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IMPERIUM & WELTMARKT
BAYER SOLAR: Günstiger Standort (KfdB) BAYER hat in die ostdeutsche Tochter BAYER
SOLAR (Freiberg) 48 Millionen Mark investiert; ein Viertel (12 Millionen DM) davon wurde als direkter Investitionszuschuß vom Staat bzw. Land gesponsert. Zusätzlich gewährt der Staat eine 50prozentige
Sonderabschreibung im ersten Jahr (24 Millionen DM) für Investitionen in den neuen Bundesländern. Daß der Vorstandsvorsitzende Schneider bei der Eröffnung trotzdem die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen
(vor allem die Steuerbelastung und die Sozialabgaben) in Deutschland kritisierte, ist erneuter Beweis für die einfach unersättliche Gewinngier des Konzerns. Zumal Sozialabgaben nur für 92 Mitarbeiter anfallen, mehr
werden für die in 3 Jahren erwarteten 48 Millionen Umsatz nicht gebraucht (ca. 1/2 Million DM Umsatz pro Jahr und Mitarbeiter). Die neue Anlage soll sich schon innerhalb dieser 3 Jahre amortisieren und Gewinn
abwerfen. Bei derzeit schon 25 Millionen DM Umsatz und den üppigen staatlichen Zuschüssen und Zinsvorteilen, besteht unter dem Strich kaum mehr unternehmerisches Risiko. Bei der Entscheidung für Freiberg war
auch wesentlich, daß dort schon seit 1957 im Bereich Silicium und Photovoltaik geforscht wird. Qualifizierte Mitarbeiter waren im Umfeld also genügend vorhanden. In diesem Fall überwogen also die
"Standortvorteile" (Subventionen) von Freiberg. Das nächste Mal bietet vielleicht Rio de Janeiro oder Singapur mehr. Auf jeden Fall wird BAYER versuchen, noch mehr rauszupressen.
BAYER wartet auf Kuba Trotz der Androhung von US-Sanktionen für alle Unternehmen,
die mit Kuba Geschäftskontakte unterhalten, BAYER bleibt auf der Karibikinsel präsent. In Havanna unterhält der Leverkusener Chemiemulti eine eingetragene Firma mit zwei Bürokräften, angeblich um Warenzeichen und
Patente zu schützen und zur Kontaktpflege zu den kubanischen Behörden. Das Büro, so BAYER mit Verweis auf eine schwarze Liste der USA mit allen Firmen, die auf Kuba aktiv sind, sei aber keine Niederlassung im
engeren Sinne, und produziert werde auch nicht. Für den Fall aber, daß es der kapitalistischen Welt eines Tages gelingt, eine der letzten sozialistischen Regierungen zu stürzen, steht BAYER jetzt schon in den
Startlöchern.
BAYER verkauft Keramik BAYER wird seine weltweite Keramiksparte an die
Investmentgesellschaft ADVENT INTERNATIONAL (London) und CHASE CAPITAL PARTNERS für einen nicht genannten Preis verkaufen, weil sie nicht mehr zu den von BAYER auserkorenen "Kernaktivitäten" passen.
Insgesamt 500 MitarbeiterInnen an vier Standorten in Europa und den USA erwirtschafteten 200 Millionen Mark. Zwar wird das Management übernommen, doch machte BAYER keine Angaben darüber, ob die neuen Eigentümer
gedenken, MitarbeiterInnen "freizusetzen".
H & R: Erst illegale Preise, jetzt Verkauf Die BAYER-Tochter HAARMANN &
REIMER (H & R) will ihr weltweites Geschäft mit Lebensmittelzusatzstoffen verkaufen. Im wesentlichen wird in dem genannten Bereich Zitronensäure hergestellt. Die BAYER- Tochter war in den vergangenen Monaten in
den USA in die Schlagzeilen geraten, weil sie mit anderen Unternehmen illegale Preisabsprachen für Zitronensäure getroffen hatte. BAYER wurde zu 50 Millionen Dollar Strafe verurteilt (wir berichteten in SWB 1/97).
Angeblich soll der Bereich verkauft werden, weil er nicht zu den anvisierten "Kernaktivitäten" des Konzerns passe. 1.310 Beschäftigte in den USA, Brasilien und Großbritannien erwirtschafteten 1996
einen Umsatz von mehr als 450 Millionen Mark. Ob sich BAYER mit der Veräußerung von dem Skandal freikaufen will? Es wurde nichts bekannt über Kaufpreis, InteressentInnen und geplante Rausschmisse.
