aber dafür bei irgendeiner Tochter geklont wird, werden könnte? Oder meinte er, daß zwar nicht bei BAYER
und auch bei keiner Tochter, aber dafür im Auftrag bei einer Fremdfirma geklont werde? Was sagte Pol Bamelis eigentlich? Immerhin konnten wir in STICHWORT BAYER 1/97 melden, daß BAYER keine moralischen Bedenken
gegen die Verwendung von Zellen geklonter Tiere hat. Bestes Beispiel ist das schottische Klon-Schaf "Tracy", das im Auftrag von BAYER "erschaffen" wurde (vgl. SWB 2/97).
Die Skrupel vor dem Menschen-Klon werden aufgeweicht (gid) Die Politik erklärt
vollmundig: "Wir sind gegen das Klonen von Menschen!" Auf Fachtagungen und im Interview erklären allerdings "hochkarätige" Fachleute: "Ja, warum eigentlich nicht!" So hält der Mediziner
Werner Gehring, Chef einer der größten Fortpflanzungskliniken der Welt in Bad Münder bei Hannover, das Menschenklonen durchaus für wünschenswert - "zum therapeutischen Nutzen", versteht sich. Denn
menschliche Klone könnten als "individuelles Ersatzleilllager" zur Organ- und Gewebespende eingesetzt werde. "Ich weiß, das klingt schauderhaft", äußerte er sich gegenüber der Zeitschrift Bild
der Wissenschaft (6/1997). Aber es sei nicht nur "wahrscheinlich, sondern auch sicher, daß in einer anderen Zeit darüber auch anders befunden wird." Nationalistisch "argumentiert" die
Marburger Humangenetikerin Helga Rehder, die auf einer Fachtagung der Bundesärztekammer in Köln fragte, wie denn ein Klon-Verbot aufrechterhalten werden könne, wenn das deutsche Volk eines Tages auszusterben drohe!
170 Millionen Mark für Bio- und Gentechnik Im November 1996 kürte
Bundesindustrieminister Jürgen Rüttgers - im Einvernehmen mit der rotgrünen Landesregierung - die sog. "BioRegio NRW" (wir berichteten z. B. in SWB 1/97) und stellte als "Preisgeld" 50 Millionen
Mark für die Bio- und Gentechnikforschung bereit. Neben den 20 Millionen Mark Risikokapital, die BAYER für junge Gentech-Klitschen bereitgestellt hat, will das Land Nordrhein-Westfalen den Topf noch einmal um 100
Millionen Mark aufstocken. BAYER kommt, neben all dem Geld, die Zusammenarbeit von 57 Universitätsinstituten, sowie 20 weiteren Einrichtungen, die sich mit Bio- und Gentechnik befassen, zugute.
Gensequenzen auf der Datenautobahn BAYER hat mit der GENOME THERAPEITICS
CORPORATION (GTC) in Waltham, Massachusetts (USA) einen Vertrag zur Nutzung der Pathogenome-Datenbank von GTC geschlossen. Diese Datenbank ist die größte für Gensequenzen von Mikroorganismen, die kommerziell nutzbar
ist. Mit Hilfe der Datenbank will BAYER Antiinfektiva gegen bakterielle Krankheitserreger entwickeln. BAYER zahlt GTC eine jährliche Nutzungsgebühr von einer Million Dollar, sowie bei der gelungenen Entwicklung
eines Antiinfektivums eine nicht näher benannte Lizenzgebühr.
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