SWB 03/97 - Ticker

UMWELT & SCHMUTZ

BAYER: Ausgaben für Umweltschutz halbiert
BAYER-Vorstandsmitglied Udo Oels hatte sich zur öffentlichen Verkündung des BAYER-Umweltberichtes einen denkbar schlechten Zeitpunkt ausgesucht: Zeitgleich platzte bei BAYER-Dormagen ein Rohr und mehr als 12 Tonnen krebserregende Substanz regneten auf BAYER-Gelände und Umgebung. Das hielt Udo Oels aber keineswegs davon ab, eine für BAYER wie immer positive Umwelt-Bilanz zu ziehen. So stieg z. B. in Leverkusen die Menge des Mülls, der auf der eigenen Deponie "entsorgt" wurde an. Es wurden 52.193 Tonnen verbrannt und 237.534 Tonnen deponiert. Von Fremdfirmen wurden noch einmal 2.712 Tonnen Müll verbrannt und 59.641 Tonnen deponiert - alleine in Leverkusen. Auch in Brunsbüttel wurde die Menge des verbrannten Abwassers erhöht. Die Auslastung der Anlage stieg innerhalb eines Jahres von 63 auf 90 Prozent. BAYER bietet dort diese fragwürdige Form der "Abfallbeseitigung" auch Fremdfirmen an.
Seit 1990 hat BAYER die Investitionen für Einrichtungen des Umweltschutzes weltweit auf nun 384 Millionen Mark halbiert. Udo Oels erläutert diesen Schritt mit einer geradezu zynischen Begründung:
Die Sorge um die Umwelt sei in der Öffentlichkeit von der Sorge um Arbeitsplätze und Renten verdrängt worden!
Oels bekannte sich einmal mehr zur Chlorchemie und machte die Zertifizierung weiterer BAYER-Standorte nach der umstrittenen Öko-Audit-Verordnung von einer weiteren "Entbürokratisierung" von Verwaltungsverfahren abhängig. "Prüfungsinstanz" des BAYER- Umweltberichtes ist die Agentur ARTHUR D. LITTLE, die dem Bericht "Wirklichkeitstreue" bescheinigte und die bereits des öfteren mit Beurteilungen und Öko-Audit-Zertifizierungen von BAYER beauftragt worden ist.