BAYER vertreibt SYNVISC von BIOMATRIX BAYER erwirbt von der US-amerikanischen
Biotechnologie-Firma BIOMATRIX gegen die Zahlung von fünf Millionen Dollar die Vertriebserlaubnis für das weiterhin von BIOMATRIX hergestellte Medikament SYNVISC in Australien, Malaysia, Indonesien, Thailand,
Singapur, Taiwan, Neuseeland und Israel. Das offensichtlich bio- oder gentechnisch hergestellte Medikament soll bei Gelenkkrankheiten fehlende Gelenkflüssigkeit ersetzen.
SIMSCI verkauft BAYER-Programm BAYER hat ein Programm entwickelt, das
Produktionsprozesse simuliert. Dieses Programm mit dem Namen SIMULATION MANAGER wird nun von der US-amerikanischen SIMULATION SCIENCE (SIMSCI) vertrieben. Außerdem wolle man bei der Programmentwicklung künftig enger
zusammenarbeiten, erklärte BAYER.
BAYER und GEP: Windschutzscheiben aus Plaste BAYER und GENERAL ELECTRIC PLASTICS
(GEP) gründen ein Joint venture mit Sitz in Detroit (USA) zur Produktion von Windschutz- und Autoscheiben aus Polycarbonat. Beide Firmen sind zu je 50 Prozent an dem neuen Unternehmen beteiligt, das Investitionen in
eine Pilotanlage in Michigan (USA) und Vertriebsstrukturen in Asien und Europa in Höhe von 40 Millionen Dollar benötigt. Die Zentrale des neuen Unternehmens soll in den USA sein. BAYER verkauft das lukrative Produkt
als seinen Beitrag auf dem Weg zum "Drei-Liter-Auto", da die Plaste-Autoscheiben ca. 40 Prozent weniger Gewicht haben.
Restauration verselbständigt Der Restaurations- und Servicebereich von BAYER wurde
als BAYER RESTAURANT & SERVICE GmbH ausgegliedert. In vielen Unternehmen ist es inzwischen üblich, Dienstleistungen für Abteilungen des eigenen Unternehmens nach Marktpreisen abzurechnen, um sich der dann als zu
teuer erklärten Dienstleistung entledigen zu können und sie bei einer Fremdfirma günstiger einzukaufen. BAYER hat für seine Restaurationsbetriebe (u. a. Kantinen) und Bewachungsdienste einen ähnlichen Weg gewählt.
Die Kantinen in Brunsbüttel und Bitterfeld, zwei Tagungshäuser sowie die Gastronomie des BAYER-eigenen Stadions in Leverkusen wurden in die BAYER RESTAURANT & SERVICE GmbH überführt. Die gesamten Servicebereiche
sollen sich auf dem "freien" Markt behaupten, BAYER-Restaurants für das breite Publikum geöffnet werden. Auf der anderen Seite versucht die GmbH Kosten zu drücken, indem sie weniger Lohn zahlt und
schlechtere Sozialleistungen bietet. Etwa 400 Beschäftigte fürchten, zwangsweise in die GmbH "überführt" zu werden.
BAYER-Generika in Frankreich Das Generika-Unternehmen BAYER CLASSICS (Paris), eine
Tochter von BAYER PHARMA FRANCE, hat die Produktion und den Vertrieb von Generika aufgenommen. Die Produktpalette umfaßt Präparate aus den Bereichen Herz-Kreislauf, Stoffwechsel und Infektionen. Mittelfristig will
BAYER einer der führenden Generika-Anbieter in Frankreich werden, heißt es. Mit zum Erfolg beitragen soll die Tatsache, daß die französischen Gesundheitspolitiker den vermehrten Gebrauch von Generika propagieren.
Portugal und Spanien im Verbund Der BAYER-Konzern will künftig die
Beteiligungsgesellschaften in Spanien und Portugal zu einer Ländergruppen-Organisation zusammennfassen. Die Selbständigkeit der einzelnen Unternehmen soll bestehen bleiben. BAYER setzte in beiden Ländern mit 3.400
MitarbeiterInnen insgesamt 2,27 Milliarden Mark um. Ob der Zusammen- schluß mit Entlassungen verbunden ist, verriet BAYER nicht.
