SWB 03/97 - Ticker

POLITIK & EINFLUSS

Pharma-Kampagne ohne EU-Unterstützung
Seit Jahren kämpft die BUKO-Pharma-Kampagne (des Bundeskongresses entwicklungspolitischer Aktionsgruppen) gegen irrationale und gefährliche Medikamente, die BAYER & Co in "Entwicklungsländern" verkaufen. Nach zehnjähriger Förderung durch die EU wurde nun ein erneuter Antrag (300.000 Mark für zwei Jahre) abgelehnt. Das beantragte Projekt habe für die entwicklungspolitische EU-Öffentlichkeitsarbeit keine Priorität, hieß es aus Brüssel nach einjähriger "Bearbeitungszeit". Es liegt die Vermutung nahe, daß die übermächtige Pillen-Lobby die weitere Förderung der BUKO-Kampagne verhindert hat. Die EU-Geldsperre könnte das Ende des konzern-
kritischen Engagements der PharmakritikerInnen bedeuten.

Keine Gefahr durch Pyrethroide
Auf einer als "wissenschaftlich" bezeichneten Tagung im Monheimer Pestizidzentrum des Konzern am 13.5.1997 haben sog. Fachleute die "Unbedenklichkeit der Anwendung von Nervengiften in Innenräumen", insbesondere von Pyrethroiden, bei denen BAYER Weltmarktführer ist, verkündet (vgl. SWB 3/97). Die Liste der "ReferentInnen" reichte vom Deutschen Hausfrauenbund über die Uni Düsseldorf bis hin zum BUNDESINSTITUT FÜR GESUNDHEITLICHEN VERBRAUCHERSCHUTZ UND VETERINÄRMEDIZIN (BgVV). Während BAYER-Mann Dr. Stefan Schüle Insektizide in Innenräumen als unproblematisch erachtete, forderte Klaus E. Appel vom BgVV die Kennzeichnung von pyrethroidhaltigen Teppichen. So nebenbei dürfte zwischen BAYER und BgVV auch über Zulassungskriterien für neue Pestizide debattiert worden sein. Das BgVV hat sich in der Vergangenheit als äußerst industriefreundlich erwiesen, etwa bei der Begutachtung von Holzgiften oder dem unterlassenen Verbot von bedenklichen Antibiotika für Masttiere wie das BAYER-Mittel BAYTRIL (vgl. SWB 2/97). BAYER nutzt die selbstorganisierte "Tagung", um die Unbedenklichkeit von Pyrethroiden zu "belegen".

GEFFRUB wird 80 Jahre alt
Die von BAYER-Chef und IG FARBEN-Begründer Carl Duisberg ins Leben gerufene "GESELLSCHAFT DER FREUNDE UND FÖRDERER DER UNIVERSITÄT BONN" (GEFFRUB) wird 80 Jahre alt. Schon seit Beginn dieser Kooperation von Hochschule und Industrie verstand es der BAYER-Konzern, seinen Einfluß auf Forschung und Lehre über Zuwendungen an die Hochschule geltend zu machen. (siehe SWB 1/97: "Wo sie Führer finden ...") Die GEFFRUB hatte wie Duisberg den Nationalsozialismus öffentlich unterstützt. Die vor allem für BAYER fruchtbare Kooperation mit der Universität Bonn hält bis heute an.

Roman Herzog lächelt für BAYER
Bei seiner USA-Reise im Mai 1997 besuchte Bundespräsident Roman Herzog auch die Laboratorien von BAYER in Pittsburgh. Unter dem Applaus der Manager empfahl er Steuersenkungen als Investitionsmotor auch für Deutschland.

Clement wirbt für Chlorchemie
NRW-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement bekannte sich am 22.5.1997 auf einem "Chemieforum" in Köln öffentlich zur umstrittenen Chlorchemie, die, "wie die Grundstoffchemie insgesamt, kein Auslaufmodell für Deutschland" sei. Der zukünftige Ministerpräsident hat bei einer Tour durch Japan und die USA eine Marketing- Kampagne gestartet, um Investoren für den Chemiestandort rund um Köln, also auch für die BAYER-"Chemieparks" Leverkusen und Dormagen, zu gewinnen. Auf dem Chemieforum nicht fehlen durfte der BAYER-Konzern, dessen Vorstandsmitglied Pol Bamelis wieder die angeblichen "Wettbewerbs-
nachteile" des deutschen Standortes wegen zu hoher Kosten beklagte.

Uneigennützige Hilfe für kleine PolitikerInnen
BAYER-Beschäftigte sitzen in Stadträten, Landtagen und sonstigen Gremien. Um die Effizienz der politischen Einflußnahmen im Sinne des Konzerns zu "effektivieren" bietet der Bereich Unternehmenskommuni-
kation allen Beschäftigten, die politische Ehrenämter bekleiden, Hilfe bei der nötigen Imformationsbeschaffung für ihr Amt an. Dies bezieht sich "auf BAYER-spezifische oder auf allgemein gesellschaftliche Aspekte", heißt es.

Junge UnternehmerInnen unter den Fittichen von BAYER
Leverkusen besitzt seit 1995 ein "Gründer- und Innovationszentrum" (GIZ), das von der Stadt, der Stadtsparkasse und BAYER ins Leben gerufen wurde. Die Interessen von BAYER legte Helmut Loehr, bis vor kurzem noch BAYER-Finanzvorstand, klar: "Auch unter dem Gesichtspunkt, daß mannigfaltige Kooperationsverbindungen mit BAYER denkbar sind" unterstütze BAYER das GIZ. So sichert sich der Konzern von Anfang an potentielle GeschäftspartnerInnen, kreatives Potential in Köpfen von gründungswilligen Menschen und möglicherweise auch die Verwertbarkeit von Gründungsideen.

Großzügiges Pillengeschenk
Mit großer Presse schenkte vor einigen Monaten BAYER der Organisation "Ärzte ohne Grenzen" 50.000 Ciprofloxacin-Tabletten (Handelsname CIPROBAY). Diese Gabe sei der erste Teil einer Vereinbarung zwischen BAYER und der Hilfsorganisation zum "Kampf gegen Infektionskrankheiten". BAYER verschenkt nichts ohne Grund. In diesem Fall mag es um die Durchsetzung von CIPROBAY im hart umkämpften internationalen Markt gegangen sein. Immerhin wurde das Marketing für CIPROBAY insbesondere in der "Dritten Welt" immer wieder kritisiert. Offensichtlich sollte der angeschlagene Ruf von CIBROBAY durch die Schenkung an "Ärzte ohne Grenzen" aufpoliert werden.

LehrerInnen in Bitterfeld
Immer wieder lädt die nach dem ehemaligen BAYER-Vorstand und Nazi benannte Kurt-Hansen-Stiftung PädagogInnen (mit öffentlichen Mitteln gefördert) an BAYER- Standorte ein. Vom 9. bis 11. April 1997 verbrachten 40 LehrerInnen aus Nordrhein- Westfalen drei Tage bei BAYER-Bitterfeld. Mit von der Partie waren ebenfalls VertreterInnen der Bezirksregierung, die verantwortlich sind für die Erstellung von Lehrplänen.