Kreativität durch Kapitalbeteiligung abschöpfen BAYER will sich an jungen,
innovativen Unternehmen beteiligen, die sich durch Kreativität, Flexibilität, schlanke Organisation und geringe Kosten auszeichnen. Der Konzern reagiert bisher zu behäbig auf wissenschaftliche Herausforderungen,
erläuterte Forschungs-Vorstand Pol Bamelis. Nun wurde zum Zweck der gezielten Akquisitionen die BAYER INNOVATION BETEILIGUNGSGESELLCHAFT mbH gegründet. Von den 3,7 Milliarden Mark, die BAYER vornehmlich im Ausland
in die Forschung investiert, sollen 15 Prozent in externe Forschungsvorhaben investiert werden, so Bamelis. Bisher pflegt BAYER - soweit bekannt - rund 700 Kooperationen.
AGFA schluckt einen Happen von DUPONT Die BAYER-Tochter AGFA übernimmt das
Druckplattengeschäft des US-Konzerns DUPONT. Dazu gehören die Produktion graphischer Filme und Offsetdruckplatten in Neu-Isenburg,ein Distributionszentrum in Dreieich-Dreieichenhain und Produktionsstätten in
Großbritannien. Allein in Deutschland sind von der Transaktion 900 MitarbeiterInnen betroffen. DUPONT erwirtschaftete 1996 mit dem nun von AGFA übernommenen Druckplattengeschäft 900 Millionen Mark. Über Entlassungen
wurde bisher nichts bekannt. AGFA übernimmt mit dem Bereich auch die Markennamen für Filme und Druckplatten.
Jede Menge Geld mit (Latex-)Schaum verdient Die POLYMERLATEX GmbH, 1996 zu gleichen
Teilen von BAYER und der VEBA- Tochter HÜLS gegründet, will 50 Prozent der finnischen EKA POLYMERLATEX OY (EPL) erwerben, die zur niederländischen AKZO NOBEL N.V. gehört. EPL stellt Latex für die Papierbeschichtung
her. Während die POLYMERLATEX GmbH expandieren will und 1998 eine neue Anlage in Frankreich sowie 1999 bei der HÜLS-Tochter RÖHM in Worms und Darmstadt eröffnen will, sollen die Latex-Produktion bei BAYER in
Leverkusen und Port-Jerome eingestellt werden.
Kooperation bei Tumormarkern BAYER will auf dem lukrativen Markt von Tumor-Markern
zur Früherkennung von Krebs mitverdienen und kooperiert bei der Entwicklung neuer Marker mit den US-amerikanischen Firmen ONCOGENE SCIENCE und METRA BIOSYSTEMS.
BAYER CORPORATION schwimmt im Geld Die US-amerikanische BAYER CORPORATION
erwirtschaftete mit 24.000 MitarbeiterInnen an 50 Standorten in den USA einen Umsatz von 9 Milliarden Dollar und ist damit die umsatzstärkste BAYER-Tochter. In den nächsten sechs Jahren will BAYER-USA insgesamt 8,7
Milliarden Dollar vor allem in die Bereiche Pharma und Polymere investieren.
Much more Plasma from BAYER Der BAYER-Konzern will in den USA seine
Produktionskapazitäten für Blutplasma in Clayton, North Carolina (USA) ausbauen und zu diesem Zweck 60 Millionen Dollar investieren.
CIPROBAY auf neuen Wegen BAYER will das umsatzschwere Antibiotikum (1996: 2 Mrd
Mark) in einer neuen Darreichungsform auf den Markt bringen. Hierzu ist der Konzern mit dem US-Unternehmen SEQUUS PHARMACEUTICALS eine Kooperation eingegangen. SEQUUS PHARMACEUTICALS entwickelt sog. Stealth
Liposomen (Öl-Wasser- Emulsionen), die den Wirkstoff Ciprofloxacin einbinden und angeblich besser an schwer behandelbare Infektionsherde transportieren können. Für die weltweite Nutzung dieser Darreichungsform, die
BAYER exklusiv für Ciprofloxacin und andere Chinolone nutzen kann, zahlt BAYER SEQUUS PHARMACEUTICALS eine umsatzabhängige Lizenzgebühr.
ALZA übernimmt Mundtherapeutikum BAYER hat in den USA die Lizenz für sein Mund- und Rachenthera-
peutikum MYCELEX TROCHE, das u. a. bei AIDS-PatientInnen eingesetzt wird, an das US-Unternehmen ALZA, Palo Alto in Kalifornien verkauft. Die Lizenz war ALZA 50 Millionen Dollar wert. BAYER hat 1996 mit MYCELEX
TROCHE 20 Millionen Dollar umgesetzt und erhält von ALZA noch weitere Zahlungen, wenn die Umsätze einen von beiden Unternehmen nicht genannten Betrag übersteigen.
Kaufrausch in Brasilien Im Jahr 1996 hatte BAYER in Brasilien einen Umsatzzuwachs
von 30 Prozent auf umgerechnet insgesamt ca. 1,5 Milliarden Mark zu verzeichnen. Ursache dafür sind Firmenzukäufe. 1996 erwarb BAYER in Brasilien den Eisenoxidproduzenten GLOBO S.A. mit einer Produktion im
Bundesstaat Sao Paulo und die Kunsstoff-Fabrik CPB im Staat Bahia. Die BAYER S.A. in Brasilien trägt drei Prozent zum Konzernumsatz bei und will 1997 ca. 70 Millionen Reales investieren.
Pillenschwemme aus Buenos Aires Nach der Inbetriebnahme der
Tablettenproduktionsanlage im mexikanischen Lerma mit einer Jahreskapazität von 4.000 Tonnen (siehe TICKER 2/97), plant BAYER in Buenos Aires, Argentinien ebenfalls eine Anlage für rezeptfreie Medikamente. Nach
einer Investition von 40 Millionen US-Dollar sollen u. a. 3,3 Milliarden ASPIRIN-Einheiten die Fabrik verlassen und die Menschen in Argentinien, Paraguay, Uruguay, Chile und Bolivien von Schmerzen und Geld befreien.
Bisher setzte BAYER in Argentinien mit 1.500 MitarbeiterInnen insgesamt 560 Millionen US-Dollar um. Es steht zu befürchten, daß BAYER mit leichtverkäuflichen irrationalen Medikamenten der armen Bevöllkerung noch
mehr Geld aus der Tasche zieht.
Pflanzengift-Joint venture Mit 49,9 Prozent beteiligte sich BAYER an der MISUNG
AGROCHEMICALS, Korea, die bisher in alleinigem Besitz der AGREVO, dem Joint venture von SCHERING und HOECHST, war. MISUNG AGROCHEMICALS hatte bisher mit umgerechnet 70 Millionen Mark Umsatz einen Anteil am
koreanischen Pflanzengift-Markt von 6,4 Prozent und soll die Produkte der beteiligten Firmen formulieren und verkaufen. BAYER hat auf dem asiatischen Markt bereits eine dominierende Position im Bereich Insektizide
und setzt dort insgesamt 3,5 Milliarden Mark um (siehe auch Ticker 2/97).
Hohe Investitionen in Asien Damit BAYER in Asien noch mehr Geld verdienen kann -
der Anteil am Konzernumsatz soll von derzeit 17 auf 30 Prozent steigen - will der Multi allein in Taiwan, China und Thailand etwa 2,5 bis drei Milliarden Mark investieren.
Pflanzengifte aus Vietnam Die vietnamesische BAYER AGRITECH SAIGON will künftig
neben Veterinärprodukten auch Pflanzengifte herstellen. Bis 2001 will der Chemieriese dort umgerechnet 25 Mio Mark investieren. Vietnam verspricht als einer der größten Reisexporteure der Region einen lukrativen
Markt.
China: Zwei neue Joint Ventures BAYER hat mit der JINLING PETROCHEMIKAL CORPORATION
in Nanjing, die zur CHINA NATIONAL PETROCHEMICAL CORPORATION (SINOPEC) gehört, ein Joint Venture zur Produktion von Polyurethanen gegründet. Unter dem Namen BAYER JINLING POLYURETHANE sollen 10.000 Tonnen
Polyurethane pro Jahr produziert werden. Mit dem Bau einer neuen Anlage ist bereits begonnen worden. Ein zweites Joint venture beabsichtigt BAYER mit der SHANGHAI GAO-QIAO PETROCHEMICALS CORPORATION zu gründen,
die ebenfalls zur SINOPEC gehört. Mit seinem neuen Partner, der bereits eine Produktionsanlage für 60.000 Jahrestonnen besitzt, will BAYER Synthesekautschuk produzieren. In Zukunft soll noch eine Anlage für
zusätzliche 100.000 Jahrestonnen gebaut werden. Der Synthese- kautschuk soll nicht nur für den chinesischen Markt sondern auch für den Export produziert werden.
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